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KLEINTHEATER LUZERN: Vom Manifest bis zum privaten Tanz

Emma Skyllbäck und Claudine Ulrich zeigten ihre Vorstellungen von «Heimspielen 2017». Beide Male ging es auch um eine Befreiung.
Heimspiele – Doppelabend Tanz (Bild: PD)

Heimspiele – Doppelabend Tanz (Bild: PD)

Der Frühling zwitschert. Mit fröhlichen Stimmen füllt sich auch der Zuschauerraum des Kleintheaters. Zu Lounge-Musik werden auf der Bühne verschiedene Frauen mit Plakaten eingeblendet: «603 Millionen Frauen leben in Ländern, wo häusliche Gewalt kein Verbrechen ist», kann man etwa lesen, «40–50 Prozent der Frauen in der EU werden an ihrem Arbeitsplatz ­sexuell belästigt». Wohin will uns Emma Skyllbäck führen? «Oh, Sister» heisst ihr Tanzstück.

Die Performerin aus Schweden erscheint auf der Bühne mit roter Haarmähne und kleinem Schwarzen. Sie klebt einen grossen Rahmen um die Botschaften an der Bühnenwand. Als die ernsten «Fakten» im diffusen Licht verschwinden, schreibt Skyllbäck «HOME» mit Klebeband hin. Mit strichartigen Armen und Beinen bewegt sie sich vor den Buchstaben, setzt sich auch mal ins O hinein. So wird «HOME» zum dreidimensionalen Raum. Auch hier ist vieldeutiger Zauber: Nach und nach löst die Frau weisse Bänder von der Wand, um sie in Drehungen um den Körper zu wickeln. Zum Glück lassen sich die selbst auferlegten Fesseln wieder sprengen! Skyllbäck pumpt Energie in ihren Körper, setzt zu männlichen, fast animalischen Gesten an, schwingt und tanzt sich bis zur feierlichen Freiheitspose vor. Am Ende hat sich «HOME» in «HOPE» verwandelt.

Individuell im Keller und dann ganz nach oben

Zum «Doppelabend Tanz» gehört die dreiteilige Performance von Claudine Ulrich. Die Schwyzerin war Mitglied der Nationalmannschaft in rhythmischer Gymnastik, bevor sie in Stockholm Tanzpädagogik studierte. In Schweden entwickelte sie auch ihren Vertikaltanz. Die Auftritte aus Fenstern, bei Türmen und zwischen Gerüsten mit «Sardine Sauvage» sind auf Youtube dokumentiert. Wo darf man die Performerin im Kleintheater Luzern erwarten? Draussen an der Fassade, über dem Bühnenboden oder den Zuschauerköpfen?

«1:1-Begegnung mit Claudine Ulrich» steht diskret auf Zetteln. Sie führen in den hintersten Kellerraum des Kleintheaters. Wer es wusste, konnte sich anmelden und bekam am Vorabend einen persönlichen kurzen Tanz «geschenkt». Ein einmaliges Erlebnis, wie eine der wenigen Teilnehmenden berichtete. Die Tänzerin habe sich spontan zur Dub-Musik aus ihrem Smartphone bewegt.

Der zweite und dritte Teil von «Ich muss mal eben raus aus meiner Haut» ereignet sich auf der normalen Bühne. Im hellen Schein testet Claudine Ulrich immer neue Posen. Einmal wirkt sie mit ihrem weissen Kapuzenkleid madonnenhaft, dann wieder androgyn oder Street-Style-artig. Man schaut ihr auch gerne zu, wie sie sich von der gefühlten Schwere befreit, die durch einen 20 Kilo schweren Tonquader dargestellt ist. Der Ton, dieses «stumme und widerstandslose» Material, das immer neu geformt werden kann.

Was bleibt von Ulrichs Stück? Mitunter die Vorstellung vom geschenkten Tanz. Hoffentlich wird die Idee vom Chambre séparée ­irgendwo weitergeführt. Das andere Highlight steht noch an: Vertikaltanz, anlässlich von «Friendly Take Over» morgen Samstag ab 23.40 Uhr im Luzerner Theater. Dort wird sich Ulrich ihre «eigene Wohnung» einrichten. Als Bühnentechnikerin im zweiten Leben ist sie mit dem Ort bestens vertraut. Mit Wohnung meint sie einen PVC-Schlauch, der im über 7 Meter hohen Bühnenraum installiert ist. Darin wird sich die Performerin spektakulär bewegen.

Edith Arnold

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Heimspiele 2017: 24-Stunden-Theater-Marathon, Luzerner Theater, ab morgen Samstag, 14 Uhr.

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