KOLUMNE «ÜBRIGENS»: Jäger und Sammler

Arno Renggli, Ressortleiter Kultur, stellt sich nach dem Arztbesuch einige Existenzfragen. Eine der Antworten lautet: Joggen.

Arno Renggli, Leiter Kultur
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Arno Renggli leitet das Ressort Kultur der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Arno Renggli leitet das Ressort Kultur der Luzerner Zeitung. (Bild: Archiv LZ)

Man soll sich ja ab und zu vom Arzt durchchecken lassen. Das habe ich getan. Er fand nichts – ausser, dass Bewegung für einen Schreibtischtäter wie mich besonders wichtig sei. Denn der Mensch, so fuhr er fort, sei ja seit Hunderttausenden von Jahren als Jäger und Sammler konzipiert. Zivilisation hin oder her.

Diese Begründung hat natürlich ihre Tücken: Denn die damaligen Jäger und Sammler lebten ja nicht wirklich gesünder als wir heutigen Sesselfurzer. Zumindest legt dies ihre Lebenserwartung nahe, derweil unsere eigene Erwartung gerade dank besagter Zivilisation hochgepusht worden ist.

Aber ich weiss schon, was der Arzt mir sagen wollte: Trotz aller Fortschritte schadet es nicht, sich zuweilen rückzubesinnen, woher wir kommen und was wir im Grunde sind. Bewegungswesen etwa, die auch im 21. Jahrhundert noch spüren, dass ihnen körperliche Betätigung guttut.

Antropologische Argumente stimmen mich aber immer auch skeptisch. Aus ihnen könnte man ja beispielsweise das archaische Recht des Stärkeren ableiten. Nicht dass dieses komplett überwunden wäre, aber es gibt doch humanistische Entwicklungen, die erfolgreich Gegensteuer gegeben haben. Und diese sind mir wichtig – wichtiger als der Hinweis, was der Mensch vielleicht von Natur aus war und ist.

Denn ob dieses nur gut ist, bezweifle ich – Rousseau hin oder her. Lieber hoffe ich auf das, was wir dank Zivilisation und Kultur noch werden. Was mich aber nicht daran hindern soll, jetzt eine Runde joggen zu gehen.

Arno Renggli, Leiter Kultur

arno.renggli@luzernerzeitung.ch