Das Kleintheater Luzern wird mit seinem neuen Programm zur Festivalveranstalterin

Am Donnerstag hat das Kleintheater seine neue Saison vorgestellt. Hazel Brugger, Ursus & Nadeschkin und Christof Wolfisberg vom Duo Ohne Rolf geben sich die Klinke in die Hand. Daneben setzen ein neues Festival und die lokale Szene viele Akzente.

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Ursus und Nadeschkin. (Bild: PD)

Ursus und Nadeschkin. (Bild: PD)

Die Kleintheater-Co-Leiterinnen Judith Rohrbach und Sonja Eisl haben am Donnerstag gemeinsam die neue Theatersaison präsentiert. Eines vorweg: Eine solche Sause wie zum fünfzigjährigen Bestehen des Kleintheaters im letzten Jahr wird man allein schon aus Budgetgründen nicht wiederholen können. Dennoch: Das Jubiläum mit seinen Grossprojekten und Kooperationen hat in den Köpfen der Leiterinnen neue Impulse gesetzt.

So will man mehr ausschwärmen und neu im Einjahres- oder Biennalerhythmus eine Themenwoche ausrichten, «in der Produktionen aus dem Bereich darstellerische Formen, die nur schwer in unser übriges Unterhaltungsprogramm passen, gesondert gezeigt werden», wie Judith Rohrbach erklärt.

Das einwöchige Festival «unfrisiert» zwischen dem 4. bis 10. Februar 2019 steckt noch in der Konzeptionsphase. Die erste Ausgabe unter dem Brecht-Zitat «Glotzt nicht so romantisch!» versammelt Künstler mit oder ohne körperlicher oder geistiger Behinderung. Die Produktionen sollen an den Sehgewohnheiten des Zuschauers rütteln. Zu den geladenen Gruppen gehört auch das bekannte Zürcher Theater Hora, dessen Ensemble sich aus Profischauspielern mit geistiger Behinderung zusammen setzt.

Bewährte Namen mit Gütesiegel

Auf der Gastspielliste stehen auch altbekannte und bewährte Namen mit Gütesiegel: Ursus & Nadeschkin zeigen ihr neues Programm im November an fünf Abenden als Vorpremiere. Hazel Brugger feiert hier die Premiere ihres zweiten Soloprogramms. Die politische Liedermacherin Uta Köbernick wird im Herbst allein mit neuem Liederstoff, im Mai 2019 dann mit Lebensgefährte Stefan Waghubinger auftreten – letzterer sei, so Sonja Eisl, «immer noch ein Geheimtipp in der Szene». Die Luzerner Multiinstrumentalistin Frölein Da Capo peppt ihr Programm erstmals mit Live-Illustrationen auf.

Wichtig ist dem Kleintheater der Ausbau der Zusammenarbeit mit der lokalen Theaterszene, die deutlich mehr Raum erhält. Die im Kunstspektrum breit aufgestellte Luzerner Sängerin Isa Wiss wird etwa mit einer Kinderproduktion, mit dem Albin Brun Ensemble und bei Improkonzerten ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen. Christof Wolfisberg vom Duo Ohne Rolf liest in seinem ersten Soloprogramm die Gedanken der Zuschauer vor.

«Ein Kind unserer Zeit» in einer aktualisierten Fassung

Neben dem Theater Aeternam wird das aufstrebende junge Luzerner Theaterkollektiv Fetter Fetter & Oma Hommage gleich zwei Projekte anstossen. Darunter der anspruchsvolle Versuch einer Aktualisierung von Ödön von Horváths Romanfragment «Ein Kind unserer Zeit» über einen dem Nationalsozialismus verfallenen Soldaten. Dessen Geschichte will man mit dem Krieg der Worte von heutigen populistischen Führern gegenschneiden. Ein ähnliches Aktualisierungsvorhaben hat auch die einzige überregionale Ko-Produktion «Sworn Virgin – Burrnesha» des kosovarischen Kollektivs Forever Productions um Jeton Neziraj. Albanische Burrneshas sind Frauen, die ihre Sexualität gegen eine männliche Stellung in der Gesellschaft eintauschen. Was diese Menschen mit heutigen Drag Queens gemeinsam haben, darauf will das Kollektiv Antworten finden. (jst)

Der VV startet am 22.8., ab 17 Uhr. www.kleintheater.ch