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KLASSIK: Ein unbekanntes Meisterwerk entdeckt

Am Eröffnungsabend des Kammermusikfestivals Klang in Meggen ertönten selten gespielte Werke. Musikalisch und auch punkto Publikumsaufmarsch hat sich dieses Risiko aber gelohnt. Und es gab positive Überraschungen.
Roman Kühne
Das Casal-Quartett mit Klarinettist Fabio di Càsola (rechts) am Eröffnungsabend im Schloss Meggenhorn. (Bild: Pius Amrein (26. Dezember 2017))

Das Casal-Quartett mit Klarinettist Fabio di Càsola (rechts) am Eröffnungsabend im Schloss Meggenhorn. (Bild: Pius Amrein (26. Dezember 2017))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Auf dem Programm fehlt mit Beethoven zwar auch der grosse, lockende Name nicht. Doch den Hauptteil füllen Giacomo Meyerbeer und Ferdinand Thieriot. Beides kaum Berühmtheiten, die das Publikum in Scharen locken. Und dann sind es erst noch Kammermusikwerke für Klarinette und Streichquartett, die erklingen.

Doch der Festsaal des Schloss Meggenhorn ist am Dienstagabend praktisch voll besetzt. Dies ist nicht nur erstaunlich. Gerade die Kammermusik erlebt in Luzern und Umgebung ein kleines Hoch. Anlässe wie «Zaubersee» in der Stadt und «Gipfelwerke» auf dem Pilatus scheinen die Lust auf mehr zu wecken. Fabio di Càsola, der künstlerische Leiter des Klang-Festivals im Schloss Meggenhorn, sieht die anderen Konzerte auch nicht als Konkurrenz: «Für uns ist die zunehmende Dichte an Kammermusik-Anlässen eine Bereicherung. Die Leute entdecken, dass diese kleinräumigen Formate attraktiv sind. Ja teilweise mehr geben können als grosse Sinfonieorchester.»

Kurz entschlossen aufgeführt

Erst vor drei Wochen ist der Klarinettist Fabio di Càsola auf das Klarinetten-Quintett in Es-Dur von Ferdinand Thieriot (1838–1919) gestossen. Der Komponist ist heute praktisch unbekannt und wird selbst in Kammermusikführern nicht erwähnt. Zu gross war die Generation um Brahms und Dvorák, zu vielfältig die Komponisten, die auch für kleine Formationen schrieben.

Di Càsola war jedoch sofort begeistert und beschloss, das Stück für den Eröffnungsabend aufs Programm zu setzen. Und zu Recht! Zusammen mit dem Casal-Quartett entwickelt sich eine lebendige, ja lustvolle Spielweise. Die phasenweise an einen östlichen Tanz erinnernde Komposition erklingt prall und sinnlich. Quasi ein Klarinettenkonzert spielt Càsola rund und weich, überaus voll auch in den Pianissimi. Höhepunkt ist das – eher atypische – Andante. Die Musiker interpretieren den drängenden Satz intensiv, stossen ihn regelrecht vorwärts. Vieles ist im Forte geschrieben. Dennoch verliert dieser Teil seine Spannung nie. Es ist ein echtes Hörvergnügen.

Opernhaftes Klarinettenkonzert

Der andere Romantiker, Giacomo Meyerbeer, ist bereits etwas bekannter. Schliesslich war er doch eine Zeitlang der erfolgreichste Opernkomponist von Paris. Werke wie «Le prophète» oder «Les Huguenots» werden auch heute noch – obgleich selten – aufgeführt. Sein einziger Ausflug in die Kammermusik ist das ebenfalls sehr der Bühne nachempfundene Quintett in Es-Dur für Klarinette und Streichquartett. Geschrieben für Heinrich Baermann, den damals bekanntesten Holzbläser, tönt es denn auch wie ein Zwilling zu dessen eigenen Kompositionen. Fabio di Casolà interpretiert mit klarer Brillanz und Virtuosität. Die Streicher spielen ihre Begleitung mit Fluss und Intensität. Es ist ein gefälliges, bildhaftes Werk, das die Hörer von Anfang bis zum Schluss in seinen Banne zieht.

Eine leichte Enttäuschung ist das Streichquartett Nr. 1 aus dem op. 18 von Ludwig van Beethoven. Geschrieben an der Jahrhundertwende, weist es im geschichtlichen Kontext natürlich eine ganz andere Dimension auf als die beiden Obengenannten, steht als Brücke zwischen der Klassik und der sich anbahnenden Romantik. Beethoven führte die Musik weg von langen Melodien, baute auf kleine, kurze Fragmente, die er unendlich variiert, die harmonische Abwechslung fast schon ins Sinfonische steigernd.

Eher theatralischer Ausbruch als inneres Leiden

Im ersten Satz etwa nimmt das Motiv gerade mal zwei Takte ein. Doch diese Vielgestaltigkeit, die musikalische Tiefe stellt sich bei der Interpretation des Casal-Quartetts nur bedingt ein. Ausser im zweiten Satz, wo die vier Musiker schöne Farben zeichnen, mit wohldosierten Pausen der Musik Inszenierung und Charakter geben, bleibt vieles äusserlich, weniger dem Innern zugeneigt. Das Andante – als Inspiration diente die Grabesszene von Romeo und Juliette – huldigt mit vibratovoller Spielweise eher dem theatralischen Ausbruch denn dem inneren Leiden. Im Schluss-Allegro ermüdet das ständige An- und Abschwellen der Musiker, fehlen der lange Bogen und Aufbau. Doch dies tut dem begeisternden Gesamteindruck des Konzertes keinen Abbruch.

Hinweis

Kammermusikfestival Klang im Schloss Meggenhorn. Es hat nur noch Karten für Freitag, 29. Dezember, mit der Sopranistin Franziska Hirzel um 17.45 Uhr, und für die Samstagsmatinee vom 30. November mit dem Pianisten Oliver Schnyder um 11.00 Uhr. Informationen unter www.klang.ch

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