Eine Luzerner Galerie schliesst und bietet zum Abschied: «Kleine» Kunst ganz gross

Am Ende von zwölf Jahren Alpineum Produzentengalerie Luzern gibt es ein drittes und letztes Mal Mikrokunst: «Finaleminimale.»

Susanne Holz
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Aufforderung zum Fokussieren: bei Kunst im Kleinformat schaut man ganz genau hin. Wer da eine lange Nase bekommt, ist selber schuld (siehe Kunstwerk).

Aufforderung zum Fokussieren: bei Kunst im Kleinformat schaut man ganz genau hin. Wer da eine lange Nase bekommt, ist selber schuld (siehe Kunstwerk).

Bilder: Philipp Schmidli (Luzern, 20. Dezember 2019)

Was ist das wohl Schönste an Mikrokunst? Eine mit einem Augenzwinkern gestellte Frage. Die Antwort darauf: Sie ist erschwinglich, auch für ein Mikrobudget. Natürlich ist Mikrokunst auch die Kunst, auf kleinstem Raum kreativ zu sein. Ein Gemälde in ein paar Quadratzentimeter Fläche zu packen, eine Skulptur in wenige Kubikzentimeter Raum.

Philipp Schmidli

In der Alpineum Produzentengalerie Luzern stellen derzeit 180 Künstler und Künstlerinnen ihre Werke aus, unter dem vielsagenden Titel «Finaleminimale»: Mikrokunst in einem Ausstellungsraum, den es nur noch bis Ende Januar geben wird. Zierliche Bilder, zierliche Skulpturen, aber umso origineller im Ergebnis. Grosse Aussagen, realisiert im kleinen Format.

Philipp Schmidli

Es ist die dritte und letzte Schau für aktuelle Mikrokunst während zwölf Jahren Alpineum Produzentengalerie Luzern. Die Vorgaben der Galerie lauteten: maximal 125 Kubikzentimeter bei Skulpturen und maximal 25 Quadratzentimeter bei Bildern. Wobei die Galerie manches Mal ein Auge zudrückte: Ein paar Kunstwerke sprengen sichtlich diesen Rahmen. Ab 100 Franken ist die Mikrokunst zu haben, und so wundert es nicht, dass schon einige Bilder und Skulpturen verkauft worden sind.

Der Schneemann auf dem Sockel – in memoriam

Doch warum schliesst die Alpineum Produzentengalerie, die ihren Namen noch vom ersten Standort der Galerie hat, mit dieser Ausstellung? Die Künstlerin Irene Bisang ist eines von 13 Mitgliedern der Galerie, die sich jeweils für drei Jahre verpflichten und alle aktive Künstler sind. Zudem hat sie seit Juni 2019 interimistisch die Leitung der Galerie inne. Irene Bisang sagt: «Die Idee der Produzentengalerie war vor zwölf Jahren, sich zusammenzutun und selbstorganisiert einen Kunstraum zu führen – mit den Ideen und dem Engagement eines jeden Mitglieds.» Inzwischen seien aber einige Mitglieder nach Zürich oder Basel gezügelt, einige hätten Kinder bekommen, und der finanzielle Aufwand einer jeden Galerie sei nun mal sehr gross.

Philipp Schmidli

Ganz zu Ende gehen wird es mit der Produzentengalerie aber wohl nicht. Irene Bisang: «Wir möchten das Konzept der Galerie überdenken und sie eventuell in einem neuen Format weiterführen. Womöglich vorerst ohne festen Standort.» Für diese letzte Schau für aktuelle Mikrokunst haben Produzenten und Produzentinnen sämtliche Künstler angefragt, die in zwölf Jahren in ihrer Galerie ausgestellt haben. Ebenso Künstler und Künstlerinnen aus dem Freundeskreis. Dabei sind Künstler aus den USA und aus Australien. Mit einem Kunstwerk vertreten sind zudem zwölf der 13 Mitglieder der Galerie.

Etwa Stefan Meier, Leiter der Galerie von 2008 bis 2016. Seine Skulptur ist betitelt mit: «Geh doch (mit der Zeit)». Eine 10-Rappen-Münze steckt in einem Stück Tropenholz aus architektonischem Rückbau. Das regt zum Nachdenken an. Oder Irene Bisang: Mit Acrylfarbe und Tusche hat sie eine Streichholzschachtel bemalt. «Night Sky» ist ein Mini-Gemälde und zeigt ein weiss gefiedertes Vögelchen vor nachtblauem Himmel. So klein wie poetisch. Oder Laura Sennhauser, Leiterin der Galerie – mit Unterbrechungen – von 2016 bis 2019: «5 x 5» heisst ihr minimales Gemälde in Öl auf Holz, auf dem sich eine Frau die Zunge beinahe an einer Feuerzeugflamme zu verbrennen scheint. Dies in einer fast religiösen Anmutung. Originell ist auch der Schneemann auf weissem Sockel von Florian Maritz: «Ciao! (In Memoria)» ist das 3D-Druck-Kunstwerk überschrieben.

Philipp Schmidli

Ciao Produzentengalerie heisst es nun Ende Januar zunächst einmal. 2007 lautete der erste Ausstellungstitel «Himmel über Luzern». Für die Galerie wurde der Himmel dann immer grösser. Bis nach Helsinki und Athen weitete er sich.

«Der Komet der Galerie zieht weiter»

Stefan Meier formuliert es nun so: Der Komet Alpineum Produzentengalerie ziehe 2020 ins Unbekannte weiter. «Wer kann, der erhascht sich noch eine Sternschnuppe. Minimalisierte Relikte aus zwölf Jahren Galerie mit 116 Ausstellungen und 300 Künstler/innen-Kontakten.»

«Finaleminimale»: letzte Ausstellung in der Alpineum Produzentengalerie, Hirschmattstrasse 30A, Luzern. Bis 25. Januar. Geöffnet Do/Fr 16–19 Uhr sowie Sa 12–17 Uhr. Samstag, 11. Januar, 17.30 Uhr, Vortrag und Präsentation der neuen Publikation von Stefan Banz mit Recherchen zu Marcel Duchamp. Finissage: 25. Januar ab 12 Uhr. Konzert um 17 Uhr: THE WOW TRIO. www.alpineum.com