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KONZERT: Ganz im Zeichen eines grossen Instruments

Der G.-F.-Händel-Chor aus Luzern verbindet Choralgesänge mit japanischen Rhythmen und viel Moderne. Vor allem der zweite Teil wird zu einem Musikfest. Und zeigt, dass sich die besondere Ausrichtung des Chores lohnt.
Roman Kühne
Raphael Christen am Marimbafon und der G.-F.-Händel-Chor unter Pirmin Lang. (Bild: Nadia Schärli (3. März 2018))

Raphael Christen am Marimbafon und der G.-F.-Händel-Chor unter Pirmin Lang. (Bild: Nadia Schärli (3. März 2018))

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Schon seit längerem gehören innovative Projekte zu den Markenzeichen des Händel-Chors unter der Leitung von Pirmin Lang. Dies ist am Konzert vom Samstag im ausverkauften Maihof nicht anders. Das aktuelle Programm fokussiert, neben dem Gesang, ganz auf die Perkussion und das Saxofon. Namentlich das Marimbafon erlebt einen grossen Abend.

Das riesige Instrument, ähnlich dem Xylofon, wurde traditionell vollständig aus Holz gebaut. Heute bestehen oft nur noch die Anschlagbretter aus Palisander, einer tropischen Pflanzengattung, die heute vollständig unter Schutz steht. Die Resonanzrohre, früher ebenfalls aus Holz, sind meist aus Aluminium.

Herausforderung, ohne dass der Hörgenuss leidet

Erstaunlich ist, dass es eine ganze Reihe von Kompositionen gibt, bei denen dieses Instrument mit Chor kombiniert wird. Sie stammen alle aus der neueren Zeit und oft aus Asien, dem Erfindungskontinent des Marimbafons. Die vom Chor präsentierte Auswahl beweist dabei – wieder einmal –, dass eine spannende und fordernde «Moderne» möglich ist, ohne dass der Hörgenuss darunter leidet.

Da ist etwa Michael Villmow. Der deutsche Komponist verbindet in «Ein Stern wird kommen» (2013) gregorianischen Gesang mit jazzigen Elementen. Ruhige, schlanke Tonfolgen treffen auf quirlige Pulse. Eine Mischung, die überzeugt. Vor allem im «O Emmanuel», wo sich afrikanisch angehauchte Rhythmen über die geistlichen Gesänge lagern, entsteht ein inspirierendes Wechselspiel. Michael Villmow ergänzt den Cantos mit improvisierendem Spiel am Saxofon.

Dies ist natürlich nicht neu. Der Japaner Sadao Watanabe und vor allem Jan Garbarek haben diesen Stil, diesen Typ Weltmusik bekannt und zu einem einträglichen Geschäftsmodell gemacht. Villmow passt sich fantasiereich in die Stimmung ein, mischt mit seinen Stehgreifen spannende Ideenfetzen bei.

Vom gleichen Komponisten stammt auch die Uraufführung «Now we sing, now we soar». Zwar ist nicht ganz klar, warum der Händel-Chor ein Werk in Auftrag gibt, in dem der Chor nicht vorkommt. Doch die Mischung aus Solosopran, Schlagzeugquartett und Sopransaxofon tanzt in einer leichten, synkopisch sich abwechselnden Mischung durch das Stück. Für die Sopranistin Simone Stock, Ensemblemitglied des Luzerner Theaters, ist es phasenweise eine Soloarie, welche sie mit klarer, reiner Stimme singt. Schade, kommt ihr die Akustik und das teils laute Schlag- und Saxofonspiel nicht gerade entgegen.

Solonummer wie ein tanzender Derwisch

Der Höhepunkt vor der Pause sind spannende Werke des Norwegers Ola Gjeilo. Am besten auf den Chor zugeschnitten, entwickeln sich inspirierende Klangschichtungen, offene Akkorde, welche in die Ewigkeit deuten.

Nach der Pause geht – man kann es kaum anders sagen – so richtig die Post ab. Zuerst das Solostück für Marimba des Japaners Minoru Miki. Dieses nennt sich zwar «Marimba-Spiritual», ist aber mehr ein tanzender Derwisch denn besinnliche Mönchsklausur. Der hervorragende Solist Raphael Christen springt durch die anspruchsvollen Mehrfachklänge, faszinierend auch in ihrer strukturellen Komplexität. Meist mit vier Schlägern in der Hand, gleitet er über das zweieinhalb Meter breite Instrument, setzt Akzente, jongliert die Tonleiter auf und ab.

Faszinierende Jagd durch die Schlagregister

Seine Mitmusiker des Ensembles Quadrums ergänzen ihn auf den schwergewichtigen Kodo- und O-Daiko-Trommeln. Am Anfang fehlt in der Begleitung die letzte Präzision. Doch im pochenden zweiten Teil entwickelt sich eine faszinierende Jagd durch die Schlagregister, verschmilzt das Hämmern des Unterbaus mit der Brillanz des Solisten.

Auch der Händel-Chor hat hier seinen grossen Auftritt. Vor der Pause klingen die Sänger oft eher breit, ja massig gar. Zwar ist der Klang zwischen den Registern gut austariert, entwickeln sich etwa im «Psalm 95» weite Bögen und ein kompakter Takt. Doch die Sänger sind teils eher zu laut, verdecken Musiker und Solisten. Ein überzeugendes, klanglich volles Piano fehlt.

Ganz anders im schwierigen Schlussstück. Im «Concerto» des Amerikaners Gene Koshinski können die Laiensänger aus dem Vollen schöpfen. Das Stück ist eine Herausforderung für den Chor, und der Anfang wird etwas verschenkt. Doch nachher zeichnet die präzise Leitung von Pirmin Lang ein Kaleidoskop aus Klängen, macht die moderne Komposition sicht- und fassbar. Wuchtige Aushalter, präzise, vertrackte Sprechgesänge, rhythmisches Stampfen und Klatschen im Stile der «All Black», dem neuseeländischen Rugby-Team, legen den «Orchester»-Boden für die erneut hervorragenden Solisten auf Marimba und Xylofon. Das Publikum ist begeistert. Ein weiteres Mal hat es sich für den Händel-Chor ausgezahlt, auf ein innovatives Programm zu setzen.

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