Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KONZERT: Von Schmachtfetzen bis Blueskracher: Philipp Fankhauser überzeugt im KKL

«I’ll be Around» heisst das neue Album von Philipp Fankhauser. Dieses bot er im fast voll besetzten Konzertsaal des KKL Luzern auch live überzeugend dar. Aber nicht nur er selber setzte die Highlights.
Pirmin Bossart
Philipp Fankhauser versteht es, Emotionen zu vermitteln. Rechts der Luzerner Gitarrist Marco Jencarelli. (Bild: Manuela Jans-Koch (8. März 2018))

Philipp Fankhauser versteht es, Emotionen zu vermitteln. Rechts der Luzerner Gitarrist Marco Jencarelli. (Bild: Manuela Jans-Koch (8. März 2018))

Pirmin Bossart

kultur@luzernerzeitung.ch

«Möget er no?», fragt Fank­hauser mitten in der launischen Schleicher-Session der letzten Zugabe, nachdem die Band schon fast zweieinhalb Stunden gespielt hat. Marco Jencarelli setzt zu einem letzten Solo an, und auch Fankhauser lässt seine Gitarre flüstern, dann ist das Konzert vorbei. Das Publikum hat seine satte Portion Blues und Soul bekommen. Jetzt drängen sich die Leute vor dem Merchandising-Stand, wo es neben «funky socks» auch das Album zu kaufen gibt, als CD, Vinyl und als Kassettli. Ob überhaupt jemand Letzteres kauft?

Fankhauser und seine Band haben performt, was man erwarten konnte: ein schmackhaftes Menü aus bluesigen Songs und Südstaaten-Soul, das ohne Show-Gehabe, aber mit Feingefühl und erdigen Grooves über die Bühne kam. Eine gut eingespielte Band mit dem Luzerner Top-Gitarristen Marco Jencarelli, dem wirbligen Hendrix Ackle an der Hammondorgel, dem US-Bassisten Angus Thomas und dem englischen Schlagzeuger Richard Spooner. Sie wird ergänzt mit einer sechsköpfigen Horn-Section und drei Background-Sängerinnen. 14 Mu­sikerinnen und Musiker auf der Bühne: ein Bluesfest auch für Leute, die vielleicht sonst wenig Blues hören.

Das ganze Album fast chronologisch

Das Konzert beginnt – wie auf dem Album – mit dem schönen Titel «Horse Of A Different Color», nur mit Band und Fankhauser als Sänger. Hier hört man gut seine aufgeraute Stimme und spürt ­seine Emotion, die er in die Songs legt. Beim zweiten Song «Homeless» ziehen die Bläser und Sängerinnen auf die Podeste, bei «Big Ol’ Easy» gibt es ein erstes Saxofon-Solo, und bei «Cryin’ Shame» schnallt sich Fankhauser die Gitarre um. Es ist ein Song, der mit seinem melodischen Feeling geradezu Pop-Qualitäten hat und tadellos intoniert wird.

Wie angekündigt, spielt die Band das ganze Album nahezu chronologisch durch. Die Songs folgen sich Schlag auf Schlag, Publikums-Animationen kommen gar nie auf. Manchmal wird mitgeklatscht, wenn ein temporeicher Blues-Kracher startet, aber die Band spielt souverän genug, dass man bald wieder zuhören kann und nicht huldigen muss. Fankhauser hat ein Faible für lang­same und soulige Nummern, bei denen auch die Background-­Vocals mit ihrem «Uhuu-huh» den Gefühlspegel beschwängern. Doch sackt die Band nicht in die Versüssung ab. Immer wieder ­frischen funky Bluesrock-Nummern die Palette der Schattie­rungen auf, die Fankhauser auf seinem 17. Album bereithält. Herzblues. Raublues. Solidblues. Main­streamblues.

Szenenapplaus für Marco Jencarelli

Mit seiner bodenständigen Musik und seinen radiofonen Songs holt Fankhauser nicht nur die herkömmlichen Blues-Fans ab, sondern ein breites Publikum, das mu­sikalisch gut bedient wird. Die Band spielt entspannt und leichtfüssig, die Dynamik pegelt zwischen langsam-schmachtend und temporeich-aufgeraut, mit den Bausteinen Groove und Me­lo­die. Jencarelli erhält für hin­reissenden Blues-Rock-Soli wohlverdienten Szenenapplaus, auch Fank­hauser gefällt mit seinen erdig-­reduzierten Linien und ­Akzenten auf der Hollow-Body-Gitarre.

Ein Genuss der besonderen Art war, wie inspiriert Hendrix Ackle die Hammond zum Grooven und Schimmern brachte, während er auf den Pianotasten seine Honky-­Tonk-New-Orleans-Fantasien auslebte. Die erste Zugabe ist geradezu ein Show-Teil für Ackle, der auch singt und mit Band und Bläsern eine Prachtnummer vom Stapel lässt. So lässt man sich die Südstaaten-Suppe gerne servieren.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.