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KONZERT: Viel Östrogen im Publikum

Die Berliner Band K. I. Z. schenkt ihrer weiblichen Fangemeinde eine Konzerttournee nur für Frauen. Auch in Zürich ist die Post abgegangen.
Maxim von K. I. Z. als adrette Blondine auf Tournee. (Bild: Facebook)

Maxim von K. I. Z. als adrette Blondine auf Tournee. (Bild: Facebook)

Sie sind die Till Eulenspiegel des deutschen Hip-Hop, die Jungs der Berliner Band K. I. Z. Der Gesellschaft halten sie am liebsten die Rückspiegel ihrer herbeigerappten fetten Limousinen vor, lassen den guten Geschmack bei heiklen Überholmanövern hinter sich und reimen auf Kosten von Wohlstandsverwahrlosten und des Prekariats Album um Album fröhlich Sauereien zusammen.

Die findet wegen der überreizten Sprache, die nur Ironie bedeuten kann, dann selbst das Feuilleton so richtig cool. Dass zwei Mitglieder der Band Aushängeschilder der deutschen Protestpartei «Die Partei» sind, beweist, dass man es bei K. I. Z. mit der «political correctness» höchstens sa-«tierisch» ernst meinen kann.

Verstimmte Ladys, verstimmte Männer

Traditionell schenkt die Band der Welt zum internationalen Frauentag in Berlin ein Frauenkonzert. Zu dem waren in manchen Jahren auch als Frauen verkleidete Männer zugelassen. Doch nicht in diesem Jahr! Als Antwort auf die Enthüllungen der #MeToo-Bewegung gibt man gleich acht Frauenkonzerte, darunter war am Dienstagabend eines im Jugendkulturhaus Dynamo in Zürich. Die Band begründet den diskriminierenden Ticketverkauf damit, dass «einige andere Männer im Showgeschäft im letzten Jahr ihre gierigen Schmutzfinger nicht bei sich behalten konnten und die Ladys deswegen etwas verstimmt» seien. Was einige verstimmte männliche Fans auf den sozialen Medien heftig herumpöbeln liess.

Keine Pöbelei, keine Anmachsprüche

Die Frauen hingegen genossen am Konzert die friedliche Stimmung – kein Ellenbogen rammte einem in die Flanken. Anmachsprüche, von wem? Weibliches Sicherheitspersonal durchwühlte Handtaschen, und im ausverkauften «Dynamo» wandten sich Tarek als Nonne mit Schnürkostüm, Maxim mit blondem Dutt und rosa Tutu und Nico als Lady in Red mit Blume im Haar an die Fangemeinde, ohne ein weib­liches Klischee auszulassen – schliesslich tut man das in dieser Branche auch als Mann nicht. «Schwester, kein Bodyshaming heute» und: «Ladys, reisst euch beim Pogen die Brustimplantate aus!»

Nun muss man wissen, dass K. I. Z. rhetorisch fast immer auf dem Niveau «Keine Schwänze, sondern Baumstämme / Keine Säcke, sondern Staudämme» rappen. So auch an diesem unzensierten Frauenkonzert, an dem ein aufblasbares rosa Einhorn im Publikum den Text abnickte. Wenn Hunderte von Frauen im Chor «Fotze» rufen wie an diesem Abend, hat das allerdings schon fast etwas Kathartisches. Was einmal mehr beweist: Sexismus ist kontextabhängig.

Julia Stephan

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