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KONZERT: Tief berührende Passionsmusik

Dem Ensemble Corund gelang mit Musik von Heinrich Schütz und dem amerikanischen Komponisten David Lang ein stimmiger Bogen über 350 Jahre. Wie ein magischer Sog ging die Musik unter die Haut.
Gerda Neunhoeffer

«Leidenschaft und Passion braucht es, um etwas Ausserordentliches aufzuführen», sagte Wolfgang Sieber, Organist der Hofkirche, in seiner Dankesrede an Stephen Smith zum 25-jährigen Bestehen des Ensemble Corund. «Und du hast uns einen wahren Kristall geschenkt und arbeitest hart mit Beharrlichkeit wie ein Saphir.»

Mit diesen Worten überraschte Sieber seinen langjährigen Weggefährten – die beiden haben zusammen studiert – und bedankte sich für die gemeinsamen Projekte. Es war ein berührender Abschluss nach dem Konzert des Ensembles, das gestern in der Matthäuskirche (sowie am Samstag in Stans) stattfand.

Texte für eigenes Begräbnis zusammengestellt

Mit dem Passionskonzert, das einen Bogen von 350 Jahren umspannte und in seiner knappen Besetzung unglaublich eindringlich war, setzten die Sängerinnen und Sänger einen weiteren Meilenstein ihrer Programmgestaltung. Ganz auf die Texte bezogen sind die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz (1585–1672). Und ebenso ist es in «The Little Match Girl Passion», das der 1957 geborene Amerikaner David Lang 2007 schrieb und für das er ein Jahr später den Pulitzerpreis bekam.

Schütz komponierte die Exequien im Auftrag des Landesherrn Heinrich Posthumus Reuss, der sie für sein Begräbnis haben wollte und die Texte selbst zusammengestellt hatte. Im ersten Teil wechselten sich die Besetzungen ständig ab, dadurch ergaben sich vielfältige Klangverbindungen, die von den sechs Stimmen mit absolut reiner Intonation und hervorragend verständlicher Sprache gestaltet wurden.

Stephen Smith begleitete am Orgelpositiv inmitten seiner Sänger, die fast ohne Vibrato ganz den Stil dieser Musik trafen. Die Soprane von Gabriela Bürgler und Aline Willi-Jayet schwangen sich bei dem Wort «Himmel» leicht in die Höhe, der Tenor Tiago P. Oliveira gestaltete «Ich weiss, dass mein Erlöser lebt» strahlend und liess mit Hubert M. Saladin zusammen das Wort «Wolle» wie Schafblöken zittern. Jede Textzeile wurde ausgearbeitet, die musikalischen Linien klangvoll ausgesungen. Victor de Souza Soares, Altus, und Bassist Jonathan Sells verliehen dem Satz «Leben wir, so leben wir dem Herren, sterben wir, so sterben wir dem Herren» hörbare Zuversicht. Die Schütz-Motette «Herr, wenn ich dich nur habe» für zwei vierstimmige Chöre wurde bestechend klar und klangschön gesungen.

Unglaubliche Wirkung mit minimalistischer Besetzung

Für den letzten Teil der Musikalischen Exequien sangen die beiden Sopranistinnen und Hubert M. Saladin von der Empore. Die fünf Stimmen von vorne und die drei von oben verbanden sich zu raumgreifendem Wohlklang, der sich über den vielen Zuhörern strahlend vereinte. Die Musik von Schütz umrahmte die Komposition von David Lang, die mit minimalistischer Besetzung unglaubliche Wirkung erzielte. Die Geschichte von dem Mädchen mit den Schwefelhölzern von Hans Christian Andersen bildet die Erzählung, Texte von Picander und aus dem Matthäusevangelium sind wie Strophen dazwischengesetzt. Und die Erzählung wird mit einem immer wiederkehrenden Motiv gesungen, das sich stets leicht abwandelt, aber wie ein roter Faden durch die Komposition leitet.

Mit eindringlicher, schlank geführter Stimme sang die Altistin Annina Haug den Anfang der Geschichte, Gabriela Bürgler, Tenor Zacharie Fogal und Jonathan Sells hatten zunächst nur kleine Einwürfe, die sie präzise und klangvoll einstreuten.

Stephen Smith sass vor den vier Sängern und leitete souverän durch ein Geflecht an Tönen, das sich tief einprägte und einen magischen Sog erzielte. Der Beginn «Come, Daughter» wurde mit sich ständig wiederholenden, schnellen Tönen des Tenors ungemein intensiv, während die andere in lang gezogenem Legato «Help me complain» sangen. Durch die dann immer wieder unterbrochenen Textzeilen konnte man die Kälte förmlich spüren, komponierte Temperatur, die unter die Haut ging.

Wie in den Passionen von Bach gab es einen Mittelpunkt mit dem langen «Have mercy, my God», das durch Röhrenglocken, gespielt von Sells, intensiviert wurde. Und das «Eli,Eli» wurde in sich aufwärts bewegenden Oktaven vielmals gesungen. Wie ein Choral war «When it is time for me to go» in die Erzählabschnitte eingebettet. Und nach dem Erfrierungstod des kleinen Mädchens gab es einen intensiven Abgesang mit «Ruhe sanft». In der Interpretation des Ensemble Corund war es tief berührende, wundersame zeitgenössische Musik.

Gerda Neunhoeffer

kultur@luzernerzeitung.ch

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