Nexus Reed Quintet: Klassik mit Funk, Rap und Drums

Moderne Musik, die mitreisst. Ein Luzerner Ensemble geht mit wachen Klängen auf Schweizer Tournee.

Roman Kühne
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Das Nexus Reed Quintet, verstärkt mit dem Perkussionisten Fabian Ziegler (rechts) im Theater Uri.

Das Nexus Reed Quintet, verstärkt mit dem Perkussionisten Fabian Ziegler (rechts) im Theater Uri. 

Bild: Jakob Ineichen (8. März 2020)

Auf den ersten Blick ist es einfach ein etwas speziell besetztes Bläserquintett, das sich am Sonntag im Theater Uri zum Konzerte findet. Mit den Instrumenten Oboe (Marita Kohler), Klarinette (Annatina Kull), Saxofon (Sandro Blank), Fagott (Maurus Conte) und Bassklarinette (Nicola Katz) bildet das Nexus Reed Quintet nicht gerade klassischen Durchschnitt ab. Um die Unspielbarkeit komplett zu machen – zumindest was vorhandene Noten anbelangt – wird die Gruppe mit dem Perkussionisten Fabian Ziegler ergänzt.

Kein Wunder sind alle Kompositionen für das Ensemble entweder eigene Arrangements oder Auftragswerke. So zum Beispiel das hervorragende «Circusmuziek for Reed Quintet» (1990) des Holländer Ton ter Doest. Im Arrangement von Maurus Conte wird das quirlige Werk um eine spritzige Funk- Note ergänzt. Fabian Ziegler rockt das Cajón, eine Kistentrommel, was das Zeug hält. Oder der zweite Satz, wo sich das Xylophon und die Oboe zu einem märchenhaften Geschichte weben.

Neue Farben für alte Werke

Überhaupt ist es eine der Stärken des Quintettes, dass sie klassische Stücke in neue Farben giessen. Dies kommt auch dem «Toccata et variations pour Piano, H.8» von Arthur Honegger zugute, wo die Mischung aus Bassklarinette und Fagott der Musik eine fernöstliche Tiefe gibt. Denn neben der Moderne kreist das Konzert um zwei Stück von Honegger und eine davon inspirierte Uraufführung des Schweizers Stephan Hodel. Der 47-jährige Komponist beschäftigt sich jeden Sommer zu Studienzwecken mit einem Werk eines anderen Komponisten. Im letzten Jahr war dies der Schweizer Arthur Honegger.

«Eigentlich ist es erstaunlich», erklärt Hodel. «Obwohl ich an einer Schweizer Musikschule studierte, habe ich nie etwas über Honegger gehört, einer der grössten Tonkünstler unseres Landes.» Seine Komposition «En bref – Hommage à A.H.» Hier nimmt er die Idee der «Sept pièces brèves pour piano (1919–20)» von Honegger für sieben Miniaturen auf.

Ausgerechnet er, der seine Vorliebe sonst eher bei den grossen Ensembles sieht. Hat er doch schon für die Royal Philharmonic oder die Festival Strings Lucerne geschrieben. Stephan Hodel: «Honegger hat kleine musikalische Ideen von 30 Sekunden bis zu einer Minute geschrieben, die er verschiedenen Personen widmete. Ich greife in meiner Komposition diese Idee auf. Es gibt ein Stück für jeden der sechs Musiker und zum Schluss ein gemeinsames Finale. Für mich war es spannend, etwas für eine Besetzung zu schaffen, bei welcher es eigentlich keine Vorbilder gibt.»

Diesen «Sprung ins kalte Wasser» schafft er bravourös. Phantasiereich umringt er die Klänge und Eigenarten der verschiedenen Instrumente. Wie eine Katze schleicht das Saxofon, bis sie sich mit einem dramatischen Satz auf einen Baum rettet. Die Bassklarinette tanzt den jazzigen Walking-Bass und das Marimbafon spielt sinnlich und mit viel Duft. Fern einer jeden Stilkopie von Honegger schafft er hier ein attraktives und farbenfrohes Werk.

Gangsta Rap aus Kanada

Der Höhepunkt des Morgens ist jedoch das Solostück «In the Fire of Conflict» (2008) des Kanadiers Christos Hatzis. Im Hintergrund spielen Texte des Rappers Steve Henry, Darstellungen der Gang-Gewalt in Toronto, während auf der Bühne Fabian Ziegler passgenau seine Perkussion spielt. Ein Netz aus Rap Gesang und Marimbafon.

Es ist ein Sturm aus einem Guss. Ein Flüchtender in konstanter Anspannung, verfolgt und gejagt, gehetzt und erschöpft in einem. So kann moderne Klassik auch tönen. Man sollte sich die Wiederholung dieses spannenden Konzertes in zwei Wochen in Luzern nicht entgehen lassen.

Nexus Reed Quintett & Fabian Ziegler, Sonntag 22. März, 11.00 Uhr, Neubad, Luzern.