KRIMI: Quizfragen entscheiden über Leben und Tod

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt lassen einen hochintelligenten Mörder auf den Ermittler los. Das ergibt eine packende Geschichte.

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Hans Rosenfeldt (links) und Michael Hjorth schreiben zusammen sehr erfolgreiche Krimis. (Bild: PD/Appendixfotografi)

Hans Rosenfeldt (links) und Michael Hjorth schreiben zusammen sehr erfolgreiche Krimis. (Bild: PD/Appendixfotografi)

Michael Graber

Der Tote sitzt mit dem Kopf zur Ecke, trägt einen lächerlichen Hut. Und an seinem Rücken hängt ein Fragebogen mit 50 Fragen. Der Tote, ein Teilnehmer einer Reality-Show, hat den Test nicht bestanden. Er konnte nicht 20 der 50 Fragen richtig beantworten. Statt einer schlechten Note gab es einen Kopfschuss per Bolzenschussgerät. Und er wird nicht das letzte Opfer des Mörders bleiben.

Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt führen mit «Die Menschen, die es nicht verdienen» ihre Krimi-Reihe um Polizeiberater Sebastian Bergman geschickt weiter. Der Mörder macht sich auf, diejenigen zu bestrafen, die ihren Erfolg aus seiner Sicht nicht verdienen: Castingsternchen, Blogger und andere C-Promis, die vor allem fürs Berühmtsein berühmt sind. In seinen Augen vollbringen seine Opfer keine Leistung, zelebrieren lediglich die Oberflächlichkeit.

Hochaktuell

Das ist ein hochaktuelles Thema. Und Hjorth und Rosenfeldt lassen den Mörder auch Kommentare in Online-Medien lesen, in denen er für seine Taten gefeiert wird. Das zeigt aber eigentlich vor allem eines: Auch der Mörder ist längst nicht frei von moderner Eitelkeit.

Eitel ist wie immer auch der kantige Psychologe Bergman, der erneut der Polizei hilft. Mit ihm im Team ist auch seine Tochter, die aber – wie er selber auch – erst seit kurzem von der direkten Verwandtschaft weiss. Auch dieses Spiel mit der menschlichen Ebene im Ermittlerteam gelingt gut. Im Gegensatz zu dem direkten Vorgänger («Das Mädchen, das verstummte») stimmt die Balance zwischen Mordermittlung und Gefühlsleben wieder. Beides ist wohldosiert und wird in hohem Tempo vorangetrieben.

Sicherlich ist es von Vorteil, wenn man die früheren Bücher kennt. Gewisse Anspielungen versteht man sonst wohl kaum, auch wenn sich das Autorenduo bemüht, Neueinsteigern viele Hilfen zu geben. Aber auch ohne Vorwissen: «Die Menschen, die es nicht verdienen» ist ein packend erzählter Krimi, der richtig mitreisst und sehr clever mit der Frage von Schuld und Mitschuld spielt. Auch indem er Bergman einmal fast selber zum Mittäter macht.

Hjorth, Rosenfeldt: Die Menschen, die es nicht verdienen. Wunderlich, 544 Seiten, zirka Fr. 26.–.