KOLUMNE: «Soso, jetzt also auch duuu ...»

Arno Renggli, Kulturchef der Luzerner Zeitung, über die verschlungenen Wege zum modernen Leben.

Arno Renggli, Leiter Kultur
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Arno Renggli leitet das Ressort Kultur der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Arno Renggli leitet das Ressort Kultur der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Kürzlich fand ich den Entwurf einer Kolumne für an dieser Stelle. Sie handelt davon, dass ich zwar ein Handy, aber nach wie vor kein Smartphone besitze. Und dass dies so bleiben werde, als Widerstand gegen die Informationsflut und das ständige Checken von Mails und Meldungen auf Facebook, Whatsapp und Co.

Zum Glück ist diese Kolumne nie erschienen. Denn wenige Wochen später hatte ich ein Smartphone. Das kam so: Jemand aus meinem nächsten Umfeld stieg auf das neuste iPhone um und bot mir sein altes Teil an. Ich sagte unvorsichtigerweise: «Zeig mal her.» Das eine führte zum anderen. Wobei mich wohl die Jass-App am meisten anzog.

Erstaunliches begab sich in der Folge: Etwa wie schnell mein Familien- und Bekanntenkreis wusste, dass sogar ich nun ein Smartphone besitze. Ich war via Whatsapp-Chats erreichbar, bevor ich überhaupt begriff, wie sie funktionieren. Auch Häme bekam ich ab. Nach dem Motto: «Soso, jetzt also auch duuu ...??!!» Mit passenden Emojis versehen.

Apropos: Erstaunlich war auch, wie rasch ich mich an deren grosszügige Verwendung gewöhnte. Schon nach wenigen Tagen schickte ich aus den Augen springende Herzlein – im souveränen Wissen, dass solches nicht als Liebeserklärung aufgefasst wird.

Innert Kürze war ich sozialisiert. Seither checke ich stündlich Mails und Whatsapp-Meldungen. Fühle leisen Missmut wegen Leuten, die auf Facebook nicht postwendend antworten. Und habe endlich ins moderne Leben gefunden.

Arno Renggli, Leiter Kultur

arno.renggli@luzernerzeitung.ch