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KONZERTCHOR: Verinnerlichung und Opernwucht

Der zweite traditionelle Grosschor Luzerns wagte sich an ein opernhaftes Werk. Und behauptete sich mit Rossinis «Stabat Mater» indirekt auch gegen auswärtige Konkurrenz im KKL.
Katharina Thalmann
Grossaufgebot für Rossini: der von Peter Sigrist geleitete Konzertchor sowie die Camerata Luzern im Konzertsaal des KKL. Bild: Roger Grütter (14. November 2016)

Grossaufgebot für Rossini: der von Peter Sigrist geleitete Konzertchor sowie die Camerata Luzern im Konzertsaal des KKL. Bild: Roger Grütter (14. November 2016)

Der Konzertchor Luzern hatte sich für sein diesjähriges Konzert im KKL keine leichte Aufgabe vorgenommen: Mit Rossinis «Stabat Mater» stand ein gross angelegtes Chorwerk auf dem Programm, dessen Herausforderung im wechselndem Ausdruck zwischen geistlicher Verinnerlichung und opulentem Opernklang liegt.

Als Ouvertüre sang der Konzertchor Luzern unter der Leitung von Peter Sigrist zusammen mit dem Orchester Camerata Musica Luzern den Kyrie-Satz aus Rossinis «Messa di Gloria». Bereits hier wurde hörbar, dass der Komponist zuvor innert zwei Jahrzehnten rund 40 Opern geschrieben hatte. Von 1836 bis zu seinem Tod 1868 widmete sich Rossini vermehrt der Komposition geistlicher Musik, liess aber auch in diesen Werken die reiche italienische Operntradition fortleben.

Allzu verlockende Opernpassagen

Im mittelalterlichen Gedicht «Stabat Mater dolorosa» wird die kummervolle Mutter Maria am Kreuz Jesu besungen. Rossini vertont den Text in zehn Sätzen, neben Chor und Orchester treten auch vier Gesangssolisten auf.

Im ersten Satz hatte die Besetzung mit einigen Balanceproblemen umzugehen: Das Orchester geriet ob der verlockend opernhaften Passagen hie und da zu wuchtig, was den 100-köpfigen Chor bisweilen fast unhörbar werden liess.

Das erste Tenorsolo im zweiten Satz zeichnete sich durch einen reizvollen Belcanto aus, wenngleich auch der leichte, schön kolorierte Tenor David Munderlohs sich nicht immer gegen das doch etwas flächig und beiläufig gestaltende Orchester durchzusetzen vermochte. Seine Nuancierungen kamen erst in einer kleinen Solokadenz am Ende des Satzes so richtig zur Geltung.

Nach der Verzweiflung kehrt die Italianità zurück

Rossinis dramaturgische Feinsinnigkeit wurde im Aufbau der nächsten Sätze hörbar. «Wer könnte nicht mittrauern?», lautet eine der introvertierten Zeilen im dritten Satz, der in förmlichen Verzweiflungsschreien der Solosopranistin Maria Cecilia Schmid gipfelte. Demgegenüber wirkt der vierte Satz universeller, und Rossinis Bass-Solo mit Zeilen wie jenen «Für die Sünden seines Volkes» wurde von Martin Achrainer entsprechend extrovertiert intoniert.

Im sechsten Satz kommen sämtliche Solisten, Chor und Orchester zum Zug. Hier wurden die erwähnten Balanceprobleme mit dem Orchester vielleicht am ohrenfälligsten – die eigentlich zart schwingende Musik geriet ab und an etwas ins Stocken.

Wo die Streicher mit ihren Pizzicati zum angenehmen Motor wurden, waren sich Chor und Klarinette bezüglich der Intonation nicht ganz einig. Im folgenden Alt-Solo wurden diese Ungenauigkeiten kompensiert: Die Bläser-Einleitung geriet präzise, die Italianità war zurück, und die Mezzosopranistin Annina Haug konnte den Facettenreichtum ihrer Stimme präsentieren.

Die Qualitäten des Konzertchors kamen exemplarisch in den beiden A-cappella-Sätzen in der Mitte und kurz vor Schluss zur Geltung. Peter Sigrist arbeitete klare Stimmführungen heraus und setzte schöne gestalterische Ideen wie Messa-di-voce-Effekte um, beispielsweise auf dem Wort «Gloria». In der rasanten Schlussfuge war jeder Stimmeneinsatz klar mitzuverfolgen, und vor allem die Herren im Chor, gegenüber den Frauen deutlich in der Unterzahl, machten die Fuge zum gelungenen Finale.

Der zweite traditionelle Luzerner Grosschor hatte sich damit indirekt gegen auswärtige Konkurrenten erfolgreich behauptet. Der Theaterchor Biel-Solothurn war nämlich – mit der Luzerner Sopranistin Regula Mühlemann und der Philharmonie Baden Baden – am Abend zuvor ebenfalls mit Rossinis Stabat Mater im KKL Luzern aufgetreten.

Katharina Thalmann

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