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KONZERT: Der Meister und seine Zauberlehrlinge im KKL

Ein Orchester nur aus Violoncelli? Sol Gabetta und Ivan Monighetti präsentieren ein Sammelsurium fern von Kitsch und Schmalz. Auch die Luzernerin Regula Mühlemann hat einen Auftritt.
Ehrte mit anderen Schülern ihren Lehrer Ivan Monighetti: Cellistin Sol Gabetta. (Bild: Philipp Schmidli (14. Januar 2017))

Ehrte mit anderen Schülern ihren Lehrer Ivan Monighetti: Cellistin Sol Gabetta. (Bild: Philipp Schmidli (14. Januar 2017))

Zwölf Cellos und obendrauf die Lokalmatadorin Regula Mühlemann? Das weckt Erinnerungen an all die Gesangsgruppen und Klavierensembles, die in den letzten Jahren diese Welle ritten. Angefangen bei den Drei Tenören, den Urvätern dieser Melange, über Il Divo bis hin zu den The Ten Tenors oder dem Gershwin Piano Quartet.

Gemeinsam ist diesen Formationen, dass ihre Programme oft in flachen Gewässern schaukeln. In Ermangelung an Literatur werden meist populäre Werke aus Klassik und Pop auf die Besetzung zusammengeschnitten, die vor allem Publikumserwartungen bedienen. Auch möchte man oft nur wenige dieser Sänger und Pianisten in einer Oper oder einem Solokonzert erleben. Die Drei Tenöre mit Pavarotti, Carreras und Domingo waren hier klar die Ausnahme.

Lustvolle Präsentation des Cellos

Eine Ausnahme ist auch die Cellonacht am Freitagabend im KKL. Sie ist nicht nur hochkarätig besetzt, sondern überzeugt ebenfalls musikalisch. Im Kern ist es die Verabschiedung des in Basel lehrenden Ivan Monighetti, ein Konzert des Meisters und seiner Schüler, allen voran das Aushängeschild Sol Gabetta. Mit dabei sind aber auch Asier Polo, welcher sich vor allem in der modernen Klassik einen Namen schuf oder der Russe Emil Rovner, der auch als Sänger und Dirigent tätig ist. Ergänzt werden sie mit einer Reihe von Nachwuchs­cellisten, die teils von Sol Ga­betta unterrichtet werden. Ein verita­bles Drei-Generationen-Projekt weit weg von der Populärseife, die oft solche Konzepte schmiert. Die zwölf Musiker präsentieren eine ernsthafte, dennoch lust­volle Auseinandersetzung mit den vielen Facetten ihres Instrumentes. In der Literatur finden sich zwar nur wenige Stücke für reine Cello-Orchester. Eines ist das Eröffnungsgebet «Comforter, a Prayer to the Holy Spirit» von Alexander Knaifel, eine aus dem Nichts geschaffene mystische Wolke aus Klängen. Oder der «Boléro» von Jacques Offenbach, mitreissend und frisch. Exemplarisch kommt hier die vielfältige Dichte dieses herrlichen Instrumentes zum Tragen. In der «Bachianas Brasileiras No. 5», dem bekanntesten Stück des brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos, hat Regula Mühlemann einen kurzen Auftritt. Sie überzeugt vor allem in der langsamen «Aria» mit schwebender, leicht sehnsüchtiger Stimme. In der spritzigen «Dança» wirkt die Sopranistin nicht so agil, geht in den zu lauten Celli unter. Dies ist beim sonst exzellenten, mit teils jugendlichem Übermut aufspielenden Ensemble der einzige Schwachpunkt. Für die abwechselnden Solisten ist es in ähnlichen Tonlagen nicht einfach, aus der Gruppe herauszutreten.

Es ist Karneval!

Eine paar der Nummern hat Ivan Monighetti speziell für diese Gruppe arrangiert. Das funktioniert hervorragend in einem Konzert Vivaldis für zwei Celli, in dem Sol Gabetta und Asier Polo den Führungspart übernehmen. Spannend ist es, die unterschiedlichen Klänge der Solisten – nicht nur hier – nebeneinander zu hören. Asier Polo spielt kräftig und kernig im Ton, Sol Gabetta eher weich, rund und voll.

Immer wieder zeigt die Verknüpfung der zwölf Instrumente spektakuläre Effekte und Farben, auch wenn einige arrangierte Nummern – wie Ravels «Bolé- ro» – nicht ganz diese Spannkraft erreichen. Am Schluss erobert jedoch der Karneval die Bühne. Mit einem witzigen Chaos zwischen Tanz, Feier und erschöpften Momenten in Buenos Aires schliesst das Konzert mit Astor Piazollas «Verano Porteño» und der Zu­gabe eines russischen Volkslieds. Ein reizvoller Abend, der Lust auf mehr «Cello» macht.

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

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