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KOLUMNEN: Brugger und de Weck – die Kunst der Kürze

Zu den neuen Schweizer Stars erzählerischer Kurzformen gehören Laura de Weck und Hazel Brugger. Ihre Kolumnen versprühen Witz, aber ohne Selbstgefälligkeit.
Hazel Brugger (22) und... (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Hazel Brugger (22) und... (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Hansruedi Kugler

Kolumnisten sind die Kleinkünstler im Haifischbecken der publizistischen Besserwisser. Die besten unter ihnen spüren das Groteske im Leben auf, verbinden Alltagsbeobachtung mit eleganter Gesellschaftsanalyse – ohne jene Rechthaberei, die einem bei vielen politisch gefärbten Kolumnen die Lust am Lesen verdirbt. Angesagt sind derzeit zwei Frauen: die Theaterautorin Laura de Weck mit ihren pointierten Minidramen und einem grandiosen Gespür für knappe Dialoge voller Selbstironie und Hazel Brugger mit ihrem in vielen Poetry Slams geschulten wortspielerischen Sarkasmus.

So ganz glücklich scheint das Schreiben von Kolumnen zwar nicht zu machen: «Kleinkunst» klinge ein bisschen wie eine Behinderung – so fängt eine typische Hazel-Brugger-Kolumne an. Ihre eigenen Bühnenauftritte seien bloss ein «flüchtiger Furz im Universum des Kulturgeschehens», das Schicksal des Kleinkünstlers sei es, «dass er niemals einen Klassiker kreieren wird».

Denn statt das zeitlos Gute und Wichtige zu beschreiben, begnügt sich Brugger mit Sterbehilfe-Sarkasmus, opfert übergewichtige Haustiere, verspottet Betroffenheitskitsch und giesst jede Menge Lust am Morbiden in ihre gelegentlich auch politischen Texte. Mit ihrem schwarzen Humor räumt sie mit Sentimentalität, Gedankenlosigkeit und Selbstgefälligkeit auf – Eigenschaften, die uns alle leider immer wieder zu lächerlichen Figuren machen.

Keine Jungfrauen für den Attentäter

Das nennt man dann wohl Selbstironie. Brugger kann aber auch härter: So fragt sie sich, was wohl ein Extremist denkt, wenn er kurz nach seinem Selbstmord-Tod merkt, dass da gar keine Jungfrauen warten. Oder: Sie stellt sich vor, wie sich der Koch fühlt, der einem Massenmörder die Henkersmahlzeit (ein Kübel Hühnerbeine) zubereitet. Dabei tappt sie nicht in die Falle der selbstgefälligen Satire. Denn da verbündet sich der Künstler mit dem Publikum, gemeinsam wird ein Dritter als Depp verspottet und verlacht.

Schnell und unverfroren wirken die Dialoge von Theaterautorin Laura de Weck. Dabei lässt sie genüsslich ihre Figuren sich in Widersprüche verheddern. Sie macht sich etwa über die selbstgerechten Vorurteile gegenüber Bankern lustig und entlarvt einen Regisseur als Macho, für den Schauspielerinnen nur in Rollen als glückliche oder verzweifelte Liebende existieren. Ein Jugendlicher beklagt sich über seine Mutter, die ihn und seine Freunde mit peinlichsten Facebook-Einträgen belästigt, obwohl er es selber war, der ihr Facebook beigebracht hat.

Politik braucht Paartherapie

Neben Themen aus dem Alltag einer urbanen, liberalen Mittelschicht legt Laura de Weck in hoher Kadenz den Finger tief und gewitzt in die Wunden eidgenössischer Politik. Die Masseneinwanderung verulkt sie als Groteske in der Geburtsklinik. Und sie schickt Herrn Staat und Frau Bevölkerung zur Paartherapie, weil zwischen ihnen ein «sogenanntes Misstrauensverhältnis» besteht. Mit dem Resultat, dass Frau Bevölkerung einräumt, sie sei eigentlich ganz glücklich.

Hazel Brugger: Ich bin so hübsch. Kein & Aber, 176 Seiten, Fr. 13.90. Bewertung: 4 von 5 Sternen

Laura de Weck: Politik und Liebe machen. Diogenes, 128 Seiten, Fr. 21.90. Bewertung: 4 von 5 Sternen

...Laura de Weck (34) haben ihre Kolumnen nun in Büchern gesammelt. (Bild: Gaetan Bally, Keystone)

...Laura de Weck (34) haben ihre Kolumnen nun in Büchern gesammelt. (Bild: Gaetan Bally, Keystone)

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