KOLUMNE «ÜBRIGENS»: Ein Date mit Angela

Unser Kulturjournalist Urs Mattenberger kam der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel in Hamburg sehr nahe. Ein Kurzbericht.

Urs Mattenberger, Kulturredaktor
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Urs Mattenberger, Kulturredaktor der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Urs Mattenberger, Kulturredaktor der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

In einer Zeit der «Fake News» werden «O-Töne» in Medien immer wichtiger, weil diese für Authentizität stehen sollen. Auch bei der Eröffnung der Elbphilharmonie wurde der Gang durch die Foyers zum Spiessrutenlauf zwischen mobilen TV-Studios und Mikrofonen auf der Jagd nach Originalton.

Ich hatte gerade ein «Es war wunderbar!» aufgeschnappt, als ich mich in einen leeren Verbindungskorridor zurückzog, um per Natel letzte News an die Redaktion zu schicken. Und traute meinen Augen nicht: Umgeben von Bodyguards mit einem Knopf im Ohr wandelte Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgeräumt plaudernd in meine Richtung.

Aber es kam noch dicker. Merkel würdigte mich keines Blickes, aber sie stellte sich in Armeslänge neben mir an die Fensterfront mit Blick auf den Hafen von Hamburg. Und ich begriff: Da bot sich mir vielleicht die Chance für den O-Ton meines Journalistenlebens.

Aber da erläuterte ein Begleiter Merkel bereits, wie in diesem Haus alles «nach aussen, zum Hafen» orientiert ist. Und bevor er aufhörte, hatte sich die Entourage wieder in Bewegung gesetzt. Auch wenn ich ihr beiläufig folgte: So nahe, auf O-Ton-Nähe, sollte ich der sympathischen Kanzlerin nie mehr kommen.

Einer Schweizer Kollegin ging es nicht besser. Ein Besucher machte vor ihrem Mikrofon nach einem Seitenblick kehrt und ging zur ARD. Gerne hätte ich ihr das ungenutzte Date mit Angela gegönnt.

Urs Mattenberger, Kulturredaktor

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch