Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KONZERT: Leistungssport auf Musikinstrumenten

Wenn die Canadian Brass am World Band Festival auftritt, sind die Erwartungen hoch. Diese erfüllte die Band nur teilweise.

Die Canadian Brass gilt als eine der besten Bläsergruppen der Welt. Am Auftritt vom Mittwoch im Konzertsaal des KKL bestätigen sie diese Einschätzung mit einem tollen, das Publikum begeisternden Konzert. Dieses hat allerdings zwei Seiten. Einerseits spielen die Musiker hochvirtuos. In der barocken Einleitung des Abends werfen sie sich die Melodienblöcke in atemberaubenden Tempo zu. Durch das «Rondo alla Turca» von Mozart wird mit der Geschwindigkeit am obersten Limit gerast.

Erinnerungen werden wach an den Trompeter Maurice André, der diese Art Konzert praktisch erfand und perfektionierte. Alles ist präzise, der Klang trotzdem weich. Die Musiker artikulieren kultiviert, nie brechen sie aus. Mit Leichtigkeit werden die schwierigsten Stellen in Szene gesetzt. Das Spiel ist klar, jeder Ton hörbar, die Klangbalance ist austariert. Ein gläserner Würfel, vom Licht durchflutet. Die Bläser interpretieren akzentreich und lebendig. Dennoch wird man manchmal den Eindruck nicht los, in einem Wettkampf zu sein. Die Toccata und Fuge in d-Moll von Johann Sebastian Bach wird an der obersten Grenze zelebriert.

Höher und schneller, immer weiter hinauf. Leistungssport auf Musikinstrumenten. Der pochende Puls, die sich daraus ergebende Tiefenwirkung des Werkes gehen in der ausgespielten Meisterhaftigkeit verloren. Auch sind die präsentierten Kompositionen kurz, zugeschnitten auf den 3-Minuten-Radiohörer. Mit «Best of»-Häppchen» wird man etwa einem Brahms nicht annähernd gerecht, sind seine weiten Bögen nicht spürbar. Es fehlen Seele und Tiefgang.

Zwischen Jazz und Ballettmusik

Am überzeugendsten funktioniert dieser Apéro-Stil dort, wo die Musiker zu Hause sind, in moderneren, amerikanischen Kompositionen wie dem Gershwin–Medley. Es ist ein raffiniertes, fast improvisiertes Arrangement. Die Posaune (Achilles Liarmakopoulos) und der Tubist (Chuck Daellenbach) tanzen ein swingendes Duett in «Bess, You Is My Woman Now». Der Waldhornist Bernhard Scully intoniert ein schwebendes «Summertime».

Der Teil nach der Pause ist überhaupt sinniger, mehr im Fluss. Im langsamen «Shalom Aleichem» zieht die Canadian Brass weite Bögen, spielt mit Spannung und Atem. Die Bagatellen von Dvorák erklingen tänzerisch leicht, im untersten Lautstärkefeld. Die Bläser geben dem Stück auf kleinstem Raum Gestalt und Wandel. Hervorragend auch «Penny Lane»: Caleb Hudson spielt die Piccolo-Trompete faszinierend klar, reine Engelstimme an der Perlenkette. Zum Abschluss wird dann wieder der Komik und dem Wettkampf gehuldigt. Mit einer mässig lustigen Ballett-Parodie – wenn ein Bläser im rosa Tutu auftritt, bewegt sich der Humor auf einem schmalen Grat – und mit dem, wohl fast obligaten Hummelflug von Rimski-Korsakow verabschiedet die Band das begeisterte Publikum.

Roman Kühne

kultur@luzernerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.