KRIMI: Abrechnung mit Bankern

Im neunten Hunkeler-Fall gehts Bankern an den Kragen, zwei segnen gar das Zeitliche, sie arbeiteten in derselben Bank. Dennoch ist es alles andere als eine klare Sache.

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Hansjörg Schneider (77) bietet währschafte Hunkeler-Krimikost. (Bild: Bastian Schweitzer, Diogenes)

Hansjörg Schneider (77) bietet währschafte Hunkeler-Krimikost. (Bild: Bastian Schweitzer, Diogenes)

Irene Widmer

Für Hunkelers ehemalige Kollegen von der Basler oder Elsässer Polizei allerdings schon: Sie ziehen wie immer falsche Schlüsse, verhaften die Falschen und spinnen abenteuerliche Verschwörungstheorien. Vor allem Hunkelers Leib-und-Magen-Feind Madörin erhält dafür verdientermassen eins aufs Dach.

Es ist ein Zufall, der den pensionierten Hunkeler überhaupt ins Spiel bringt: Im Spital, wo er sich einen gutartigen Tumor hat entfernen lassen, wird er Zeuge von etwas, das ein Mord gewesen sein könnte. Allerdings steht der Ex-Kommissär zu dem Zeitpunkt unter dem Einfluss von Schlafmitteln und ist sich deshalb nicht sicher. Ist die junge Frau mit dem blauen Kopftuch, die nach Zimt duftet, wirklich die Nachtschwester?

Zum Kapital übergelaufene Linke

Das vermeintliche Opfer ist ein alter Kollege Hunkelers aus linken Studentenzeiten, der für die Basler Volksspar­kasse BVS gearbeitet hat. Und der jetzige Direktor der Bank wird in New York verhaftet, ein ehemaliges BVS-Kadermitglied auf der Jagd erschossen.

Alle sind sie ehemalige Linke, die zum Kapital übergelaufen sind – ein schönes Mordmotiv, findet der Staatsanwalt. Es kommt aber doch anders, als man denkt, und Hunkeler mit seinem elastischen Herzen behält die Wahrheit für sich.

Das ist aber nicht das im Buchtitel genannte Geheimnis: Hunkeler kriegt Besuch von einer 18-jährigen Enkelin, von deren Existenz er nichts wusste. Und das Mädchen ist ein durchtriebenes Früchtchen. Wird Schneider sie und ihren sympathischen marokkanischen Vater ins Hunkeler-Universum aufnehmen?

Spürbar noch nicht verleidet

In seinem Alter – Hansjörg Schneider ist 77 – schreibe er nicht mehr so schnell wie früher, sagte der Autor in einem Interview. Und nach jedem neuen Hunkeler-Krimi habe er das Gefühl, es sei sein letzter, bis ihn dann die Lust darauf wieder packe. Dass ihm der bärbeissige Kommissär mit dem grossen Herzen für die kleinen Leute nicht verleidet ist, ist in «Hunkelers Geheimnis» deutlich zu spüren. Wobei man auch gespannt sein darf, wer nach dem Tod Mathias Gnädingers in allfälligen neuen Verfilmungen den Part spielen wird.

So oder so: Mit der Familienzusammenführung hat Schneider einen Cliffhanger installiert, der nach weiteren Folgen schreit. So dürfen passionierte Fans wohl auf einen zehnten Fall hoffen. Grosse Literatur ist das nicht, aber solide. Und das passt auch gut zum Stierengrind Hunkeler: Der isst auch lieber Währschaftes als Gourmet-Food.

Hansjörg Schneider: Hunkelers Geheimnis. Diogenes, 200 Seiten, Fr. 30.–.