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KONZERT: So macht Mitsingen Spass

Das Weihnachtssingen des Luzerner Sinfonieorchesters mit Chören ging mit Delia Mayer neue Wege. Aber mehr Spannung als die «Tatort»-Kommissarin bot die Musik.
Urs Mattenberger
Delia Mayer erzählt die Weihnachtsgeschichte. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 20. Dezember 2017))

Delia Mayer erzählt die Weihnachtsgeschichte. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 20. Dezember 2017))

Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Nach all den Glitzer und Glamour versprechenden «Christmas»-Events im KKL, Luzern, steht ein «traditionelles Weihnachtssingen» im Verdacht, hoffnungslos altmodisch zu sein. Aber das Luzerner Sinfonieorchester geht mit dem Konzertchor Klangwerk Luzern und weiteren Chören mit diesem Anlass jedes Jahr einen etwas anderen Weg. Und fegte am Mittwoch im vollen Konzertsaal jeden Eindruck des Altbackenen mit einem doppelt erfrischenden Auftakt hinweg.

Das galt schon im Familienkonzert um 18 Uhr für die Musik. Das Klangwerk, der Luzerner Mädchenchor und die Luzerner Sängerknaben, der Projektchor Reussbühl und der Stiftschor Engelberg sorgten nicht nur für eine imposante Sängerkulisse. Im Chor «Stimmt an die Saiten» aus Haydns «Schöpfung» überrumpelten sie gleich zu Beginn mit einem prachtvollen Tutti-Klang, in dem dennoch die Einzelstimmen schön zur Geltung kamen. Die von den Kinderchören auf Hochglanz polierten Soprane und präsente Männerstimmen sorgten für ein griffiges Klangbild ganz ohne die Schwammigkeit, die solchen Ad-hoc-Grossformationen gerne anhaftet.

Mayer kam unbewaffnet

Für einen zweiten erfrischenden Auftakt sorgte die Schauspielerin und «Tatort»-Kommissarin Delia Mayer mit ihrer sympathischen Begrüssungsmoderation. Denn die Art, in der sie alle Mitwirkenden und das Publikum begrüsste, war weit weg vom Märchentanten-Ton, dem man bei solchen Anlässen oft begegnet. Und mit der Bemerkung, sie sei unbewaffnet, nährte sie die Hoffnung auf eine Weihnachtsgeschichte, die doch auch etwas kriminalistische Spannung enthielt.

Die Fortsetzung des Abends löste im Familienkonzert die geweckten Erwartungen vor allem musikalisch ein. Möglich machte es auch die Konzentration auf kurze und meist populäre musikalische Nummern, die den Grossapparat – abwechselnd unter der Leitung von Moana N. Labbate und Eberhard Rex – in vielen Facetten vorstellten. Aus einem Carol von Kenneth Leigthon leuchtete wie ein Juwel der Glockenton des Sängerknaben Thaddäus Lange heraus. Im «Tollite hostias» aus Saint-Saëns Weihnachtsoratorium überraschte der Grosschor mit einer transparenten Klangkultur, die dem Schlusschor aus Haydns «Schöpfung» («Vollendet ist das Werk») zu frischem Schneid verhalf. Und bei Händels «Halleluja» ertappte man sich beim Wunsch, wieder einmal den ganzen «Messias» in einer solchen Interpretation zu hören. Zu verdanken war das auch dem federnd-pointierten Spiel des Luzerner Sinfonieorchesters, das mit einer Hornpipe aus Händels «Wassermusik» ohne Dirigent – eine Premiere in dieser Besetzungsstärke – auftrumpfte.

Texte im Eilzugstempo

Zwiespältiger blieben Mayers Textbeiträge. Selbst in der eingeschobenen Weihnachtsgeschichte wechselte sie nicht von der verhaspelt raschen Moderation in einen Erzählton. Dass sie ihre Texte ungerührt, im Eilzugtempo und auf Hochdeutsch durcheilte, hängte vor allem die jüngeren Zuhörer hoffnungslos ab.

Umso wichtiger war, dass man zwischen alledem reichlich Gelegenheit zum Mitsingen bekam. Gut auch, dass Weihnachtslieder berücksichtigt wurden, die man auch wirklich mitsingen konnte und denen die Arrangements von Eberhard Rex doch eine neue Note gaben. Eingesponnen in überraschende Klänge, grundiert von den hellen Kinderstimmen auf der Bühne, ins Monumentale gesteigert vom Grosschor: So macht Mitsingen Spass. Und nachdem das Weihnachtssingen erfolgreich mit allen möglichen Zutaten experimentiert hat, gibt man die Hoffnung nicht auf, dass nächstes Jahr einmal alles klappt.

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