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KONZERT: Rolling Stones: Die Magie ist verflogen

Am Mittwochabend sind die Rolling Stones im Letzigrund Stadion in Zürich aufgetreten. Bei den 50'000 Zuschauern kam nur wenig Begeisterung auf. Vielleicht war’s einfach zu kalt?
Sänger Mick Jagger und Gitarrist Ron'Wood auf der Bühne im Letzigrund Stadion. (Bild: Keystone (20.September 2017, Zürich))

Sänger Mick Jagger und Gitarrist Ron'Wood auf der Bühne im Letzigrund Stadion. (Bild: Keystone (20.September 2017, Zürich))

Von Stefan Künzli


Wir hatten noch diesen Abend vor drei Jahren im Ohr. Damals, an diesem denkwürdigen 1. Juni 2014, passte einfach alles zusammen. Magie lag in der Luft und wir hatten das Gefühl, die besten Rolling Stones seit langer, langer Zeit erlebt zu haben. Zu alt? Zu teuer? Immer das Gleiche? Bah! Diese Stones wollten wir jetzt noch einmal erleben. Zumal es vielleicht die letzte Gelegenheit ist.

Und sie kamen alle wieder. 50000 erwartungsfrohe Leute quer durch die Generationen. Die Kritiken zu den Konzerten in Deutschland waren geradezu überschwänglich und steigerten die Erwartungen noch zusätzlich. Können die alten Herren das Highlight von 2015 sogar noch toppen?

Um 20.22 Uhr beginnt der grosse Rock'n'Roll-Zirkus. Vier gewaltige Videoleinwände flackern rot: "Sympathy for the Devil", dann „It’s Only Rock And Roll“ und „Tumbling Dice“. „Gruezi Zurich, schön wieder hier zu sein“, sagt Jagger im schwarzen Glitzerkleid und wetzt wie ein Irrer über die riesige Bühne. Das Menschenmeer im Stadion Letzigrund tobt und johlt. Alles ist gut. Die Stones würdigen ihre alten Blueshelden und ihr aktuelles Album mit den zwei Stücken „Just Your Fool“ und „Ride Em Down“. Jagger brilliert als Sänger wie Blues-Harp-Spieler.

Die „No Filter“-Tour ist vergleichsweise bescheiden: Kein Firlefanz, kein Schnickschnack, keine Tänzerinnen, kein Konfettiregen, nichts Aufblasbares und kein Feuerwerk. Jagger & Co haben es nicht nötig. Sie sind die Attraktionen. Das Konzert ist die Show. Sehr sympathisch.

Aber mit den hohen, vielleicht zu hohen Erwartungen ist es so eine Sache. Denn plötzlich kippt im Letzi die Stimmung. Keith Richards, in schwarzem Mantel und dem obligaten Stirnband über seinen weissen Haaren, spielt schlampiger denn je. Es harzt und holpert. Aber auch Ron Wood verschleppt die Riffs. Die beiden Gitarristen waren ja nie blendende Techniker, aber sie haben sich stets wunderbar ergänzt. Fast schon genial, wie sie sich vor drei Jahren jeweils gegenseitig aus der Patsche halfen. Wenn der eine einen Aussetzer hatte, sprang der andere ein. Fast telepathisch. Diesmal gibt’s keine Rettung. Ist es einfach zu kalt? Die Magie ist verflogen.

Das Konzert wird zur Zitterpartie und das Publikum immer ruhiger. Der Tiefpunkt wird in den Songs mit Richards als Sänger erreicht (wieso um Himmels willen macht er das bloss?) sowie im nachfolgenden „Midnight Rambler“. Der Song mündet in eine jamartige Lärmorgie, die einfach kein Ende nehmen will. Drummer Charlie Watts, sonst die Ruhe selbst, versucht so etwas wie Struktur in das Stück zu bringen. Mit mässigem Erfolg.

Und es wird immer kälter. Die Stones streichen Songs und kürzen das Programm. Statt zweieinhalb Stunden spielt die Band nur gut zwei Stunden. Die Band ist langsam warm gespielt und findet sich besser, doch wirklich heiss wird es nicht mehr. Das Publikum fröstelt. Im letzten Stück, „Jumpin Jack Flash“, gibt Jagger nochmal alles. Er winkt und macht den Hampelmann. Kaum Reaktionen, die Fans sind wie festgefroren. Dann ist Schluss.

War’s das? Haben wir gerade das letzte Konzert der Stones in der Schweiz erlebt. Der 76-jährige Charlie Watts will angeblich tatsächlich nach dieser Tour sein Schlagzeug für immer einpacken. Bei Jagger und Richards kann man sich das noch nicht so recht vorstellen. Und während das Publikum sich zum Ausgang bewegt, erscheint auf der Leinwand ein grosses „Bis bald“. Vielleicht erhalten die Stones ja doch noch einmal die Chance, sich in besserer Form von der Schweiz zu verabschieden. Bitte an einem lauen, magischen Sommerabend.

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