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KONZERT: Andreas Gabalier bringt das KKL zum Tanzen

Andreas Gabalier machte am Freitagabend das Luzerner KKL zur Festhütte. Der Volks-Rock-’n’-Roller aus Österreich punktete mit viel Nähe zum Publikum. Im Interview fand er es sogar positiv, dass die Radiostationen seine Songs nicht spielen.
Andreas Gabalier (32) bei seinem Auftritt gestern im Konzertsaal des KKL, Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 31. März 2017))

Andreas Gabalier (32) bei seinem Auftritt gestern im Konzertsaal des KKL, Luzern. (Bild: Nadia Schärli (Luzern, 31. März 2017))

Michael Graber
michael.graber@luzernerzeitung.ch

Es braucht wenige Takte, und aus dem KKL wird eine Festhütte. Dirndl statt Abendkleid ist angesagt und Lederhose statt Dirigentenfrack. Auf der Bühne sitzt Andreas Gabalier. Der österreichische Volks-Rock-’n’-Roller, wie er sich selber nennt. Und er hat sein Volk gefunden. Das KKL war innert weniger Stunden ausverkauft – und das bei gesalzenen bis gepfefferten Preisen (175 bis 295 Franken).

Die teuren Sitzplätze werden vielfach bald zu teuren Stehplätzen umfunktioniert, und es wird geschunkelt, mitgesungen, mitgeklatscht. Fünf Damen auf dem ersten Balkon tanzen sogar eine kleine Choreografie – fast schon rührend. Andreas Gabalier seinerseits ist ein brillanter Unterhalter. Immer wieder streut er kleine Geschichten ein, würzt seine Songs mit neuen Ideen und natürlich seinem Mini-Orchester, das ein wenig wie eine Kammermusik-Formation wirkt.

Viel Publikum, kein Airplay am Radio

Gabalier hielt in Luzern im Rahmen seiner «MTV-Unplugged»-Tour. Seine Mischung aus Volksmusik, Pop und Schlager bekam zusätzliche Streicher und dadurch eine zusätzliche Tiefe. Diese schafft der Musik sogar noch zusätzliche Nähe. Diese ist ohnehin der grosse Trumpf von Gabalier. Immer wieder sucht er Augenkontakt, dreht sich auch zu den Zuschauern auf den Chorplätzen, und nach der Pause wandert er durch den Saal auf die Bühne. Ein Star zum Anfassen.

Im Sommer kommt Gabalier erneut in die Schweiz, nach St. Gallen (16. Juni) und Birrfeld (17. Juni). Insgesamt hat er für seine Konzerte in diesem Jahr in der Schweiz bereits 60000 Tickets verkauft (er spielt auch noch am SnowpenAir in Interlaken). In Deutschland will er demnächst am Hockenheimring (einer Rennstrecke!) vor 100 000 Personen spielen. Das ist eine gigantische Zahl, zumal man Gabalier praktisch nie am Radio hört. In der Schweiz etwa spielen ihn nur ganz wenige Stationen – und wenn, dann selten. Bei uns gibt es mit Trauffer – wenn auch im deutlich kleineren Rahmen – ein ähnliches Phänomen.

«Da sitzen ja überall Musikexperten»

Warum das so ist, fragen wir den Mann am Nachmittag vor dem Konzert gleich selber im Bauch des KKL. Gabalier: «Rückblickend ist es ein Segen, dass wir von den Radios nicht gespielt werden. So haben die Leute noch Hunger auf CDs und auf Auftritte.» Mittlerweile würde er nicht mehr, wie zu Beginn seiner Karriere, bei den Radiostationen betteln gehen, damit die seinen Song endlich mal spielen, «die Fans finden die Musik auch so». Etwa über Streamingportale: Sein Song «Hulapalu» sei 2016 der meistgestreamte Song im deutschsprachigen Raum gewesen, sagt der 32-Jährige zufrieden. «Die Medien müssen selber wissen, was sie spielen und über was sie berichten wollen. Da sitzen ja überall Musikexperten», so Gabalier mit breitem Grinsen.

Zurück zum Konzert: Nach «Einer kleinen Nachtmusik» als Orchesterintro präsentiert Gabalier einen bunten Querschnitt durch sein Werk. Dazwischen covert er den verstorbenen Roger Cicero und die Rolling Stones. Und: Es ist wirklich richtig gut. Da ist ein Vollprofi am Werk, der mal Gitarre, mal Klavier, mal Akkordeon spielt, aber immer vor allem Entertainer bleibt. Einer, der singen kann. Und spätestens bei «Hulapalu» steht dann auch wirklich jeder. Sogar alle auf dem vierten Balkon – und dort muss man dann mindestens ein bisschen schwindelfrei sein.

Kraft dank dem Kontrast

Gabalier variiert das Tempo während des Konzerts immer wieder. Schunkelsongs wechseln sich mit langsameren, nachdenklicheren Nummern ab. Seine Band (zeitweise spielen fünf Personen Gitarre auf der Bühne) legt einen angenehmen Teppich und lässt dem Sänger viel Platz. Und wenn er nach drei Stunden als Zugabe dann noch «Amoi seg’ ma uns wieder» singt, ein rührendes Lied über Abschied, ist man richtig ergriffen. Da wird dann auch die Festhütte KKL wieder ruhig. Und genau in diesem Kontrast liegt an diesem Abend viel Kraft.

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