KLASSIK: Sol Gabetta bot einen Höhepunkt am Cello-Festival

Standing Ovations für Sol Gabetta, die zusammen mit Alexei Volodin einen Duoabend bestritt. Gabetta bewies einmal mehr, warum sie zu den begehrtesten Cellistinnen der Welt gehört.

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Sol Gabetta und Alexei Volodin schafften es im KKL eindrücklich, auf die Impulse des anderen zu reagieren. (Bild: Boris Bürgisser)

Sol Gabetta und Alexei Volodin schafften es im KKL eindrücklich, auf die Impulse des anderen zu reagieren. (Bild: Boris Bürgisser)

Es drohte fast ein wenig unterzugehen im Cello-Festival, das seit einiger Zeit in Luzern im Gang ist: das Rezital Sol Gabetta im KKL. Dabei fügte sich dieses am Sonntagabend nahtlos an den kürzlichen Auftritt von Gautier Capucon mit dem Luzerner Sinfonieorchester an.

Und das Festival geht weiter mit dem Auftritt von Christian Poltera am kommenden Mittwoch im Rahmen des Musikfestivals der Hochschule Luzern («Szenenwechsel»), mit dem nächsten Lunchkonzert des LSO (29. Januar, 12.30 Uhr im Konzertsaal KKL, um 21 Uhr im Bourbaki) sowie mit dem Auftritt des Cello-Altmeisters Steven Isserlis im März.

Potenzial ausgenützt

Wie Capucon ist auch die aus Argentinien stammende Sol Gabetta ein gern gesehener Gast des Lucerne Festival, ja mehr: Man darf behaupten, ihre Karriere sei erst so richtig lanciert worden, als sie im Sommer 2004 den Credit Suisse Young Artist Award anlässlich des Lucerne Festival gewann und bei den Wiener Philharmonikern unter Valery Gergiev ihr Debüt gab.

Zu unserem Land hegt die weltweit gegenwärtig wohl begehrteste Cellistin eine besondere Beziehung, unterrichtet sie doch an der Musik-Akademie Basel und hat in der Schweiz auch ein eigenes Kammermusik-Festival, Solsberg, gegründet.

In der Tat, Sol Gabetta ist eine leidenschaftliche Kammermusikerin, und das spürten die Besucher des neusten Konzerts im Rahmen des Lucerne Chamber Circle am Sonntagabend im KKL von Anfang an. In diesem Falle kam hinzu, dass Sol Gabetta in der Person des 1977 in St. Petersburg geborenen Alexei Volodin einen Partner hatte, der die Impulse der Cellistin bereitwillig erwiderte. Er mag zwar weniger vertraut sein mit historischer Aufführungspraxis als Sol Gabetta.

So war er schon in der eröffnenden Sonate Nr. 1 F-Dur, op. 5, Nr.1 von Ludwig van Beethoven keineswegs bemüht, so etwas wie einen Hammerklavier-Klang zu erzielen, sondern nützte vielmehr das Potenzial, das ihm der Steinway-Flügel bot.

Meisterhafte Technik

Das mag einerseits dazu geführt haben, dass der Klavierton da und dort ein zu starkes Gewicht gegenüber dem leiseren Cello erhielt. Andererseits blieb stets erkennbar, dass Beethoven schon in dieser frühen Cellosonate von 1796 dem Cello eine gleichberechtigte Rolle zuwies.

Sol Gabetta nützte dies, indem sie bereits hier eindrücklich zeigte, dass sowohl ihr melodischer Wohlklang in den Kantilenen als auch ihre dank ihrer meisterhaften Finger- und Bogentechnik scharfen rhythmischen Akzente zu Gebote gut stehen. Daher kamen die typisch beethovenschen Züge selbst hier, wo die Themen meist Mozart-Charakter tragen, deutlich zum Ausdruck.

Erst recht galt dies für die Sonate Nr. 4 C-Dur, op. 102, Nr.1, die zum Spätwerk Beethovens gehört und die Zeitgenossen durch ihren ungewohnt kontrapunktischen Charakter vielfach etwas irritierte. Sol Gabetta und Alexei Volodin liessen sich durch diesen Charakter keineswegs abhalten von einem schwungvollen und lustvoll-spielerischen Gestus und straften damit jene Lügen, die meinen, dieses Werk sei zu spröde und zu sperrig.

Mit Nachdruck

Herrlich war die wundervoll sangliche und abgeklärte Intonation des Adagios im zweiten Satz und voller Spannung die Überleitung zum abschliessenden Allegro vivace, in dem die beiden das ständig wiederkehrende rhythmische Motiv mit Nachdruck hervorhoben.

Hielten sich die beiden spätestens hier gegenseitig die Waage, so galt dies natürlich auch für den Prokofjew-Teil nach der Pause, und dies, obwohl bei einer Passage, die wie häufig in dieser 1950 uraufgeführten Sonate C-Dur op. 119 das Zupfen oder Schlagen der Saiten erheischt, sich eine Saite aus dem Wirbel löste und die beiden Musiker gleich nochmals von vorne beginnen mussten.

Das machte alles nichts. Zwei Zugaben waren dann auch die verdiente Belohnung fürs Publikum, und die Musiker kamen in den Genuss von Standing Ovations.

Fritz Schaub