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KONZERT: «Spil no eis für alli die»

Martin Suter und Stephan Eicher begeisterten zusammen mit Heidi Happy und dem Chor Molto Cantabile im vollen KKL-Saal. Ein grosser Abend unter Gleichgestimmten.
Hans Graber
Perfektes Zusammenspiel: Martin Suter an der Mundharmonika, Stephan Eicher mit der Gitarre. (Bild: Boris Bürgisser (28. Februar 2018))

Perfektes Zusammenspiel: Martin Suter an der Mundharmonika, Stephan Eicher mit der Gitarre. (Bild: Boris Bürgisser (28. Februar 2018))

Hans Graber

hans.graber@luzernerzeitung.ch

Seinen 70. Geburtstag konnte Schriftsteller Martin Suter am Mittwoch feiern. Exakter: Seinen 17?., wie Stephan Eicher (57) scherzend anfügte. Suter ist ein Schaltjahrkind. Einen 29. Februar gibt es heuer jedoch keinen. Gratuliert wurde also am 28., auf der KKL-Bühne. Ein «Happy Birthday» des vollen Hauses hat man vielleicht erwartet. Aber nichts da, weder Eicher noch seine Band, weder Heidi Happy noch der Luzerner Chor Molto Cantabile gaben dafür den Ton an.

Gut so – und irgendwie typisch für den Abend: Eicher und Suter wissen schon, wo die Grenzen sind. Die Grenzen zum Kitsch, zur klebrigen Eintracht, zur Peinlichkeit. Die heiklen Gefilde wurden phasenweise gestreift, geritzt gar, aber nie ganz überschritten. Der Auftritt in Luzern war insofern eine Meisterleistung inklusive des Timings: gut anderthalb Stunden am Riemen. Mehr wäre womöglich bald einmal weniger gewesen.

Geschichten und Lieder im Wechselspiel

Martin Suter und Stephan Eicher, da wurde eine Männerfreundschaft zur kongenialen Bühnenpartnerschaft. Der Poet und der Barde. Suter las – nicht in der Ich-Form, sondern als aussenstehender Erzähler – Geschichten vor, über den Eicher und den Suter. Über gemeinsame Unternehmungen, Strahlen in den Bergen, Hornussen, Hundeschlittenfahrten, Monopoly-Spiele, Bar- und Beizenbesuche oder Versuche des Frauenverstehens. Alles frei erfunden natürlich, aber gekonnt gestrickt, unaufgeregt und ohne Faxen vorgetragen – und nicht zuletzt deshalb überaus witzig.

Suter hat zudem die Texte zu den Liedern geschrieben, die zwischen den Geschichten von Eicher interpretiert wurden – von Suter, wenn es passte und nicht zu anspruchsvoll war, auf der Mundharmonika begleitet! Man kann es auch umgekehrt sehen, es gab Geschichten zwischen Liedern. Aber so oder so, eins ging nahezu nahtlos ins andere über, wobei in den Songs einiges an Melancholie, Wehmut und Weltschmerz mitschwingt. Zwei, drei angetippte ältere Lieder waren massvoll alkoholgeschwängert.

Das Publikum – grossmehrheitlich auch lebenserfahren – konnte die besungenen Gefühlslagen ziemlich sicher nachempfinden und selber ein Liedlein davon singen. Oder zwei. «Si wär gärn wiit, wiit wäg vo hie – wenn sie nume wüsst, wohi und wie.» «Spil no eis für alli die, wo ned so luschtig si. Für die, wo finge, irgendwie geits Glück ane verbii.»

Sakrale Stimmung

Solche Gedanken sind so manch einer und einem wohl nur zu gut vertraut, obwohl sie es nicht so stimmig auf den Punkt bringen könnten: «I weiss ned, was es isch, aber s isch, als wärs miis.»

Suter und Eicher rührten ans Innerste ihres Publikums, das die Künstler mit Standing Ovations bedachte. Verdient haben sich diese auch die unaufdringliche Band und – bei ihren «Heimspielen» – Heidi Happy (Gesang, Xylofon) und der Chor Molto Cantabile. Die Luzerner sind geschickt verteilt ins Programm eingebettet. Die Heidi harmonierte mit dem Stephan, und wenn beseelt auch noch der Chor ins Ganze einstimmte, wurde es zuweilen sakral, ja geradezu weihnächtlich. Heiliger Strohsack, ist das schön. Doch, doch.

Draussen holte einen dann allerdings die bitterkalte Realität schnell wieder ein. Aber Suter/Eicher hatten zumindest für diesen Mittwoch schon recht: «Es wird Nacht und alles isch guet.»

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