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KLASSIK: Dirigent Ludwig Wicki: «Schütz kann den Menschen viel geben»

Von der Filmmusik ins 17. Jahrhundert. Dirigent Ludwig Wicki spricht über sein mehrjähriges Grossprojekt zum Komponisten Heinrich Schütz (1585 bis 1672) und die Probleme beim 21st Century Symphony Orchestra.
Roman Kühne
Ludwig Wicki will innert fünf Jahren alle Werke von Heinrich Schütz aufführen. (Bild: Pius Amrein (30.10.2017))

Ludwig Wicki will innert fünf Jahren alle Werke von Heinrich Schütz aufführen. (Bild: Pius Amrein (30.10.2017))

Interview: Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Ludwig Wicki, Sie wurden bekannt mit Aufführungen wie «Pirates of the Carib­bean». Und jetzt kommt mit Heinrich Schütz der Früh­barock?

Diese alte Musik ist eigentlich meine Wurzel. Schon mit 15 Jahren habe ich mich sehr für die Renaissance interessiert. Vor allem für den Venezianer Giovanni Gabrieli. Am Konservatorium habe ich unter anderem die Ausbildung zum Chorleiter gemacht, wo diese Zeit eine wichtige Rolle spielt.

Also ein problemloser Wechsel von der Filmmusik zum musikalischen Altertum?

Dies war schon immer eines meiner Standbeine. Seit fast 20 Jahren bin ich Stiftskapellmeister an der Hofkirche Luzern. Dort leite ich regelmässig Gregorianische Choräle oder Werke von Pales­trina, einem der ersten grossen Komponisten für Kirchenmusik. Diese Gesänge werden aber natürlich nicht in Konzertform aufgeführt, sondern sakral während der Zeremonien. Ich habe also ziemlich Übung in alter Musik (lacht).

Und jetzt planen Sie ein 5-jähriges Projekt mit Konzerten zu Heinrich Schütz.

Schütz ist der wichtigste protestantische Komponist. Er war ein grosser Wegbereiter von Johann Sebastian Bach. Schütz hat vieles vorweggenommen, das Bach später in die Kirchenmusik einfliessen liess. Er hat auch sehr viel komponiert. Es sind heute etwa 500 Werke von ihm erhalten, von der Hochzeitskantate bis zu heiligen Sinfonien. Praktisch alles von höchster Qualität.

Und trotzdem kennt man heute aus dieser Zeit vor allem Monteverdi.

Für mich ist Schütz auf dem gleichen Niveau wie Claudio Monteverdi. Schütz ist das deutsche Pendant des italienischen Meisters und als Komponist und ­Musiker ebenbürtig. Leider wird dem in den Konzertprogrammen oft zu wenig Beachtung geschenkt. Auch haben sich ihre Wege ziemlich sicher mehrmals gekreuzt. Beide hatten den gleichen Lehrer, und beide haben auch in Venedig gearbeitet.

Was macht denn Schütz so besonders?

Er ist extrem auf das Wort eingegangen, hat den Text mit der Musik vereint. Wenn er in einer Hochzeitskantate singt, «Freu dich des Weibes deiner Jugend», dann wird dies zum Beispiel mit einer ironischen Dissonanz untermalt. In Liedern über das Leid, über den Tod benützt er klare musikalische Mittel. Oder wenn der Text lacht, dann lacht auch die Musik und wenn er vom «Weinen» spricht, weint auch der Klang.

Gibt es Werke, die ihn besonders abheben?

Mich faszinieren zum Beispiel seine Musikalischen Exequien (1636). Er hat diese Sarginschriften so hoffnungsvoll und zukunftsweisend vertont. Für seinen tiefen Glauben ist der Tod nicht das Ende, sondern ein Anfang, der Start zu einer neuen Geschichte. Obwohl es traurige Texte sind, kleidet Schütz sie in ein feierliches Gewand. Daneben gibt es auch tolle Kompositionen für weltliche Gelegenheiten, für Ballnächte, Hochzeiten und ­romantische Stunden. Mir gefallen sehr gut seine Madrigale, die von der Liebe handeln. Fröhliche Musik, die nicht so ernst ist.

Der Anlass für diese Schütz-Reihe ist, dass wir 500 Jahre Protestantismus feiern.

Martin Luther hat vor 500 Jahren seine Thesen an die Kirchentür geschlagen. Dies ist das eine Datum. Andererseits jährt sich 2022 der 350. Todestag von Heinrich Schütz. Wir wollen in diesen 5 Jahren in 75 Konzerten, ausgehend von der Hofkirche, alle seine Kompositionen aufführen. Beteiligt ist das Renaissance Ensemble Il Dolcimelo Luzern, das ich schon seit Jahren leite, die Cappella der Hofkirche Luzern sowie Solisten. Und der wohl wichtigste Grund: Ich glaube, dass Schütz den Menschen unglaublich viel geben kann. Die Zuhörer werden einen Komponisten kennen lernen, der eine Musik von unglaublicher Schönheit geschrieben hat.

Wie bringen Sie all Ihre Aktivitäten unter einen Hut?

Mein Zeitbudget ist ausgereizt. Ich muss mich sehr fokussieren, bin oft Tag und Nacht am Arbeiten. Aber die Mischung ist wahnsinnig faszinierend. Man kann in der Barockmusik viel mitnehmen, auch für die Filmmusik und umgekehrt. Und beim 21st Century Symphony Orchestra dirigiere ich ja momentan nicht so viel.

Wie kommt dies? Hat sich noch keine Lösung ergeben?

Es ist unglaublich schwierig. Der Verein des Orchesters mit dem neuen Präsidenten hat eine klare Linie, und ich unterstütze diese. Das Orchester hat aber Mühe, beim KKL Termine für Konzerte zu bekommen. Intern ist das Orchester auf gutem Weg, schafft neue Strukturen, hat kompetente Leute, die das Ganze managen und leiten. Und wir sind hoffnungsvoll, dass wir gerade mit dem KKL einen guten Weg finden. Pirmin Zängerle (Inhaber und Organisator der 21st Century Concerts) hat mit dem Orchester nichts mehr zu tun, kann es aber engagieren.

Und Ihre Dirigiertätigkeit?

In den kommenden Wochen dirigiere ich in Luzern mein Orchester nicht. Die bisher angekündigten Konzerte des 21st Century Symphony Orchestra werden von anderen Dirigenten geleitet. Dies ist sehr traurig. Oberflächlich hat es mit Terminkollisionen zu tun, dass ich anderweitig engagiert bin. In anderen Jahren sind wir aber jeweils zusammengesessen, haben entsprechend geplant und Lösungen gefunden. Dies ist jetzt weggefallen. In Zukunft wird dies mit dem Orchester wieder anders werden.

Hinweis

Diesen Freitag (19.30 Uhr, St.-Oswald-Kirche in Zug) und Samstag (19.30 Uhr, Hofkirche in Luzern) kann man Konzerte des Schütz-Zyklus hören. Gespielt werden Musikalische Exequien, Motetten und Konzerte des deutschen Komponisten.

Infos zu den weiteren Konzerten: www.ildolcimelo.com.

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