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KONZERT: Kopfsprünge ins Innenleben: Steff La Cheffe im Südpol

Im Moment führt kein Weg an Steff La Cheffe vorbei. Die 31-jährige Bernerin wird seit ihrem soeben erschienenen neuen Album richtiggehend gehypt. Beim Konzert im Südpol konnte sie die hohen Erwartungen erfüllen.
Nahbar: Steffe La Cheffe im Südpol. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Mai 2018))

Nahbar: Steffe La Cheffe im Südpol. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Mai 2018))

Es fühle sich gut an, wieder auf der Bühne zu stehen, lächelt Steff La Cheffe irgendeinmal ins Publikum. Der Club im Südpol ist ausverkauft, die Zuschauer älter als erwartet. Hier hatten sich Steff und Band ein paar Tage eingespielt, hatten geprobt für die kommenden Konzerte und jetzt also Livepremiere.

Wie das Album «Härz Schritt Macherin» beginnt auch der ­Auftritt wummerig. Es frickelt, brummt und wuchert dunkel aus, dieses «Himbeergschtrüpp». Der Song endet mit der Zeile «demontiere d’Fassade» und die ist sinnbildlich für die «neue» Steff. Die Songs handeln unter anderem von Verletzungen und Verlusten, sie sind allesamt sehr ­persönlich und mit dem Gute-Laune-Rap von «Ha ke Ahnig» hat das nur noch bedingt etwas zu tun.

Gewaltiger Druck von der Bühne

Auch deswegen ist wohl ein richtiger kleiner Hype um Steff entstanden. Kaum ein Heft, das ohne ein Interview mit der Bernerin auskommt. Aber im Gegensatz zu vielen anderen musikalischen Hypes ist bei Steff deutlich mehr Substanz dahinter. Das merkt man schon an der grossen Band, inklusive zwei Background-­Sänger. Zwar klotzt diese Truppe nicht, aber es kommt ein gewaltiger Druck von der Bühne. Gerade in der zweiten Hälfte merkt man, dass eigentlich für grössere Säle als den Südpol-Club geprobt ­wurde: Es ist laut und wuchtig. Bemerkenswert, wie klar hör- und fühlbar die Stimme von Steff La Cheffe die ganze Zeit bleibt.

Die «schlimmen» Pausen

Das Material der neuen Platte dominiert den Abend. Aber auch alte Stücke wie «Ha ke Ahnig» und «Meitschi vom Breitsch» lässt die Band nicht aus. Steff modernisiert die Lieder ein bisschen, belässt sie aber in ihrer Grundstimmung. Da wird sie dann tatsächlich wieder zu einer Rapperin, die schnell durch die Songs tanzt.

Dazwischen liegen gerade einmal fünf Jahre und doch irgendwie Welten. Was übrigens nicht heissen soll, dass die alten Songs schlecht sind, sie sind einfach ­anders. Im Rückblick kann man sagen, dass sie öfter an der Oberfläche bleiben, während die ­neuen Lieder dagegen Kopfsprünge ins Innenleben sind. Durch diese Gegenüberstellung wird die musikalische Entwicklung auch auf der Bühne imposant sichtbar.

Dazwischen führt Steff La Cheffe sympathisch ungelenk durch das Konzert. Diese Pausen seien schlimm, sagt sie, «da muss man immer etwas sagen». Natürlich: Da steckt eine grosse Portion Understatement dahinter, aber man kauft es ihr tatsächlich ein bisschen ab. Mit der Zeit fühlt sich Steff merklich wohler. Nutzt die kleine Bühne jetzt ganz aus, interagiert auch mal mit dem Publikum und sucht die Reaktionen.

Sie spielen auch zwei Lieder, die es nicht auf Tonträger gibt. «Das ist immer der Seich beim Plattenmachen, ein paar Songs schaffen es nicht auf die Platte, aber man will sie trotzdem spielen», sagt Steff. «Und wie waren sie?», fragt sie ins Publikum nach den unveröffentlichten Songs, es wird artig geklatscht und gejohlt. Alles andere wäre auch ein ­grosse Überraschung gewesen. Steff ­lächelt zufrieden.

«Noch eine Platte kaufen gehen»

Eine der schönen Eigenheiten des Südpol-Clubs ist, dass die Musiker durch das Publikum auf und abgehen müssen. So geht dem Zugabeblock ein eigent­liches Bad in der Menge voraus und verleiht diesem emsigen Klatschspielchen eine rührende Note. Nach «Habibi» ist dann aber tatsächlich Schluss, man könne «jetzt ja noch ein Platte oder so kaufen», sagt Steff.

Das war ein starkes Konzert, die kurze Bühnenpause hat man weder Steff noch Band angemerkt. Jetzt geht es dann bald auf die Festivalbühnen quer durch die Schweiz. Darauf darf man sich freuen: Steff la Cheffe auf der Bühne, das fühlt sich gut an. Bei allen Beteiligten.

Michael Graber

michael.graber@luzernerzeitung.ch

Steff La Cheffe im Südpol. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Mai 2018))

Steff La Cheffe im Südpol. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Mai 2018))

Steff La Cheffe im Südpol. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Mai 2018))

Steff La Cheffe im Südpol. (Bild: Manuela Jans-Koch (10. Mai 2018))

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