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KLASSIK: Ein «Lied», das in einer aufwühlenden Zeit entstand

Obwohl für zwei Stimmen und Orchester komponiert, macht der Tenor Jonas Kaufmann Gustav Mahlers «Lied von der Erde» zum Soloprojekt. Dies gelingt, hat aber ein quasi natürliches Manko.
Jonas Kaufmann hat beide Parts gesungen. (Bild: Julian Hargreaves)

Jonas Kaufmann hat beide Parts gesungen. (Bild: Julian Hargreaves)

Letztes Jahr hatte er ernsthafte Probleme mit den Stimmbändern, jetzt ist Jonas Kaufmann (37) wieder da und wird den Sommer rund um den Erdball jetten, Puccinis «Tosca» in Wien singen, Verdis «Otello» in London, Wagners «Parsifal» in Sidney und Verdis «Don Carlos» in Paris.

Parallel zu seiner Opernkarriere geht Jonas Kaufmann in seinen CD-Einspielungen schon seit einigen Jahren interessanten Liebhabereien nach. Nicht nur ein Verdi- und ein Puccini-Album sind so entstanden, sondern auch eine Interpretation von Schuberts Liederzyklus «Winterreise», weiter «Du bist die Welt für mich» mit Arien und Liedern aus Operetten und «Dolce Vita»mit italienischen Evergreens. Der Sängerstar schaut also auch ganz gern über die Genregrenzen.

Eine Überraschung stellt auch Kaufmanns jetzt präsentierte Einspielung von Gustav Mahlers «Lied von der Erde» dar. Er selber erzählt, er habe schon mit zwanzig versucht, die Tenorpartie in diesen Orchesterliedern zu singen, und sei nach der ersten Seite des einleitenden «Trinklieds vom Jammer der Erde» stockheiser ­gewesen. «Das ist nun wirklich nichts für Anfänger.»

In der Tat. Im ersten Stück muss der Sänger sich gegen das ganze grosse Orchester behaupten, und der Synfoniker Mahler tritt deutlich in Erscheinung. Dann aber wird es leicht und licht, manchmal auch tänzerisch beschwingt, bis mit «Der Abschied» eine letzte, fast eine halbe Stunde dauernde Etappe erreicht ist.

Mahler hat diese verkappte Sinfonie 1907 komponiert, in einer Zeit extremer Krisen. Zuvor war seine ältere Tochter, Maria, mit fünf Jahren einen schrecklichen Tod an Diphterie gestorben. Bei ihm selber wurde jene Herzkrankheit diagnostiziert, die vier Jahre später zu Mahlers eigenem Tod führte. Und er trat nach immer heftigeren antisemitischen Kampagnen als Direktor der Wiener Hofoper zurück.

Kaufmann vermeidet alles Theatralische

In dieser aufwühlenden Zeit lernte Mahler einen fernöstlich inspirierten Gedichtzyklus von Hans Bethge kennen, der ihn zum «Lied von der Erde» inspirierte, einem sechsteiligen Zyklus für zwei Gesangsstimmen und Orchester. Bei diesen Gesangsstimmen dachte Mahler zum einen an einen Tenor, zum andern an einen Alt/Mezzosopran oder Bariton. So hat es vor einigen Jahren David Zinman mit dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Tenor Christian Elsner und der Mezzosopranistin Susan Graham befolgt.

Jonas Kaufmann hat sich gefragt, wie es klingen würde, wenn er alle Lieder übernähme. Das Resultat klingt sehr ansprechend, auch dank der Begleitung durch die Wiener Philharmoniker unter Jonathan Nott. Aufnahmeort war der Musikvereinssaal, also historischer Boden mit einer sehr warmen Akustik, die jedes Detail plastisch hervortreten lässt.

Wobei das auch mit Mahlers Kompositionsweise zu tun hat: Nach dem noch etwas wuchtigen «Trinklied» gewinnt das Kammermusikalisch-Zarte die Oberhand, besonders schön im dritten Lied, «Von der Jugend», wo Mahler mit seiner Klangmalerei sehr nah beim Impressionismus ist. Die Leichtigkeit findet sich auch in Jonas Kaufmanns Interpretation, der alles Theatralisch-Aufdringliche abgeht. Besonders schön kommt dies im «Abschied» zur Geltung, wo Jonas Kaufmanns eher dunkles Timbre nahtlos mit dem Orchester verschmilzt und er nur ganz sparsam Akzente setzt. Doch bei aller Wertschätzung: Man vermisst doch den Wechsel der Stimmlagen, das heisst: das weibliche Element.

Rolf App
kultur@luzernerzeitung.ch

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