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KOPF DES TAGES: Ruben Östlund: «Was wir im Kino sehen, prägt unser Denken»

Der schwedische Regisseur, der für die Satire «The Square» die Goldene Palme gewonnen hat, fordert vom Publikum stets eine Stellungnahme.
Der schwedische Regisseur und Träger der Goldenen Palme von Cannes Ruben Östlund. (Bild: Julien Warnand/EPA, Cannes, 28. Mai 2017)

Der schwedische Regisseur und Träger der Goldenen Palme von Cannes Ruben Östlund. (Bild: Julien Warnand/EPA, Cannes, 28. Mai 2017)

Das Kino von Ruben Östlund gilt als «elegant provokativ». Diese Provokation liegt im gnadenlosen Blick, den der schwedische Regisseur auf die Menschen wirft, die er in unerwartete Situationen versetzt. «Typisch Östlund» heisst es von seinem neusten Wurf «The Square», der in Cannes die Goldene Palme gewonnen hat. Was also ist typisch für den 43-jährigen Filmemacher?

Bereits die Kurzfilme zeigten Östlunds Interesse für soziale Experimente und gesellschaftliche Prozesse. In «Incident By A Bank» rekonstruiert er einen realen Banküberfall und fokussiert dabei auf den öffentlichen Raum und dessen Überwachungskameras. Im Spielfilm «Involuntary» (2008) und im anschliessenden «Play» untersucht er anhand verschiedener Situationen eine Gruppendynamik. Wie frei sind wir als Individuen in unseren Entscheidungen, und wie stark sind diese von anderen beeinflusst? Bei «Play» musste sich Ruben Östlund den Vorwurf des Rassismus anhören, weil er schwarze, asiatische und weisse Jugendliche miteinander konfrontiert. Sein unter anderem in Cannes preisgekrönter Film beruhte freilich auf einem realen Gerichtsfall und wurde von der internationalen Kritik gerade dafür gelobt, dass er konsequent mit rassistischen Vorurteilen spielt.

Am bekanntesten ist aber sein Oscar-nominierter «Turist» («Höhere Gewalt», 2014) über einen Vater, der vor einer Lawine flüchtet, aber Frau und Kind zurücklässt. Der mehrfach preisgekrönte Film ist eine im satirischen Ton inszenierte Bestandesaufnahme einer Mittelstandsfamilie und ihrer widersprüchlichen Rollenbilder. Was mit Menschen passiert, die ihr Gesicht verlieren, ist ein wiederkehrendes Motiv im Kino des Schweden. Die Filme des Österreichers Michael Haneke hätten ihn beeinflusst, sagt Östlund. Auch wenn das wohl stimmt, so unterscheiden sie sich zumindest durch den satirischen Witz und bösen Humor des Nordländers.

Sehr früh hat Östlund zu einer Handschrift gefunden. Er bevorzugt lange, statische Einstellungen, präzise Bildschnitte und findet teils ungewöhnliche Perspektiven. Dabei drückt er ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl dafür aus, wie Kinobilder unser Leben mit beeinflussen: «Filme stellen unser Verhalten nach, und wir imitieren, was wir im Kino sehen», sagt Ruben Östlund. Er sei darum absolut überzeugt davon, dass die Art und Weise, wie wir unsere Gesellschaft im Kino darstellen, unser Denken mitpräge. Deshalb ist es dem schwedischen Regisseur und Drehbuchautor so wichtig, sein Publikum zu involvieren; es stets dazu zu bringen, in einer alltäglichen, aber komplexen Situation einen moralischen Standpunkt einzunehmen.

Andreas Stock

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