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KLASSIK-CD: Jonathan Notts doppelte Schlusstat mit Mahler

Nach den Mahler-Sinfonien nahm Jonathan Nott nicht nur mit den Bamberger Symphonikern Gustav Mahlers «Das Lied von der Erde» auf. Sondern gleich auch noch mit den Wiener Philharmonikern.
Jonathan Nott bei einem Auftritt am Lucerne Festival. (Bild: PD (31. 8. 2017))

Jonathan Nott bei einem Auftritt am Lucerne Festival. (Bild: PD (31. 8. 2017))

2003 begann die Zusammenarbeit der Bamberger Symphoniker und des Schweizer Labels Tudor mit Jonathan Nott, der 1997 bis 2002 in Luzern gewirkt hatte. Eigentlich war er damals als Operndirigent nach Luzern berufen worden, doch seine Hauptakzente setzte er im neu eröffneten Konzertsaal von Jean Nouvels Prachtsbau KKL, wo er mit innovativen Programmen und grossbesetzten Orchesterwerken die Basis für das «neue» Luzerner Sinfonieorchester schuf.

Nachhaltig war erst recht die Aufbauarbeit in Bamberg, es gab viele Höhepunkte bis hin zu Wagners «Ring des Nibelungen», der im Sommer 2013 als halbszenische Produktion auch am Lucerne Festival gezeigt wurde. Mit der Einspielung der Sinfonien von Franz Schubert und besonders von Gustav Mahler schrieb der britische Dirigent während seiner 16-jährigen Bamberger Zeit Schallplattengeschichte.

Indem Nott nun kurz hintereinander das noch fehlende Glied in der Gesamtaufnahme der Mahler-Sinfonie, «Das Lied von der Erde», mit zwei verschiedenen Orchestern aufgenommen hat, vervollständigte er zum Schluss mit den Bamberger Symphonikern (bei Tudor) die Gesamtaufnahme der Mahler-Sinfonien. Andererseits deutet die Aufnahme mit den Wiener Philharmonikern (bei Sony) seinen Aufbruch zu neuen Ufern an. Vor allem aber ermöglichen die beiden Aufnahmen einen reizvollen Vergleich zwischen beiden Klangkörpern.

Geschärfte Klangfarben und Transparenz

Dabei ist der Hauptfokus auf das Orchester auch werkimmanent bedingt, spielt es doch in dieser verkappten Sinfonie für zwei Stimmen (Tenor und Alt oder Bariton) und Orchester die Hauptrolle. Mit der fulminant im Fortissimo steil in die Höhe ragenden Einleitung markiert das Orchester sofort mit Hochdruck Präsenz, noch bevor der Tenor-Solist voller Ekstase das «Trinklied vom Jammer der Erde» anstimmt.

Die Orchester stehen sich in nichts nach, hier wie dort schärft Nott die Klangfarben, aber auch der sinfonische Charakter, vor allem im «Abschied», der etwa gleich lang ist wie die andern fünf Sätze zusammen, tritt mit seiner inneren Ruhe und dem weitgesteckten Verlauf hervor. Die fein gewobenen Klänge und die Farben der Stimme fliessen untrennbar ineinander. Mit sparsamen Mitteln – immer mehr auf Celesta, Mandoline, Harfe und verhaltene Bläserstimmen reduziert – schuf Mahler ein Adagio, das das langsame Hinübergleiten in Ewiges beschwört. Durchsichtigkeit im Klangbild herrscht vor allem in den liedhaften, fernöstlich angehauchten Abschnitten.

Die Sänger geben den Ausschlag

Nuancen ergeben sich bei den orchestralen Farben. Die Bamberger passen mit ihrem eher dunklen, erdigen Klangcharakter hervorragend zu dieser Liedsinfonie, vorab dort, wo Trauer, Melancholie sich breitmacht. Die Wiener klingen obertonreicher, was sich in den animierten, lebensbejahenden Abschnitten in «Von der Jugend» und in «Von der Schönheit» auszahlt. Andererseits kann man sich die Weise nicht trauriger und verlorener vorstellen, wie sie die Wiener Oboe in «Der Einsame im Herbst» intoniert.

Am stärksten fallen die Unterschiede bei den Sängern ins Gewicht. Wie Jonas Kaufmann vom mit voller Kraft gesungenen Forte-Beginn auf ein hauchzartes «Dunkel ist das Leben, ist der Tod» umschalten kann, erhebt ihn doch über einen Roberto Saccà, der in der Aufnahme mit den Bambergern seinen Solopart weniger differenziert, mit einem pauschaleren Vibrato durchzieht.

Kleiner sind die Differenzen bei den für Alt oder Bariton reservierten Abschnitten, aber auch da differenziert Kaufmann, der mit seinem baritonal grundierten Tenor auch die Bariton-Lieder singt, eher feiner und gradliniger als der angestammte Bariton Stephen Gadd. Wobei die Frage offen bleibt, ob eine Altstimme wie jene von Christa Ludwig in der bei EMI erschienenen Referenzaufnahme unter Otto Klemperer nicht doch mehr Eindruck macht.

Fritz Schaub

kultur@luzernerzeitung.ch

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