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KONZERT: Der Auftakt des Forums Neue Musik

Europa und Helvetia begegnen sich am Rhein: Das Ensemble Aequator eröffnet im Kleintheater die Saison des Forums Neue Musik.
Das Ensemble «Aequa­tor» (Bild: PD)

Das Ensemble «Aequa­tor» (Bild: PD)

«D’Oultremer» von Blaise Cendrars ist eine starke Textvorlage. Kraftstrotzende Poesie des grossen Schweizer Dichters, welt­gewandt, derb, leidenschaftlich. Fragmente daraus hat Daniel Fueter zur Grundlage für eine Kleine Kantate genommen, die er 2014 für das Ensemble Aequa­tor schrieb. Sie eröffnete den zweiteiligen zeitgenössischen «Liederabend», mit dem das ­Forum Neue Musik Luzern die neue Saison eröffnete.

Das Resultat der musikalischen Umsetzung ist allerdings ernüchternd. Matthias Arter (Oboe, Englischhorn und Lupophon), Tobias Moster (Cello), Ingrid Karlen (Klavier) und die Mezzosopranistin Anne-May Krüger navigieren mit dem grossen Pflichtgefühl seriöser Interpreten den verwinkelten Noten entlang – doch der Zuhörer wartet darauf, dass er etwas spürt. Er liebt Blaise Cendrars, aber mit der musikalischen Kreation anfreunden kann er sich nicht wirklich.

Es ist, als ob die klangliche Fantasie auch noch den letzten Funken Emotion und Leidenschaft aus diesen Texten tilgen würde. Kleinteilige Formen, Klänge und Geräusche weben sich zum Stückwerk, das keinen Bogen erkennen lässt, geschweige denn eine Atmosphäre.

Die Partitur dominiert die Musik

Wie es zur Überlieferung des zeitgenössischen Komponierens gehört, müssen die Musiker nebst ihren Instrumenten auch noch allerhand Geräusche und perkussive Kürzesteinlagen tätigen. Sogar der seriös streichende Cellist hat noch zwei Trömmelchen an seiner Seite, auf die er ab und zu trömmeln muss. Es klang dabei leider nicht so, als ob das die Musik gewollt hätte. Ausschlaggebend ist wohl einfach die Partitur.

Etwas eleganter und musikalisch reichhaltiger gestaltet sich Teil 2 des Abends, mit der Aufführung von «Am Rhein», einer Komposition des Oboisten Matthias Arter zu einem Libretto von Johanna Fäh. Als «Dramatische Szene» bezeichnet, fehlt auch in dieser Aufführung der berührende Wirkstoff Dramatik, der dem Text zweifellos innewohnt. Gewiss liesse sich mit einer erweiterten szenischen Umsetzung – Mini-Oper? – da noch allerhand herausholen. Aber in dieser Form war das ein milder Rausch am Rhein.

Hütten bauen, Schotter schaufeln

Fäh lässt die beiden Figuren Helvetia Kühn (in einem Boot) und Europa (am Ufer) am Rhein aufeinandertreffen. Es geht dabei um Fremdheit, Hand bieten, einander akzeptieren. Man kann durchaus die Flüchtlingssituation in Europa dazu assoziieren und einer Schweiz, die sich schwertut, eine konkrete Handlung zu vollbringen. Oder auch die Mitgliedschaft in einem vereinten Europa, das einem über den Kopf wächst. Helvetia sind die Welt und die Menschen fremd geworden. Sie möchte nur noch Bäume pflanzen, Hütten bauen, Schotter schaufeln.

Europa hingegen hat alles verloren, aber sie hat ein gesünderes Verhältnis zu den Unwägbarkeiten des Lebens. Sie stellt sich schöne Sachen vor, will tanzen, die alten Lieder singen. Kadmos, der Bruder von Europa, wird zur Projektionsfigur. Als Europa ins Wasser geht, wird sie von Helvetia gerettet, die danach in die Fremde gehen und erst wiederkommen will, «wenn Mitleid unter meiner Haut sich regt». Hoffnung!

Komponist Arter bespielte den poetischen und auch sanft mysteriösen Text mit einem etwas spröden Fluidum abstractum, das aber im Gegensatz zu Fueter klanglich vielfältiger, dramaturgischer und auch dynamischer die Ohren erreichte. Neben den üblichen Instrumenten wurden auch ein paar Weinglas-Harfen eingesetzt, die etwas Stimmung zeichneten.

Mezzosopranistin mit zwei Rollen

Anne-May Krüger verkörperte die beiden Hauptfiguren: Die Textpassagen von Helvetia sang sie in klassischer Manier, jene von Europa rezitierte sie sprechsingend. Das Programmheft titulierte Europa als «Rapperin», was uns in diesem Falle aber doch etwas hochgegriffen, um nicht zu sagen missverständlich scheint.

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Infos zur Konzertsaison:

www.forumneuemusikluzern.ch

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