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Eric Burdon im KKL: Kleiner Mann mit grosser Stimme

Sie wurde als seine letzte Europa-Tour angekündigt: Der britische Rockmusiker Eric Burdon gab mit The Animals im KKL Luzern ein Konzert, das nicht berauschend war. Aber auch nicht peinlich.
Pirmin Bossart
Eric Burdon ist ein unverzichtbarer Name in der Rockgeschichte. (Bild: Marco Masiello ,Luzern, 24. Juni 2019)

Eric Burdon ist ein unverzichtbarer Name in der Rockgeschichte. (Bild: Marco Masiello ,Luzern, 24. Juni 2019)

Man geht immer mit gemischten Gefühlen an Konzerte, die sogenannte Legenden der 60er/70er-Jahre auf die Bühne bringen. Ausser Nostalgie-Gefühlen, die mit Mitklatschen auch nicht lebendiger werden, ist selten mehr zu holen. Der britische Sänger Eric Burdon ist mittlerweile 78 und als Performer nicht mehr das Energiebündel. Aber wir hatten Glück.

Burdon startete sein Konzert mit dem Stück «Soul of a Man» von seinem gleichnamigen Rhythm-’n’-Blues-Album aus dem Jahr 2006. Es folgte «Mama Told Me Not To Come Home», eine Nummer, die Randy Newman 40 Jahre zuvor für Burdon geschrieben hatte. Zwei feine Stücke, solide gespielt, die ungefähr absteckten, was zu erwarten war. Es ging ein milder Aufschrei durch die Publikumsreihen, als der Sänger zum Song «When I was Young» ansetzte. Tja. Bei den allermeisten war das verdammt lange her.

Je länger das Konzert dauerte, desto besser wurde die Stimmung, was durchaus als Qualitätsmerkmal zu verstehen ist. Der Konzertsaal im KKL Luzern war längst nicht proppenvoll. Die hohen Eintrittspreise hatten viele von einem Besuch abgehalten. Zudem ist Burdon keiner der üblichen «Stars», wenn auch ein unverzichtbarer Name in der Rockgeschichte. Nach anderthalb Stunden und zwei Zugaben gingen die Lichter im Konzertsaal wieder an. Draussen lag die Sommernacht.

Eine raue Stimme mit Soul

Nach Gigs mit Alexis Korner hatte Burdon 1962 mit The Animals ­seine erste erfolgreiche Combo gegründet, die in der aufkommenden British-Invasion-Aera die Beat-Musik mit dem Sound von Bo Diddley und schwarzen Bluesern einfärbte. Es war die Stimme von Burdon, die mit ihren beschwörenden Sprechgesang-Momenten dem Sound einen Stempel aufdrückte. Diese Stimme war rau und kraftvoll, und sie hatte Soul. Diese Qualitäten hat sie trotz einigen fragil intonierten Melodielinien («Motherless Child») bis heute behalten.

Um den Namen «The Animals» wurde in der Vergangenheit mancher Rechtsstreit ausgefochten. Seit ein paar Jahren darf ihn Eric Burdon wieder verwenden. Ein Witz. Ausser ihm war kein einziger Mitstreiter ein «Animal» aus den alten Tagen. Stattdessen spielte ein zusammengewürfeltes Sextett. Das kam flott und etwas gar routiniert, und die Bläser-Section mit Saxofon und Posaune versetzte den Songs die Funk- und Soul-Kicks.

Unbefriedigend war einzig der wenig transparente und dumpfe Sound. Nur die Stimme hatte eine Schärfe, aber auch Eric Burdon hatte Mikrofonprobleme. Rockkonzerte sind und bleiben eine Fehlbesetzung in diesem edlen KKL-Saal. Ausnahmen bestätigen die Regel. Aber das ist dann eher Blümchen-Rock oder Mainstream von der Stange.

Und dann erhoben sich alle

Eric Burdon and the Animals waren nicht Mainstream von der Stange. Die Band durchblätterte ein paar Kapitel Rockgeschichte, die stark von der schwarzen Musik beeinflusst waren. Das Sam-Cooke-Stück «Bring It On Home To Me» passte mit seinem bluesigen Soul perfekt auf Burdons Stimme. Die Version von «In The Pines», einem Song aus den 1930er-Jahren von Leadbelly, entwickelte mit ihrem latenten Psycho-Blues-Feeling eine schleichende Intensität.

«Spill The Wine» zündete den Groove der späteren Formation Eric Burdon & War, aber lebte ihn nicht aus. Die Stücke gediehen allgemein eher kurz. Vielleicht ein kurzes Gitarrensoli, eine dreckig gemeinte Saxofon-Intervention, mal eine funky Keyboard-Einlage. Einzig beim letzten Stück «We Gonna Get Out Of This Place» liess sich die Band etwas gehen und zauberte einen Hauch von Jamming auf die Bühne.

«It’s my Life» beamte die Stimmung dann aber zurück in die 1960er. Der Hit «Don’t Let Me Be Misunderstood» klang trotz Wah-Wah-Gitarre nicht besonders nach. Dann wurde es Weihnachten, das Publikum erhob sich, Burdon intonierte «The House Of The Rising Sun». Seine karge Version von 1964 ist bis heute ein gültiger Standard geblieben. Doch der Song erreichte nicht den Emotionsgrad der Feierlichkeit, mit dem ihn das Publikum würdigte. Er kam etwas zerfurcht, aber schön und rührselig genug, um ihn noch nicht aus dem Herzen zu streichen.

«San Franciscan Nights» hätten sie noch spielen müssen, sagte einer nach dem Konzert. «Tobacco Road» habe er vermisst, sagte der Kollege. «Paint It Black», ein anderer. Aber die älteren Männer waren trotzdem zufrieden. Burdon war gut. Zwei Musik-Freaks waren aus dem Wallis angereist. Sie veranstalten im Juli 50 Jahre Woodstock. Ein Zürcher erzählte, dass kürzlich Edgar Broughton bei ihm im Garten gespielt habe. Walti neben ihm strahlte. Die Nacht war warm. Sixties all around. Und wir – herrgottnochmals – auch schon mittendrin.

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