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KONZERT: Grössenwahn in seiner schönsten Form

Popqueen Beyoncé im Zürcher Letzigrund – das bedeutet Spektakel pur. Der heimliche Star der Show ist dabei ein gigantischer Klotz.
Michael Graber
Bewies eindrücklich, warum sie derzeit eine Königin des Pop ist: Beyoncé beim Konzert im Letzigrund. (Bild: PD/Timothy McGurr/Parkwood Entertainment)

Bewies eindrücklich, warum sie derzeit eine Königin des Pop ist: Beyoncé beim Konzert im Letzigrund. (Bild: PD/Timothy McGurr/Parkwood Entertainment)

Michael Graber

Was soll man da noch sagen? Das war purer Grössenwahn in seiner schönsten Form. Die US-Sängerin Beyoncé (34) auf ihrer Tour ist ein Grossereignis. Eines, das Spuren hinterlässt.

Aber von vorne: Da steht erstmals mitten im Letzigrund ein Klotz, auch schon mal gedeutelt als Monolith. Ganz sicher aber Klotz, weil riesig. Das Ding ist beinahe zwanzig Meter hoch, drehbar und eröffnet das Konzert am Donnerstagabend mit blitzenden Bildern, die mit schneidenden, fast schon schmerzhaften Geräuschen unterlegt sind.

Immer wieder wird der Klotz nachher in den zwei Stunden fast die Hauptrolle spielen: Er kann sich öffnen, sich halbieren, als Projektionsfläche dienen oder plötzlich neue Einblicke preisgeben. Zwischendurch gibt er einer oder mehreren der Tänzerinnen die Möglichkeit, irgendwie mit irgendwas durch die Luft zu schweben.

Eine Dame, kein Schätzchen

Beyoncé selber taucht erst mal aus dem Boden auf. Langsam, mit grossem schwarzem Hut – ebenso wie ihre 14 Tänzerinnen. Jedes Kopfnicken auf der Bühne unterliegt fast schon militärischer Präzision. Nach und nach entwickelt sich «Formation» von ihrem neuen, grossartigen Album «Lemonade» aus der Eröffnungssequenz. Es ist die wütende, neue, relevante Beyoncé, die da im Letzigrund im knappen Anzug tanzt. Kein Schätzchen, sondern eine selbstbewusste Dame. Bis sie das erste Mal von der Videoleinwand lächelt, sind 30 Minuten vergangen.

Fast schon merkwürdig ist hingegen, wie sie die grossen Themen in ihren (raren) Ansagen umschifft. «Black Lives Matter» oder andere – höchst aktuelle – Parolen hört man von der 34-jährigen Amerikanerin nicht. Obwohl sie just am Tag des Zürcher Konzerts noch ein Anti-Rassismus-Video veröffentlicht hat.

Relevant ist Beyoncé aber so oder so. Gerade ihre neuen Songs sind kluge, vielschichtige Popnummern. Das wird besonders deutlich, wenn sie ältere Songs spielt. Die haben zwar viel Punch, aber selten so eine Intensität wie die Nummern auf «Lemonade».

Die Königin des Pop

Beeindruckend ist auch die weibliche Präsenz auf der Bühne. Praktisch ausschliesslich Frauen sitzen hinter den Instrumenten, von den Tänzerinnen gar nicht zu reden. Die auffälligste Rolle spielen die Männer, als sie vor der Show die Bühne für Beyoncé trocken wischen. Spätestens da ist auch dem Letzten im Publikum klar: Da kommt gleich die Königin des Pop auf die Bühne.

Diesen Titel mag sie sich mit Adele teilen. Die beiden Sängerinnen funktionieren aber komplett anders: Während Adele mit (gespielter) Normalität punktet, spielt Beyoncé mit ihrer Makellosigkeit. Interessant ist auch ein Vergleich des Publikums. Während bei Adele der obere und untere Mittelstand im Hallenstadion sass, stehen und tanzen bei Beyoncé im (nicht ganz ausverkauften) Letzigrund viele Kids, die sich das Ticket (stolze 120 Franken) vom Mund abgespart haben. Es sind beides Scheinwelten: Während sich der Adele-Fan nach Nähe sehnt, sucht der Beyoncé-Fan ein Vorbild – und sei es noch so unerreichbar.

Intime Momente auf grossem Klotz

Beyoncé spielt in Zürich aber auch mit der Nahbarkeit. Sie zeigt Bilder von sich in intimen Momenten. Bei ihrer Hochzeit mit Jay Z, kurz nach der Geburt ihrer Tochter und von den gemeinsamen Ferien. Alles projiziert auf den mäch­tigen Klotz im Letzigrund. Das macht selbst intime Momente irgendwie zunichte.

Seis drum: Der Rest ist gigantisch. Auch gigantisch gut. Der Sound im Stadion ist angenehm klar, das klingt präzis, das ist laut genug und das hat Dampf. Immer wenn die Show in die Belanglosigkeit zu kippen droht, findet Beyoncé einen neuen Dreh, die Show zu retten. Am Schluss ist ein Teil der Bühne überflutet (bewusst, nicht wegen des Regens), und Beyoncé stampft ein wütendes «Freedom» in das Nass.

Da war sie wieder, die Wut vom Anfang des Konzerts. Diese Ernsthaftigkeit, die steht ihr ganz gut. Fast so gut wie der Grössenwahn ihrer Show. Das ist ganz grosses Konzert-Kino.

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