KRIENS: Breite Non-Mainstream-Allianz

Das B-Sides Festival auf dem Sonnenberg ist eine Wundertüte, in der man bedenkenlos naschen kann. 30 Bands laden dieses Jahr zum Besuch.

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Daniel Snaith alias Caribou aus Dundas, Ontario.PD (Bild: PD)

Daniel Snaith alias Caribou aus Dundas, Ontario.PD (Bild: PD)

Das B-Sides läutet die Sommerfestivalsaison ein

Das B-Sides ist eine Marke geworden, der man vertrauen kann. Das gilt zumindest für all jene Musikfreunde, die nicht das von allen Radiostationen bis zum Überdruss servierte Pop-Menü goutieren wollen, sondern künstlerisch eigenwilligere und spannendere Klänge entdecken möchten.

Enthusiasmus

«Wir orientieren uns nach unserem Musikgeschmack, der sich auf all das fokussiert, was sich ausserhalb des Mainstreams an interessanten Projekten und künstlerischen Haltungen bewegt», sagt Geschäftsleiter Marcel Bieri. Eine gute Zusammenarbeit besteht mit der Bad Bonn Kilbi, dem interessantesten Musikfestival der Schweiz. Das inhaltlich sehr ähnlich ausgerichtete B-Sides ist wie der kleine Bruder von Bad Bonn – und bekommt entsprechend gute Feedbacks von weitherum. «Das B-Sides wird vor allem ausserhalb von Luzern immer stärker wahrgenommen. Es spricht sich herum, was wir bieten.»

Stilistisch ist auch dieses Jahr eine gewohnt breite Allianz aus Indie-Rock, Elektronik-Acts, eigenwilligen Songwritern und experimentierfreudigen Bands versammelt. Ihre Gemeinsamkeit: Sie machen ihr Ding, auch wenn sie damit nicht Massen ansprechen. Hier setzt der Enthusiasmus der B-Sides-Macher ein: «Genau solche Bands wollen wir einem aufgeschlossenen Publikum vorstellen. Wir erachten sie als musikalisch besonders kreativ und haben den Plausch, wenn wir ihnen eine Bühne geben können», sagt Bieri.

Schwerpunkt Kanada

Zu den Highlights der diesjährigen Ausgabe zählt der Auftritt des Kanadiers Caribou mit Band, dessen funkelnder Electronic-Psych-Pop nicht nur auf Platte zum Feinsten gehört, was dieses Genre zu bieten hat, sondern auch live ein Erlebnis ist. Am gleichen Auftaktabend harrt mit dem amerikanischen Gitarristen Daniel Bachman ein weiterer junger Solokünstler der Entdeckung: Bachmans «Appalachian Psychedelia» erinnert an grosse Akustikgitarristen wie Jack Rose und John Fahey.

Offenbar hat B-Sides ein Herz für kanadische Musiker, sind doch neben Caribou gleich drei kanadische Top-Acts auf der Bühne: Fucked up knütten Hardcore aus den Saiten, der melodisch und vergnügt ist. Pink Mountaintops stehen für eine geballte Rock-Fuhr, und Suuns zelebrieren die noisig-krautige Drone-Extase, manchmal auch nur auf einem Akkord.

Ein zumindest «secretly Canadian» ist der fantastische Singer-Songwriter Damien Jurado.Portugal The Man aus Alaska sind eine klassische Indierockband mit schönen Melodien. Aus Tschechien kommt die legendäre Underground-Band The Plastic People of the Universe, die seit über 40 Jahren existiert und sich trotz Repression von staatlicher Seite nie unterkriegen liess. Zappa, Beefheart, Velvet Underground und Doors sind ihre Einflüsse.

Gute Schweizer

Vorbildlich gibt B-Sides stets auch ausgewählten Schweizer Bands eine Plattform: Peter Kernel, Pandour, das jazzige Trio Heinz Herbert, der erfahrene Zürcher Spoken-Word-Beat-Künstler Jurczok 1001, Buvette, Wavering Hands oder das Sartorius Drum Ensemble, das in eigenwilliger Manier die Songs von Merz inszeniert. Bands wie Land Covered with Briars, Evje, Ophelias Iron Vest, Moskito oder die wieder erstandenen Suchas zeigen, dass auch Luzern Bands zu bieten hat, die in der bunten Indie-Welt mithalten können.

Mit seinem Non-Mainstream-Programm hat sich B-Sides in den bisherigen acht Jahren gut etablieren können. «Inzwischen hat unsere konsequente Ausrichtung Früchte getragen. Wir verfügen über ein breites Netzwerk und geniessen Vertrauen bei den Agenturen und Musikern. Ohne diese Aufbauarbeit hätten wir Künstler wie Caribou oder Portugal the Man nie gewinnen können», sagt Bieri.

Maximal 3600 Tickets können an den drei Tagen verkauft werden, was an der letzten Ausgabe annähernd erreicht wurde. Nächstes Jahr wird B-Sides zehn Jahre alt. Bereits Ende Oktober soll das Jubiläum mit einem Indoor Festival im Südpol eingeläutet werden. Auch die Konzertserie in Zusammenarbeit mit dem Kleintheater geht weiter. B-Sides ist eben nicht nur das Festival auf dem Sonnenberg. B-Sides ist ein Gesamterlebnis für besondere Musik.Pirmin Bossart

Donnerstag, 12., bis Samstag, 14. Juni

Sonnenberg, Kriens. Infos: www.b-sides.ch