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Musikwerk Luzern: Klassische Zigeunermusik trifft Moderne

Im ersten Konzert der Saison um Béla Bartók ergänzten sich die Musik des jungen Komponisten und die Zigeunerweisen des virtuosen Geigers Lajos Sarközi eindrucksvoll. Das Schweizer Casal Quartett und Pianist Nicholas Rimmer boten Hochkarätiges.
Gerda Neunhoeffer
Lajos Sarközi spielt mit Gypsy Band im Maihof am Konzert des Musikwerks Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, 9. Februar 2019)

Lajos Sarközi spielt mit Gypsy Band im Maihof am Konzert des Musikwerks Luzern. (Bild: Boris Bürgisser, 9. Februar 2019)

Fünf Jahre Musikwerk Luzern: ein kleines Jubiläum, das am Samstagabend mit dem ersten Konzert dieser Saison um Béla Bartók «Aus reiner Quelle» ein echter Publikumserfolg war. Im Maihofsaal versammelten sich die vielen Zuhörer rund um die Instrumente, und allein der Anblick des Cimbalom machte neugierig. Schon bevor das Konzert anfing, wurde man von den Klängen dieses ungarischen, dem Hackbrett verwandten Instruments gefangen genommen.

Lajos Sarközi, Geige, und seine Band mit Rudolf Sarközi, Kontrabass, und Gyula Csik, Cimbalom, entführten in die Klänge der klassischen Zigeunermusik. Die ungarischen Musiker spielten mit hinreissender Intensität, feurig, melancholisch und mühelos virtuos; mal klang das Cimbalom wie Harfe, dann wieder wie Klavier oder rauschender Wald, und Geiger und Kontrabassist liessen Finger und Bogen nur so tanzen.

Bartók von klein auf mit Volksmusik vertraut

Ob Bartók das auch so gehört hat? Wie sehr er schon als kleiner Junge mit Volksmusik vertraut war, berichtete seine Mutter: «Er kannte schon mit vier Jahren etwa 40 Volkslieder ... Als er in der Schule von der Donau hörte, vertonte er ihren Lauf von der Quelle bis zur Mündung ins Schwarze Meer.» Und dass Bartók seine Musik aus den vielen Hunderten Volksweisen bezog, die er im Lauf seines Lebens sammelte, wird sich in den weiteren Konzerten noch mehr erschliessen.

An diesem ersten Abend drehte sich alles um das Jahr 1905, in dem Bartóks Musik neben Zigeunerweisen noch stark von Brahms und Schumann beeinflusst war. Sein Klavierquintett erklang in drei Abschnitten zwischen Kompositionen von Liszt und Debussy sowie der klassischen Zigeunermusik von Lajos Sarközi jr. und seiner Band. Das renommierte Schweizer Casal Quartett verband sich mit dem Pianisten Nicholas Rimmer zu einem hochsensiblen Ensemble, das die Musik des jungen Bartók in all ihren Facetten so kompromisslos wie ausdrucksvoll gestaltete. Wie Felix Froschhammer und Rachel Späth die Töne ihrer Violinen in starken Reibungen vereinten, wie Markus Fleck, Viola, und Andreas Fleck, Cello, die Klänge von zartem Hauch bis in stampfenden Rhythmus wechselten, das ging unter die Haut.

Wie plätscherndes Wasser oder ganzes Orchester

Dazu war mit Rimmer ein Pianist zu hören, der den Tasten die unterschiedlichsten Klangfarben entlockte: da klang es mal wie das Cimbalom, dann wieder wie plätscherndes Wasser, wie Percussion oder ein ganzes Orchester. Dazu benutzten alle Künstler die «musikalischen Gewürze» wie Rhythmen, Zigeunerskalen, Melodien des Csardas und Echowirkungen in fantastischem Zusammenklang.

Nicholas Rimmer spielte die kurze «Bagatelle sans tonalité» von Liszt mit zauberhaft filigraner Fingerfertigkeit und klar strukturiert. Aus den 14 Bagatellen von Bartók op. 6 interpretierte er die ersten vier, Leichtigkeit, impressionistisches Flair und Transparenz prägten auch hier sein Spiel.

In Debussys «L’isle joyeuse» betörte Rimmers fein artikulierte Anschlagskunst, die sich in Bartóks Klavierquintett weiter vertiefte. Denn wie er mit dem Casal Quartett zusammen das Adagio mit den intensiven Zigeunerweisen spielte, wie sich alle mit leidenschaftlicher Hingabe in die Musik einfühlten, sich aus verschatteter Melancholie in die immer schneller werdenden Csardasrhythmen des Vivace wie ins Licht spielten, das brachte diese Musik in all ihrer Vielfalt wunderbar zur Geltung.

Nun Fokus auf völlig andere Musik von Bartók

In den weiteren Konzerten dieser Saison wird Bartóks völlig andere Musik beleuchtet, hat er doch seinen Kompositionsstil radikal geändert, sich immer intensiver mit den Volksweisen beschäftigt und daraus eine ganz neue Musik entwickelt. So werden einige seiner Streichquartette erklingen, die Luzerner Kantorei unter Eberhard Rex wird Lieder von Bartók und Kodaly singen, und die Klarinettisten Fabio di Casola und Dimitri Ashkenazy spielen in den letzten beiden Konzerten. Natur, Folklore, Avantgarde und Kontraste gibt es zu entdecken.

Nächstes Konzert mit dem Volksmusikensemble Muzsikas am 30. März um 19.30 Uhr im Maihof.

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