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KLASSIK: Osterfestival in Andermatt – Wie ein bunter Frühlingsstrauss

Vom 9. bis 17. April feiert Andermatt die Ostertage. In der Pfarrkirche St. Peter und Paul finden acht Kammermusikkonzerte statt, die sich besonders durch ihre programmatische Vielfalt auszeichnen.
Die Pfarrkirche wird jeden Abend in neue Farben getaucht. (Bild vom Gala-Eröffnungskonzert vom 2016/PD)

Die Pfarrkirche wird jeden Abend in neue Farben getaucht. (Bild vom Gala-Eröffnungskonzert vom 2016/PD)

Als einziges Festival in der Schweiz findet das Osterfestival Andermatt tatsächlich über Ostern statt – im Gegensatz beispielsweise zur Oster-Ausgabe des Lucerne Festival, die am Palmsonntag endet. Neben arrivierten Gastensembles bietet das Festival auch Plattformen für junge, preisgekrönte Formationen (siehe Box). Zudem wird jedes Konzert von einer Lichtchoreografie begleitet und die Pfarrkirche so jeden Abend in neue Farben getaucht.

Am Palmsonntag eröffnen die Festival Strings gemeinsam mit dem Solisten Sébastian Jacot die diesjährige Ausgabe. Der junge Genfer Flötist gehört zu den Besten seines Fachs – 2015 war er Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs in München. In Andermatt interpretiert er Carl Philipp Emmanuel Bachs Flötenkonzert in d-Moll. Carl Philipp ist der Sohn von Johann Sebastian Bach. Durch des Letzteren Brandenburgisches Konzert Nr. 3 sowie seine zweite Suite treten Vater und Sohn in einen musikalischen Dialog. Einen nordisch-romantischen Kontrast wiederum bilden Jean Sibelius’ «Impromptu für Streicher» und Edvard Griegs Suite «Aus Holbergs Zeit».

Bunter Frühlingsstrauss

Gemeinsam mit dem Ensemble Arte Diversa veranstaltet das Osterfestival ein Education-Konzert: «Seit der letztjährigen Ausgabe veranstalten wir ein Schulkonzert», so Jörg Conrad, Festival-Intendant. «Wir wollen die Konzerthörer von morgen an die Musik heranführen.» Das Ensemble scheint prädestiniert dafür: Bekannte «Ohrwürmer» von Komponisten wie Frédéric Chopin oder Niccolò Paganini wurden für die ungewöhnliche Besetzung aus Violine, Klavier, Gitarre, Kontrabass, Akkordeon und Balalaika eigens arrangiert. Das sei reizvoll, meint Conrad: «Die Musiker werden auch interviewt. So lernen die Schüler jedes Instrument kennen.»

Gestaltet wie ein bunter Frühlingsstrauss, bietet das Programm einen spannenden Einstieg in die klassische Musik. In dessen Genuss kommt das Andermatter Festivalpublikum im Hauptkonzert am Abend.

Herzstück am Karfreitag

Am Karfreitag kommt ein geistliches Passionskonzert zu Gehör: Der Chor molto cantabile kollaboriert mit dem Kirchenchor Bürglen und dem Festival-Strings-Kammer­ensemble. Das Konzert mit Joseph Haydns «Die sieben letzten Worte des Erlösers am Kreuze» und Franz Schuberts «Stabat Mater» bildet das Herzstück des Festivals: Nicht nur fällt der Karfreitag in die Mitte der Festival-Tage. Die Kollaboration mit dem laut Conrad «besten Chor aus dem Kanton Uri» zeigt, dass es auch in Uri hörenswerte Vokalensembles gibt. «Insgesamt werden 75 Sänger auf der Bühne stehen. Ich bin stolz, dass wir das auf die Beine stellen konnten», freut sich Conrad.

Superbrass zum Abschluss

Am Ostersonntag spielt die Trompete für einmal die erste Geige: Mit dem Ensemble Mozart con Tromba interpretiert Matthias Höfs ein Mozart-Programm, für das Stücke wie die Ouvertüre zu «Die Entführung aus dem Serail» für Klavierquartett und Trompete arrangiert wurden.

