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KLASSIK: Paradiesischer Klang und heftige Dissonanzen

Die Accademia Barocca Lucernensis überzeugte mit höchst variablem Zusammenspiel und breitete eine ganze Welt an Gefühlen aus. Auf hohem Niveau auch die Gesangssolisten.
Musikerinnen des Ensembles Accademia Barocca Lucernensis beim Auftritt in der Matthäuskirche. (Bild: Ingo Höhn (Luzern, 19. November 2017))

Musikerinnen des Ensembles Accademia Barocca Lucernensis beim Auftritt in der Matthäuskirche. (Bild: Ingo Höhn (Luzern, 19. November 2017))

Barockmusik auf Barockinstrumenten zu musizieren, ist nichts Neues. Aber wie das junge Ensemble Accademia Barocca Lucernensis am Sonntag barocke Kompositionen in der gut besuchten Matthäuskirche interpretierte, war erfrischend neu und spannend. Das Ensemble, das 2014 von Dirigent Javier Ulises ­Illan und Sänger und Kultur­manager Martin Caduff gegründet worden ist, hat nicht nur ­programmatisch eine Nische zwischen anderen Luzerner Ensembles wie dem Bachensemble oder dem Ensemble Corund entdeckt. Es geht konsequent seinen Weg auch mit unbekannteren Werken und pflegt ausgesprochen präzises, dabei höchst variables Zusammenspiel.

Wie ein Sturmwind fegte der erste Satz der Sinfonia Nr. 6 in ­g-Moll von Johann Adolf Hasse (1699–1783) in den Raum, das kraftvolle Unisono-Spiel der Streicher klang wie aus einem Instrument, gestützt vom Continuo mit Orgel, Fagott und Laute. Nach dem kurzen, sanften zweiten Satz endete die Sinfonia in furios vorwärtsdrängendem Allegro.

Antonio Vivaldis (1678–1741) Psalm «Nisi Dominus» für Alt-Solo lässt in neun Sätzen eine ganze Welt an Gefühlen entstehen. Countertenor Alberto M. Rouco stand inmitten der Instrumente und gestaltete die sehr unterschiedlichen Teile mit warm fliessender Stimme, die nur manchmal etwas vom Tutti überdeckt wurde. Die Koloraturen kamen mühelos, ein Höhepunkt war das «Cum dederit» (denn seinen Geliebten gibt er Schlaf), in dem die Stimme in langen Tönen über dem getragenen, punktierten Zwölfachteltakt schwebte. Chromatik und Reibungen in der Begleitung gaben diesem Satz unglaubliche Intensität. Welch ein Gegensatz dazu das darauffolgende «Sicut sagittae» (wie Pfeile in der Hand des Mächtigen, so sind die Söhne der Jugendzeit), in dem man die Pfeile geradezu fliegen hörte. Das «Gloria Patri», wurde nur von der selten zu ­hörenden Viola d’Amore (Katia Flint) und der Laute begleitet, bevor die Kantate virtuos endete.

Stimmen ergänzten sich hervorragend

Die kurze Arie «Se il cor ­guerriero» von Vivaldi passte bestens zu Alexander Beuchats voll und weit tragendem Bass, der sich in grossen Bögen zu den heftigen Dissonanzen des Orchesters aufschwang. Und in Vivaldis Motette «Nulla in mundo pax sincera» entfaltete Maja Bader ihren wandelbaren Sopran. Zunächst etwas verhalten, dann aber immer stärker mit dem Orchester verbunden, gestaltete sie den Text ausdrucksvoll bis hin zum strahlenden Alleluia. Da verwob sie lange Triller innig mit den Violinen, und die Koloraturen schwangen sich mühelos in lichte Höhen.

In zwei vierstimmigen Motetten von Alessandro Scarlatti (1671–1751) kam zu Sopran, Countertenor und Bass noch der Tenor Raphael Bortolotti. Die Stimmen ergänzten sich hervorragend, von solistischem Glanz bis in chorische Klangfülle harmonierten sie ausdrucksvoll mit den Instrumenten. Im Konzert für Oboe und Orchester Nr. 2 in ­d-Moll op. 9 von Tomaso Albi­noni (1660–1725) vereinten sich Orchester und die Solistin Maria Raffaele zu kongenialem Zusammenspiel. Javier Ulises Illan leitete sein Ensemble auch hier klar und zupackend. Die schnellen Sätze umrahmten durchsichtig ausgespielt das geradezu paradiesisch klingende Adagio. Violinen und Violen spielten die aufsteigenden Sechzehntel voller Ruhe, und die Achtel im Continuo gaben erdigen Grund zu dem choralartigen Oboensolo, das wie vom Himmel zu kommen schien.

Nach nicht enden wollendem Beifall gab es zwei Zugaben: den ersten Satz aus Pergolesis «Stabat mater» und als krönenden Abschluss den Anfang aus Jan Dismas Zelenkas «Dixit Dominus» (ZWV 66), das noch nie in Luzern aufgeführt worden ist.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

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