Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KRIMI: Aus Kindern werden Machtmenschen kreiert

Michael Theurillat verbindet Schweizer Lokalkolorit mit internationaler Dimension. Kinder und Erwachsene mit besonderen zwiespältigen Eigenschaften stehen im Fokus.
Michael Theurillat kennt die Geschäftswelt aus seiner langjährigen Tätigkeit im Bankenwesen. (Bild: Keystone/Ayse Yavas)

Michael Theurillat kennt die Geschäftswelt aus seiner langjährigen Tätigkeit im Bankenwesen. (Bild: Keystone/Ayse Yavas)

Arno Renggli

«Wetterschmöcker» heisst der neue Krimi des erfolgreichen Basler Autors Michael Theurillat (55), ganze fünf Jahre sind seit dem letzten vergangen. Der Titel weist wie diejenigen der vorherigen Bücher («Rütlischwur» und «Sechseläuten») explizit auf die schweizerische Ausrichtung von Theurillats Erzählen.

Gigantischer Rohstoffkonzern

Der «Wetterschmöcker» ist ein kantiger älterer Mann, der bei Kommissar Eschenbach seine Nichte als vermisst meldet. Als an der Sihl eine rituell verbrannte Leiche gefunden wird, ergeben die Untersuchungen, dass die Tote besagte Nichte ist. Für Eschenbach erhält der Fall eine internationale Dimension; die Frau war designierter CEO eines neuen gigantischen Rohstoffkonzerns. (Dass der Vorgängerkonzern Glowmore heisst und in Zug angesiedelt ist, gehört wohl nicht zu den Ähnlichkeiten mit der Realität, die der Autor in der Einleitung als «rein zufällig» bezeichnet.)

Doch Eschenbach und sein Team gelangen auch noch auf eine ganz andere Fährte: In den 70er-Jahren kam es zu verschiedenen häuslichen Gewalttaten, im Zuge der Kinder der involvierten Elternteile verschwanden bzw. durch einen steinreichen Unternehmer fremdplatziert wurden. Offenbar in der Annahme, dass die Kinder aufgrund einer erblichen Psychopathie besondere Fähigkeiten entwickeln würden, die sie dann später zu Topshots internationaler Firmen machen würde. Und es macht den Anschein, als sei dieser Plan aufgegangen. Indes haben besagte Kinder und Jugendliche damals ihre eigene Geschichte mit wechselseitigen emotionalen Verwicklungen erlebt – ein Pulverfass, das viele Jahre später explodiert.

Mediterrane Beschaulichkeit

Das Buch hat zwei Handlungsebenen, die sich auch stilistisch recht stark unterscheiden: Da ist der Strang um Eschenbach und seine Ermittlungen, der mit einer Beschaulichkeit, lockeren Dialogen und zeitweiligem Humor daherkommt, die an mediterrane Krimis wie etwa von Donna Leon erinnern. Und wie deren Commissario Brunetti zählt Eschenbach auf die Hilfe von schrulligen Neben­figuren, etwa auf seine eigensinnige Sekretärin Rosa, seinen liebeshungrigen Mitarbeiter Jagmetti und neu einen unbedarften Praktikanten.

Anders – direkter und härter – kommen die Szenen ohne Eschenbach daher: im Kontext mit dem Rohstoffkonzern oder den damaligen Ereignissen unter den adoptierten Jugendlichen, die in Rückblenden aufscheinen. Gerade hierbei bietet Theurillat auch einigen psychologischen Tiefgang, etwa in den Ausführungen über Psychopathie, die Menschen dank der Absenz von Ängsten und Skrupeln tatsächlich zu Erfolg verhelfen kann. Auch wenn die zwingende Vererblichkeit dieser Eigenschaften vielleicht etwas dick aufgetragen ist.

Zusammen mit einigen wunderbaren Passagen im kilometerlangen Labyrinth des Schwyzer Hölloches und einem insgesamt funktionierenden Spannungsbogen ist «Wetterschmöcker» vielleicht Theurillats bisher bester Krimi.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Michael Theurillat: Wetterschmöcker. Ullstein, 347 Seiten, ca. Fr. 27.–.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.