KLASSIK: Intimität in Es-Dur

Bei den Klang-Musiktagen auf Schloss Meggenhorn spielte Heinz Holliger mit Freunden in einer Matinee selten gespielte Quintette von Mozart und Beethoven. Die intime Begegnung mit den Künstlern machte das Konzert zu einer raren Besonderheit.

Katharina Thalmann
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Heinz Holliger vorne links auf der Oboe beim Klang-Konzert auf Schloss Meggenhorn. (Bild: Dominik Wunderli (29. Dezember 2016))

Heinz Holliger vorne links auf der Oboe beim Klang-Konzert auf Schloss Meggenhorn. (Bild: Dominik Wunderli (29. Dezember 2016))

Katharina Thalmann

kultur@luzernerzeitung.ch

«Heinz Holliger – wer kennt ihn nicht?», fragte die Programmnotiz. Es ist ein seltenes Erlebnis, Holliger so hautnah beim Oboenspiel zu erleben. Ihm, der als Solist, Komponist und Dirigent regelmässig auf den grössten Bühnen zu sehen ist, schien die intime Atmosphäre gestern auf Schloss Meggenhorn zu gefallen.

Als Klang-Intendant Roland Meier ihm in Bezug auf eine Anekdote hausgemachte Konfitüre überreichte, freute er sich sichtlich. Laut dieser Anekdote soll Holliger gesagt haben, es würde ihm nichts ausmachen, wenn die Leute seine Kompositionen nicht mögen. Wenn die Leute Kritik an seiner Konfitüre übten, fände er das viel schlimmer.

Wunderbare Einigkeit und Flexibilität

Sowohl Mozart als auch Beethoven schrieben ein Quintett in Es-Dur für die gleiche ungewöhnliche Besetzung: Zum Klavier treten Oboe, Klarinette, Fagott und Horn. Beethoven bezieht sich mit seinem Quintett op. 16 explizit auf Mozarts Quintett KV 452. Umso spannender, dass die Werke im Klang-Konzert nicht in der chronologischen Reihenfolge gespielt wurden, sondern umgekehrt. So konnte das Publikum Beethovens Quintett als eigenständiges Werk wahrnehmen. Die aufregenden musikalischen Zusammenhänge mit Mozart erschlossen sich erst retrospektiv.

Wie in seiner Rolle als Dirigent gab Holliger den Einsatz zum Unisono, das Beethovens Quintett eröffnet. Bezüglich Artikulation und Dynamik herrschte von Anfang an wunderbare Einigkeit. Nach der ersten Bläseraussage folgte eine empfindsame Antwort des Klaviers, die durch die recht trockene Akustik im Saal etwas relativiert wurde.

Auch Mozarts langsame Einleitung basiert auf einem Wechselspiel zwischen Bläsern und Klavier. Es spricht für die Flexibilität des Pianisten Anton Kernjak, dass das kantable Moment in Mozarts Einleitung dann wunderbar zur Geltung kam. Nach dem zweiten Unisono übernimmt bei Beethoven die Klarinette die Beantwortung der Phrase. Den Klarinettenpart spielte der Musiker Fabio Di Càsola, der gleichzeitig auch künstlerischer Leiter der Klang-Musiktage ist. Sein Spiel zeichnete sich aus durch einen äusserst individuellen und differenzierten Klang.

In seinem Quintett op. 16 spürt man schon etwas von der Monumentalität von Beethovens Sinfonien: Orchestral gedacht und gespickt mit schroffen instrumentatorischen Kontrasten scheint der junge Beethoven das Genre auszuloten. Dieser Konzentriertheit an musikalischen Ereignissen kam der Raum entgegen – bisweilen machte sich eine erfrischende Sperrigkeit in dieser Musik bemerkbar. Etwa, wenn der Hornist Olivier Darbellay oder der Fagottist Michael von Schönermark das Geschehen in eine unerwartete Richtung umlenkten.

Opernhafte Stimmungs- und Rollenwechsel

Es-Dur gilt als prachtvolle, feierliche Tonart. Es ist die Tonart von Beethovens Eroica-Sinfonie, Mozarts Sinfonie Nr. 39 und der Ouvertüre der «Zauberflöte». Wie sehr Mozart diesen Charakter in seinem Quintett KV 452 getroffen hat, war ihm auch selber bewusst – für ihn war das Stück zum Zeitpunkt der Uraufführung 1784 das Beste, was er je geschrieben habe.

Sein unübertroffener Geschmack, seine Leichtigkeit und sein Humor kommen in diesem Werk exemplarisch zur Geltung. Was sich bereits im ersten Satz in Form von opernhaften Stimmungs- und Rollenwechseln bemerkbar machte, wurde im mit «Larghetto» überschriebenen zweiten Satz zum Programm: In diesem intimen Rahmen zu beobachten, wie sich die Musiker durch Blicke und Atemzüge die eleganten Phrasen überreichten, ergänzte das Hörerlebnis um eine bereichernde Komponente.

Geselliges Mittagessen mit den Musikern

Nach dem Konzert wurden die Stuhlreihen ab- und vier elegante Tafeln aufgebaut. Sowohl die Musiker als auch der Intendant waren mit dabei, Heinz Holliger machte sich frühzeitig auf den Heimweg. Vielleicht wollte er die selbstgemachte Konfitüre kosten? Auf den Apéro folgte das gesellige Mittagessen. Erfrischend zu hören, wie begeistert selbst arrivierte Musiker wie jene dieses Quintetts von der Probearbeit mit einem Heinz Holliger erzählen.

Hinweis

Für das Klang-Konzert von heute Abend, 30. 12., um 17.45 Uhr sind noch Karten verfügbar. VV über die Tel. 041 250 79 02 oder SMS an die Tel. 079 250 79 02. Infos: www.klang.ch