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KLASSIK: Netrebko live – im Wohnzimmer

Ihr Konzert im KKL fiel aus. Aber in einem Live­mitschnitt zeigt die Starsopranistin Anna Netrebko, weshalb ihre Absage so schade ist.
Auch ab CD gut: Anna Netrebko (43). (Bild: Keystone)

Auch ab CD gut: Anna Netrebko (43). (Bild: Keystone)

Mit dem einzigen Auftritt der Star­sopranistin Anna Netrebko in der Schweiz im KKL wurde es also wieder nichts. Selten kann man eine CD-Aufnahme so vollgültig quasi als Ersatz dafür vorschlagen wie in diesem Fall. Nicht nur ist die Sängerin bei dieser in Essen entstandenen Liveaufnahme in bester Form, das Ensemble, das sie im Tschaikowsky-Einakter «Iolanta» umgibt, ist praktisch identisch mit jenem, das im KKL aufgetreten wäre, und auch der Dirigent ist derselbe. Einzig das Orchester und der Chor wären in Luzern ausgetauscht worden.

Natürlich ist die Absage trotzdem höchst bedauerlich auch deshalb, weil sie die Begegnung mit einem spannenden und musikalisch hochstehenden Werk von Peter Tschaikowsky verhindert. Der Bekanntheitsgrad der russischen Künstlerin, die schon seit 2012 in halb Europa mit dem eigens ausgewählten russischen Ensemble diesen Opern­einakter konzertant aufführt, könnte viel zu einer grösseren Popularität des zu Unrecht unterschätzten Werks beitragen. Dieses erklang in Luzern erst einmal – 1993 an den Musikfestwochen.

Keine One-Woman-Show

Dass es Anna Netrebko nicht primär um eine vokale One-Woman-Show ging, zeigt die sorgfältige Auswahl der Nebenfiguren, die eben gar nicht so nebensächlich sind. Denn der eineinhalbstündige Opern-Einakter ist nicht einfach das rührselige Märchen eines blinden Mädchens, das sich in einen Ritter verliebt und auf wundersame Weise das Augenlicht wiedererlangt. Es geht dabei auch um einen internen Machtkampf, denn König René, der Vater des Mädchens, hat aus eigennützigen Gründen für seine Tochter einen anderen Heiratskandidaten bestimmt. Er will die Blindheit seiner Tochter nicht nur geheim halten, sondern sogar sie selbst darüber im Unwissen lassen.

Dagegen aber wendet sich Graf Vaudémont, und die Heilung Iolantas vollzieht sich im Innern, durch die gegenseitige Liebe und die Selbsterkenntnis. Dafür braucht es eigentlich keine Szene, alles kann die Musik beziehungsweise der Gesang ausdrücken, und man begreift, dass Anna Netrebko die Partie fast lieber in einer konzertanten Aufführung singt, weil sie sich dabei stärker auf die Musik und die Bedeutung der Worte konzentrieren kann (vgl. Interview in der «Zentralschweiz am Sonntag» vom 24. Mai).

Leidenschaftliches Liebesduett

Am kammermusikalisch geprägten Anfang ist Netrebko auf der Aufnahme ganz das scheue, gegen die Umwelt abgeschirmte Mädchen. Es dauert dann mehr als eine halbe Stunde, bis sie zu ihrem nächsten vollen Einsatz kommt. Im ekstatischen Liebesduett steigert sie sich in eine Emphase, die auch auf dem Tonträger mitreisst. Da zieht sie alle Register ihres gerade in den oberen Lagen fülligen, runden und dabei glasklaren Soprans, nicht veristisch forsch, sondern beinahe im Stil einer Belcanto-Oper.

Sergey Skorokhodov ist mit seinem hohen Tenor der Künstlerin absolut ebenbürtig, wie überhaupt die Männer sich sehr gut neben ihr behaupten ­(Vitalij Kowaljow als König René und Alexey Marchov als für Iolanta bestimmter Ehemann Robert). Auch der Slowenische Kammerchor bewährt sich sowohl im Lyrischen wie im Ekstatischen (die strahlende Lobes- und Preishymne am Schluss). Die Slowenische Philharmonie unter der Leitung von ­Emmanuel Villaume trägt viel bei zur dramatischen Spannung und realisiert ausnehmend sensibel die melancholisch gefärbte Melodik, die den Grundcharakter des Einakters bestimmt.

Fritz Schaub

Tschaikowsky: «Iolanta» (Deutsche Grammophon, 2 CDs).

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