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KLAVIERDUO SOÓS-HAAG: Ein Alphornsolo für die «Kattermäng»

Das Luzerner Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag entdeckt die Sinfonien von Johannes Brahms neu: Die erste Sinfonie verbindet Intimität dennoch mit orchestraler Pracht.
Das Luzerner Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag. (Bild: PD)

Das Luzerner Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag. (Bild: PD)

«Das Kattermäng ist eine Pracht!», schrieb Johannes Brahms über die vierhändige Klavierfassung seiner 1. Sinfonie. Und er hoffte, dass das Werk ­wenigstens den «Vierhändigen» (Kattermäng: «à quatre mains») gefallen würde. Gekommen ist es bekanntlich umgekehrt. Brahms’ Sinfonien sind fester Bestandteil des Repertoires, deren Klavierfassungen dagegen werden gegenwärtig vom Luzerner Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag auf CD neu entdeckt. Dass sie künstlerischen Eigenwert besitzen, zeigte schon die zweite Sinfonie. Und das bestätigt jetzt die erste, die Vorzüge wie Risiken noch verdeutlicht.

Klarheit in der Fülle

Zu den Vorzügen gehören wiederum bei aller pianistischen Pracht Transparenz und eine Deutlichkeit in der Artikulation, wie sie eine Grossbesetzung nicht erlaubt. Brahms plusterte den Klaviersatz selbst in der mächtigen Einleitung nicht auf, und die Aufnahme des hochkarätigen Duos führt das mit einem schlanken Klangbild sowie interpretatorisch weiter. Im ersten Satz werden triolische Auftaktmotive perkussiv-störrisch zugespitzt und verkettet. Im Finale, das sich an vielfingriger orchestraler Fülle berauscht, wahrt die pianistische Brillanz doch gestochen scharfe Klarheit. Kantable Linien lassen Soós und Haag atmen, als wäre es Gesang.

Solche Qualitäten sind umso wichtiger, als man beim ersten Anhören die sinfonischen Dimensionen vermisst – in der schwerblütigen Einleitung, die man hier skelettiert wie neu hört, oder beim Alphornsolo im Finale: Wie da agogische Spannungen einen weit tragenden Klavierton suggerieren, ist grosse Klasse.

Spannend ist wiederum die Kombination mit originalen Werken für Klavier vierhändig. Man hört den Unterschied durchaus. Brahms Variationen über ein Thema von Schumann finden ohne Tremolo- und andere ­Orchestersimulationen zu vielschichtiger Fülle – verbunden mit jener Intimität, mit der Schumanns Kinderball diese CD abschliesst. Mehr als eine Zugabe ist das Booklet, in dem sich die Pianisten zu den Bearbeitungen und zur Interpretation äussern.

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

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