KRIENS: Luzerner Sinfonieorchester will im Südpol «Generationenprojekt» realisieren

Acht Millionen Franken Baukosten, Eröffnung in zwei Jahren: Intendant Numa Bischof gibt Details zum angekündigten Probehaus des Luzerner Sinfonieorchesters bekannt. Und sagt, wie dieses in Sparzeiten den KKL-Aufschwung weiterführt.

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Luzerner Sinfonieorchester Südpol (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 2. Juni 2017)

Luzerner Sinfonieorchester Südpol (Bild: Nadia Schärli, Kriens, 2. Juni 2017)

Interview: Urs Mattenberger

urs.mattenberger@luzernerzeitung.ch

Numa Bischof, kein Jahr nach dem Scheitern der Salle Modulable kündigen Sie den Bau eines Probehauses für das Luzerner Sinfonieorchester beim Südpol an und greifen die Idee eines Musik-Campus wieder auf (Ausgabe vom 2. Juni). Gibt es da einen Zusammenhang?

Nicht direkt. Das Problem eines fehlenden Proberaums ist jahrzehntealt. Die Pläne für ein Probehaus gehen gut vier Jahre zurück. Damals zeigte sich, dass auch die Salle Modulable nicht über einen angemessenen Orchester-Proberaum verfügt hätte. Da war klar, dass wir dieses Problem selber lösen müssen. Aber dass jetzt im Südpol ein Musik-Campus mit Musikschule, der im Bau befindlichen Musikhochschule und unserem Probehaus entstehen kann, zeigt, dass sich gewisse Ideen rund um die Salle Modulable weiterentwickeln.

Wieso genügt dem Orchester der Probesaal im KKL nicht?

Orchester-Probesäle brauchen ein bestimmtes Raumvolumen, damit sich ein sinfonischer Klang entfalten und mischen kann. In modernen Häusern sind dafür
4000 Kubikmeter Standard – jener des KKL verfügt über rund 1300 Kubikmeter. Der Probesaal mit 4000 Kubikmetern ist deshalb das Herzstück des Projekts. Aber auch die darin integrierten kleinen Proberäume für Solisten sowie unsere Musiker und ihre Ensembles verbessern die Arbeitsbedingungen enorm.

Das Haus ist auch ein «Kreativzentrum» für Kinder- und Jugendprogramme. Also ein neuer Veranstaltungsort, etwa für Kammermusik?

Nein, Konzertveranstaltungen finden hier keine statt. Aber die Idee ist, dass an Tagen, an denen das Orchester nicht probt, hier Produktionen unseres Kinderprogramms gezeigt werden. Deshalb soll der Saal mit warmen Materialien gestaltet sein, die eine angenehme Atmosphäre erzeugen – allerdings, wie das ganze Haus, ohne Luxus und Schnörkel. Der Probesaal ist ein Werkstattraum, in dem man niederschwellig dem Orchester begegnen kann – bei kleinen Besetzungen haben bis zu 200 Stühle Platz. Aber die Idee eines Kreativzentrums geht darüber hinaus.

Inwiefern?

Das Luzerner Sinfonieorchester hat wegen der knappen Raumverhältnisse weder im KKL noch im Theater ein eigenes Zuhause. Das Probehaus soll ihm ein solches und nach aussen ein Gesicht geben. 20 Jahre nach dem Bau des KKL, das dem Orchester so viel Erfolg und Sympathie eingebracht hat, ist der richtige Moment für dieses Generationenprojekt für die Musikstadt Luzern. Dieses schafft quasi auch backstage die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Erfolg.

Aber ein Neubau, der 8 Millionen Franken kostet, steht angesichts der Spardiskussionen quer in der politischen Landschaft.

Es ist mir bewusst, dass man das so wahrnehmen kann. Ich kann daher nicht genug betonen, dass der Bau grossmehrheitlich privat finanziert wird – da fliesst kein Franken der öffentlichen Subventionen für das Orchester hinein. Möglich macht es neben weiteren Stiftungen und Mäzenen die Stiftung für das Luzerner Sinfonieorchester, die schon die privat finanzierte Orchestervergrösserung ermöglicht hat. Insofern ist das ein analoger nächster Schritt, von dem das Orchester, die öffentliche Hand sowie weitere Nutzer profitieren.

Wie viel von den rund 8 Millionen sind schon zugesichert?

Die Geldsuche verläuft bis anhin sehr erfreulich, sodass man die Finanzierung als realistisch betrachten kann. Mit einem Benefizkonzert und einem Crowdfunding in der kommenden Saison wollen wir die Finanzierung zudem breit abstützen.

Sparpolitiker werden vorschlagen, öffentliche Beiträge an die Kultur zu kürzen, wenn sich dafür private Gelder in dieser Höhe finden lassen. Was antworten Sie darauf?

Die wichtigste Voraussetzung, um private Unterstützung zu finden, ist eine solide Grundfinanzierung durch die öffentliche Hand. Genau darin liegt der Vorteil einer öffentlich-privaten Partnerschaft: dass jeder Subventionsfranken durch zusätzliche private Mittel mit einer Wertsteigerung umgesetzt werden kann. Das ist umgekehrt attraktiv für die Subventionsgeber, weil mit gleich viel Subventionen mehr erreicht wird.

Wie wird der Betrieb finanziert?

Die Stiftung für das Luzerner Sinfonieorchester übernimmt auch einen Teil der Betriebskosten. Der Rest der Betriebskosten wird durch Vermietungen an den Trägerverein Luzerner Sinfonieorchester sowie an weitere Nutzer finanziert. Dem Orchester und der öffentlichen Hand fallen darüber hinaus keine Kosten an.

Dass ein Kulturakteur sich ein Haus baut und dieses an «weitere Nutzer» vermietet, ist neu in Luzern. Wer sind weitere Nutzer?

Das können alle Kulturakteure sein. Wir würden die Academy des Lucerne Festival genauso willkommen heissen wie Ensembles aus der Blasmusikszene. Im Gespräch sind wir bereits mit dem Blasorchester Stadtmusik Luzern, das einen geeigneten Probesaal sucht. Synergien dürfte es mit der Musikschule, dem Theater und der Musikhochschule Luzern geben. Da gibt es vermehrt gemeinsame Projekte. Solche Zusammenarbeiten werden sich verstärken, wenn alle an einem Musik-Campus Südpol in eine gemeinsame Mensa gehen.

Wie sieht der Terminplan aus?

Bereits durchgeführt haben wir einen Architekturwettbewerb. Eine Fachjury und Vertreter der öffentlichen Hand wählten – anonym! – das Büro Enzmann Fischer & Büro Konstrukt AG, das auch die Musikhochschule realisiert. Bis im Herbst wird das Bauprojekt im Detail ausgearbeitet, die Baueingabe bei der Gemeinde Kriens soll Ende 2017 erfolgen. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2018 geplant, es wird mit einer Bauzeit von rund einem Jahr gerechnet. Mit Einsprachen rechnen wir eigentlich nicht, zumal die Gemeinde Kriens und die Stadt Luzern – wie die Stockwerkeigentümerschaft des Südpols – das Projekt begrüssen und seit Beginn aktiv involviert sind.

Hinweis

www.sinfonieorchester.ch