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KLASSIK: Festival Strings greifen nach dem Olymp

Die Festival Strings Lucerne präsentierten sich als ausgewachsenes Sinfonie­orchester. Dank einem Top­solisten und einem grossen sinfonischen Werk.
Der hervorragende Cellist Gautier Capuçon und die Festival Strings Lucerne ergänzten sich wunderbar. (Bild Pius Amrein)

Der hervorragende Cellist Gautier Capuçon und die Festival Strings Lucerne ergänzten sich wunderbar. (Bild Pius Amrein)

Fritz Schaub

Gibt es neben dem Luzerner Sinfonieorchester (LSO) bald ein weiteres professionelles Sinfonieorchester, das auch internationalen Anforderungen genügt? Als Kammerorchester erfreuen sich die Festival Strings Lucerne seit Jahrzehnten einer internationalen Reputation, auch wenn es zwischenzeitlich Schwächeperioden gab. Gilt das in Zukunft auch für ein sinfonisch erweitertes Orchester? Das Konzert, das die «Strings» am Mittwochabend im KKL vor gewohnter Publikumskulisse Parterre und erster Rang sehr gut besetzt – boten, glich mit einer kleinen Sinfonie als Ouvertüre, einem Konzert mit einem Topsolisten und einer wahrhaft olympischen Sinfonie haargenau dem traditionellen Schema eines Sinfoniekonzerts. Möglich machte dies, weil sich die Festival Strings mit je zwei Flöten, Oboen, Fagotten, Hör­nern, Trompeten und Pauken verstärkten, die zur Streicher-Stammbeset­zung (sechs erste, fünf zweite Violinen, vier Bratschen, drei Celli und zwei Kontrabässe) hinzukamen.

«Jupiter»-Sinfonie als Krönung

Wer hätte gedacht, dass die Festival Strings einst die Sinfonie Nr. 41 C-Dur KV 551 von Wolfgang Amadeus Mozart, besser bekannt unter dem Namen «Jupiter», spielen würden und dies erst noch ohne Dirigent, «nur» vom ersten Pult aus mit dem Konzertmeister und künstlerischen Leiter Daniel Dodds! Da konnte man schon gewisse Bedenken hegen und sich fragen, ob das Orchester in dieser Besetzung im weiten Raum des Konzertsaals der klanglichen Pracht und Bravour dieses grossartigen Werks genügen würde? Solche Bedenken wurden indessen im Laufe der Aufführung weitgehend zerstreut. Mehr noch: Man erlebte eine Aufführung, die durchaus auf dem Hintergrund der heutigen Kenntnis historischer Aufführungspraxis entstand. Darauf deuteten nicht nur die teilweise Verwendung von historischen Instrumenten (die schon durch ihre Länge und Schlankheit auffallenden Trompeten) und der Holzschlegel anstelle der gepolsterten Paukenschlegel, sondern auch der sparsame Einsatz des Vibratos.

Hochklassige Solodarbietung

Vor allem aber fiel auf, dass die Wiedergabe an klanglichem Aplomb nichts zu wünschen übrig liess und dennoch durchsichtig auch bei der stärksten Kraftentfaltung blieb. Dabei betonten die «Strings» nicht wie Harnoncourt bei seiner jüngsten CD-Aufnahme, bei der er ebenfalls ein Kammerorchester verwendete (sein Collegium Musicum mit historischen Instrumenten), allzu einseitig das Schroffe, Raue, sondern setzten ihren nach wie vor kultivierten Streicherklang ein für den lyrischen Gegenpol zum Ruppigen. So kam die Wiedergabe in ihrer Ausgewogenheit eher der Aufnahme Claudio Abbados mit dem Orchestra Mozart nahe. In einem allerdings folgten die «Strings» ganz Harnoncourt: indem sie alle Wiederholungen konsequent ausführten und so der Grösse und den ausgewogenen Proportionen der gegen 40 Minuten dauernden Sinfonie vollauf gerecht wurden.

Schon bei den beiden Werken vor der Pause hatten sich die Festival Strings von ihrer sinfonischen Seite gezeigt: bei der Schweizer Sinfonie Nr. 9 von Felix Mendelssohn, indem sie wie bei ihrer viel gerühmten Gesamtaufnahme der 12 Streichersinfonien die zweite, erweiterte Fassung spielten, beim Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 a-Moll von Camille Saint-Saëns, indem sie, verstärkt durch Holz- und Blechbläser, dem hervorragenden französischen Cellisten Gautier Capuçon erfolgreich ­Paroli boten und aktiv mitgestalteten an der Entwicklung dieses bei uns zu Unrecht eher wenig gespielten Konzerts. Bestechend, wie differenziert und sonor dabei der Solist die Möglichkeiten zu virtuoser und melodischer Entfaltung auskostete.

In einem Interview hatte Capuçon einst gesagt, wie widerborstig und launisch das Instrument von Matteo Goffriler aus dem Jahre 1701 sei. In dieser Wiedergabe hatte er es voll im Griff und entlockte ihm einen unglaublich dunklen, sonoren und resonanzstarken Ton, der aber auch eine unglaubliche Zärtlichkeit und Innigkeit annehmen konnte.

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