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KONZERT: Philipp Fankhauser – Ein feines Plädoyer für etwas mehr Ruhe

Blueser Philipp Fankhauser und Sängerin Margie Evans kennen und schätzen sich seit Jahrzehnten. Das ist eine äusserst ansprechende Kombination.
Spielten viel, lachten aber auch viel: Philipp Fankhauser und Margie Evans im KKL. (Bild: Roger Grütter)

Spielten viel, lachten aber auch viel: Philipp Fankhauser und Margie Evans im KKL. (Bild: Roger Grütter)

Eigentlich habe er der Stadt Luzern einen offenen Brief schreiben wollen, sagt Philipp Fankhauser. Er habe es dann doch gelassen, «sonst wäre wohl niemand mehr an mein Konzert gekommen», so Fankhauser am Dienstagabend im vollen KKL. Er sage es jetzt trotzdem: «Macht doch vom Bucherer bis zur Hofkirche eine 30er-Zone. Da habt ihr eine der schönsten Promenaden, und die ganze Zeit heulen Automotoren. Und wie viel da gehupt wird, das hört ihr Luzerner wohl gar nicht mehr.»

Ansteckende Lebensfreude

Es war ein feines Plädoyer für etwas mehr Ruhe im Leben. Eines, das Fankhauser selber recht konsequent umsetzte. Seinen Blues reduzierte er im Konzertsaal auf die Essenz. Nur fein verstärkt und doch voller Kraft. Das verdankte er zum einen seiner fantastischen Band (einmal mehr grossartig: der Luzerner Gitarrist Marco Jencarelli) und zum anderen Margie Evans.

Die 75-jährige Amerikanerin hat selbst mit einer Erkältung noch wahnsinnig viel Energie und Soul in der Stimme. Wie sie etwa «God Bless The Child» von Billie Holiday interpretiert, ist schlicht umwerfend. Dazu kommt Evans’ unglaublich ansteckende Lebensfreude: Ständig lacht sie, manchmal auch mitten im Song.

Fankhauser und Evans kennen sich seit Jahrzehnten. Er sei immer «voller Respekt» gewesen, lobt Evans den Berner Blueser. Dieser schätzt die Ehrlichkeit der kantigen Sängerin: «Ich habe ihr in den 1980er-Jahren mal ein Demotape geschickt und bekam eine ehrliche Antwort: Es hat ihr nicht gefallen.» Der Kontakt ist trotzdem geblieben.

Nah am Geschehen

Heute ist Fankhauser sicher weiter mit seinem Sound. Und Evans scheint er jedenfalls zu gefallen. Sie singen zusammen auch einen Song, den Fankhauser für Evans geschrieben hat. Sie ergänzen sich gut. Auch dank der prächtig abgestimmten Band – Fankhauser, Evans und Band hatten sich mehrere Tage im Hotel Schweizerhof einquartiert, um zu proben (und sich am Autolärm gestört).

Beeindruckend sind vor allem die leisen Momente. Fankhauser gelingt es, mit wenigen Töne eine dichte Atmo­sphäre zu kreieren. Eine, die einem selbst auf dem hintersten Platz im vollen KKL das Gefühl gab, ganz nahe am Geschehen zu sein. Auch in seinen Ansagen ist er erfrischend direkt: Er spiele jetzt noch einen allerletzten Song, sagte er vor der Zugabe. Dann müsse er wirklich mit dem Hund laufen gehen.

Sagts, spielt und geht.

Michael Graber

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