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KLASSIK: Eine Barockband nascht an der «Droge Liebe»

Improvisationslust statt Konzeptarbeit: Das «Katharina Consort» verband in der Pfarrkirche Horw barocke Liebesgesänge zu einem eigenwillig-neuen Konzertformat.
Urs Mattenberger
Sara Jäggi (Sopran), Pius Strassmann (Blockflöte) und Thomas Goetschel (Gambe) als Teil der Barockband. Bild: Boris Bürgisser (26. März 2017)

Sara Jäggi (Sopran), Pius Strassmann (Blockflöte) und Thomas Goetschel (Gambe) als Teil der Barockband. Bild: Boris Bürgisser (26. März 2017)

So spontan können klassische Musiker sein. Der Blockflötist Pius Strassmann trat locker ans Mikrofon und erklärte, sie hätten eben innerhalb von nur 30 Sekunden einen Namen gefunden für die «Barockband», die da gleich auftreten würde. Der Name Katharina Consort nimmt Bezug auf die Pfarrkirche St. Katharina in Horw, wo die Formation bereits mehrfach aufgetreten ist. Und die mit ihren Konzertreihen beweist, dass Musiker aus der Region nicht nur hochkarätige Konzerte geben. Vielmehr schaffen sie auch mal wie nebenbei neue Konzertformate, für die Grossveranstalter aufwendige Konzeptarbeit betreiben.

Im Konzert, das am Sonntag «Musik zum Vernaschen» aus dem Frühbarock versammelte, zog sich die 30-Sekunden-Spontaneität vielfältig durch das ganze Programm. So pointierte Pius Strassmann in einer munteren Einführung den Inhalt der fünf Duette von Claudio Monteverdi, die die Sopranistin Sara Jäggi als roten Faden durch das Programm zog, auf die «Kürzestform». Darin verband sich etwa die Sehnsucht nach den Küssen mit der Angst vor der «Droge Liebe». Und schon diese Barockgeschichten wirkten mit ihrem Überschwang zwischen Pubertät und Pathos erstaunlich zeitgemäss.

Minimalbarock und Jodelweihe

Die aktualitätstiftende Spontaneität galt aber auch für die Konzeption des Programms und das farbige Musizieren «unter Freunden» mit Gesang und Flöten, Laute (Julian Behr), Gamben (Thomas Goetschel) und Truhenorgel (Martin Heini). Sara Jäggi liess ihren leuchtkräftigen Sopran betörend durch Monteverdis aufgewühlte Harmonien fliessen (als «Vezzosetta pastorella»), deklamierte Sehnsuchtsschmerz («Ardo e scoprir») mit gebrochener Affektrhetorik oder führte die zwitschernde Fröhlichkeit der Blockflöte nahtlos über in Kussseligkeit («Baci cari»).

Die Gesänge und die sie um­gebenden Instrumentalstücke kommentierten die Musiker zusätzlich mit eigenen Improvisationen – und gerade sie wurden mit zu Höhepunkten des Programms. Wenn die Riesenlaute dunkle Harmonien auffächerte, die Diskant-Gambe ihren Silberglanz schimmern liess oder die Blockflöte keck Barockmotorik zu Minimalimpulsen verdichtete, waren zuweilen die Bezüge zur Musik Monteverdis und seiner Zeitgenossen bis in Motive hinein hörbar.

Sopran wie aus einem Echoraum

Darüber hinaus konnte man die Muster, in denen hier in wechselnden Gruppen musiziert wurde, ihrerseits als Modelle der Liebe hören. Das reichte von der partnerschaftlichen Imitation zweier Stimmen bis zum spannungsvollen Kontrapunkt, wenn diese auch mal in aufmüpfiger Umkehrung gegeneinander geführt wurden.

Dass Liebe keine Idylle ist, aber magisch, dafür standen neben den Duetten die Gruppenimprovisationen. So tönte in der aufblühenden Akustik der Kirche Sara Jäggis Sopran wie aus einem Echoraum in die instrumentalen Gewebe hinein. Die hymnische Schlichtheit ihrer Improvisation mit Laute erinnerte gar an Jodelweihe und führte die Barockmusik endgültig aus der Spezialistennische heraus. Entsprechend herzlich war der Applaus in der gut besuchten Kirche.

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Programm Musik zu St. Katharina, Horw: www.musikkathhorw.ch

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