Das Schlusskonzert am 17. April spielen Superbrass London. Die zehn Blechbläser und zwei Perkussionisten interpretieren ein breites Spektrum von Händels «Wassermusik» bis hin zu Jazzgrössen wie Quincy Jones. Ein auf den ersten Blick ungewöhnliches Programm für den Ostermontag. Doch Conrad meint: «Ich war 39 Jahre lang Solotrompeter im Luzerner Sinfonieorchester. Ich spüre, wann es welche Musik braucht. Es ist bei uns fast schon ein Prinzip: Zum Festivalabschluss gibt es Brass-Musik.» Das Ensemble besteht aus den Solisten der englischen Sinfonieorchester und wird für erfrischende Klänge in der Barockkirche St. Peter und Paul sorgen.

Katharina Thalmann
kultur@luzernerzeitung.ch

Preisträgerkonzerte und Kammermusik-Klassiker

Das Klassik-Osterfestival Andermatt bietet auch jungen, aufstrebenden Kammermusikformationen eine Auftrittsplattform. Die Preisträgerensembles der Orpheus Swiss Chamber Music Competition 2016 gestalten je ein Konzert. Die Programme werden gemeinsam mit dem Intendanten Jörg Conrad gestaltet: «Die Ensembles machen einen Vorschlag, auf dem ich aufbauen kann.»

Den Auftakt macht das Trio Eclipse am 11. April. Der Klarinettist Lionel Andrey, der Cellist Sebastian Braun und der Pianist Benedek Horváth haben sich an der Basler Musikakademie kennen gelernt. Mit Beethovens «Gassenhauer»-Trio kombinieren sie ein Trio des schweizerisch-amerikanischen Komponisten Daniel Schnyder. Dessen Stück «A Friday Night in August» von 1996 bildet eine interessante Erweiterung zu Nino Rotas Klarinettentrio von 1973: Rhythmische Elemente werden in beiden Stücken geistreich und witzig verarbeitet. Sozusagen als romantischen Gegenpol spielt das Trio Eclipse ausserdem Faurés Trio in d-Moll.

Streich- und Klaviertrio

Am 12. April konzertiert das Orion-Streichtrio. Das Ensemble hat neben einem Platz auf dem Treppchen bei der Orpheus-Competition auch den Publikumspreis gewonnen. Die Mitglieder stammen aus drei Nationen: die Geigerin Soyoung Yoon aus Südkorea, der Bratschist Veit Hertenstein aus Deutschland und der Cellist Benjamin Gregor aus Grossbritannien. Ihr Programm heisst «Mozart in extension» – der erweiterte Mozart. Seinem Divertimento in Es-Dur stellt das Trio Kodálys «Intermezzo» von 1905 sowie Dohnánys Serenade op. 10 von 1903 gegenüber. Gerade Dohnány bezieht sich direkt auf Mozart, und so besteht die Erweiterung nicht nur im historischen Sinne, sondern schafft auch musikalische Bezüge.

Am 15. April schliesslich ist das Klaviertrio Aeterno in Andermatt zu Gast. Die drei Musiker kennen sich aus ihrer Studienzeit am Genfer Konservatorium. Maya Kadosch, Violine; Simão Alcoforado Barreira, Violoncello, und Iona-Raluca Avramescu, Klavier, präsentieren drei Klassiker des Klaviertrio-Repertoires: Auf Beethovens «Geistertrio» folgt Rachmaninovs erstes Klaviertrio, das gemeinsam mit Ravels Klaviertrio kühne Ausblicke in die Musik des 20. Jahrhunderts erlaubt.

Katharina Thalmann

Hat fast schon Tradition: Brass-Musik zum Schluss, heuer mit Superbrass aus London. (Bild: PD)

Hat fast schon Tradition: Brass-Musik zum Schluss, heuer mit Superbrass aus London. (Bild: PD)

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