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KONZERT: Spannende Soundcollagen

Wolfgang Sieber zeigte mit zahlreichen Familienmitgliedern, dass die Orgel auch Pop kann. Am meisten Eindruck hinterliess der Abend, wenn bekannte Gefilde verlassen wurden.
Getanzt wurde auch noch: Yvonne Sieber in der Hofkirche. (Bild: Eveline Beerkircher)

Getanzt wurde auch noch: Yvonne Sieber in der Hofkirche. (Bild: Eveline Beerkircher)

Michael Graber

Es sei das erklärte Ziel von Wolfgang Sieber, dass er bis ans Ende des «Echo Orgelfestivals» in der Hofkirche 75 Prozent der Bevölkerung erreicht habe, sagte der Moderator. Also, fügte er schnell nach, rein vom Musikgeschmack her. Sonst wäre es in der Hofkirche ja auch gar eng geworden an den neun Tagen des Festivals. Und die populärste Musik ist und bleibt der Pop. Logisch also, dass Sieber dem Pop einen eigenen Abend widmete. «PopOrgan» hiess er und bot am Mittwochabend einen spannenden Querschnitt durch aktuelles und weniger aktuelles Musikschaffen.

Ein neuer Mantel

Es war erstaunlich zu sehen, was der Orgelsound aus bekannten Popnummern machte – auch wenn das klangmächtige Instrument eher dezent eingesetzt wurde. Die «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner etwa funktionierte prächtig und klang wie ein typisches Kirchenlied. Und das nicht nur, weil der sakrale Raum den Rahmen gibt, sondern weil auch halt im Pop viele Elemente von Kirchenmusik eingeflossen sind. Und da man ja auch recht frei interpretieren kann, über was oder wen Büne Huber da singt, schlüpfte die «W. Nuss» fast schon in einen spirituellen Mantel. Er stand ihr ganz gut.

Erstaunlich gut stand der Orgel-Mantel auch dem Rap des Luzerner Livio Carlin alias L-Cone. Zusammen mit Beatbox, Klavier und eben Orgel schaffte er es trotzdem klar und deutlich, seine Texte zu präsentieren. Wer sein Album kennt, hat gemerkt, dass er das eine oder andere Fluchwort weggelassen oder umschifft hat. Ein Raum wie die Hofkirche und Orgelsound flössen halt auch einem vermeintlich frechen Rapper – zumindest ein bisschen – Respekt ein. Und auch hier: Das stand L-Cone besser, als er wohl zugeben würde.

Er war mit seinen 21 Lenzen auch eher die Regel als die Ausnahme an diesem Abend. Zumindest auf der Empore bei der Orgel. Dort standen auch noch Tiffany Limacher (Gesang), Gabriel Sieber (Beatboxing), Yvonne Sieber (Tanz und Gesang) und Joseph Sieber (Piano) als Vertreter der jungen Generation. Drei davon sind Kinder von Organist Wolfgang Sieber, was ein eindrückliches Zeugnis dafür ist, dass man musikalisches Talent vererben kann. Joseph Sieber (24) fungierte dabei manchmal fast ein bisschen als Bandleader und setzte geschickt immer wieder Akzente.

Visuell teilhaben an diesem Konzert auf der Empore konnte man dank Videoübertragung. Spannend waren diese Bilder vor allem im Falle von Christa Müller, die mit Quer- und anderen Flöten, Stimmen und einer Loopstation spannende Soundcollagen erzeugte. Nach und nach entstanden per Fussdruck immer dichtere Musikteppiche, die Müller mit dezenten Worten unterstützte.

Schade eigentlich nur, dass ihre Auftritte jeweils ein Solo blieben. Die anderen Musiker blieben dazu ebenso stumm wie die Orgel. Ob ein Nebeneinander der feinen Collagen von Müller und dem Orgelspiel von Sieber möglich gewesen wäre, ist zwar fraglich, aber spannend wäre der Versuch allemal gewesen.

Eigene Note

Mehr ins Gesamtwerk eingebunden war Heinz della Torre, der mit Trompete, Flügelhorn und einem Hälmi für eine ganz eigene Note sorgte. Das hatte durchaus auch mal etwas Druck und vor allem eine enorm schöne Klangwirkung. Müller wie della Torre schafften es, den Popabend aus den bekannten Gewässern zu holen und auf unbekanntes Terrain zu führen. In diesen Momenten war denn auch die Intensität am höchsten. Die Cover bekannter Songs wie «Bohemian Rhapsody» und «Make You Feel My Love» fielen zwar nicht ab, aber auch nicht sonderlich auf.

Den runden Gesamteindruck verdankt das Konzert aber auch dem stimmigen Licht, dass Markus Güdel in die Hofkirche brachte. In schönes Blau getüncht, wirkt die Kirche noch mystischer. Mit dezenten Effekten schaffte es Güdel, die Musik zu unterstützen und sie doch nie zu konkurrenzieren.

Vielleicht hätte man auch hier noch ein bisschen mehr wagen dürfen, aber die Gefahr, den Bogen zu überspannen, ist gerade in einem sakralen Raum schnell gross.

«We Are The Champions»

Am Schluss gabs dann wie bei einem Popkonzert noch eine Zugabe. «We Are The Champions» von Queen. Hier wurde dann hörbar gelöst, auch etwas mehr Dampf gemacht. Die Orgel war etwas lauter als in der Stunde vorher und trieb auch die anderen Instrumente und Stimmen an.

Das machte richtig Spass. Und zwar den Zuschauern ebenso wie den Musikern.

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