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KRIMI: Riskanter Kampf gegen Nazis hat tödliche Folgen

Wenn ein Erstling als «bester Krimi Skandinaviens» geehrt wird, heisst das etwas? Im Falle von Gard Sveen schon. Sein Buch bietet eine extrem spannende Zeitreise in den Zweiten Weltkrieg und den Widerstand gegen die Nazis.
Dem norwegischen Autor Gard Sveen (37) ist ein überragender Krimi-Erstling gelungen. (Bild: PD/Charlotte Vheem)

Dem norwegischen Autor Gard Sveen (37) ist ein überragender Krimi-Erstling gelungen. (Bild: PD/Charlotte Vheem)

Arno Renggli

Im Jahr 2003: Der betagte Carl Oscar Krogh, legendärer Held im norwegischen Widerstand gegen die Nazis, wird bestialisch ermordet. Kurz zuvor sind in einer Waldregion drei Leichen gefunden worden, darunter ein Kind, welche offenbar seit dem Zweiten Weltkrieg dort lagen. Kommissar Tommy Bergmann findet bald Indizien, dass beide Mordtaten miteinander zusammenhängen:

Im Jahr 1939: Die junge Agnes Gerner wird in England zur Agentin für den norwegischen Widerstand ausgebildet. In Norwegen angekommen, kommt Jahre später endlich ihre grosse Chance: Ein norwegischer Grossindustrieller, der mit den Nazis kooperiert, verliebt sich in sie und will sie zu seiner Frau machen.

Doch Agnes Gerners Situation ist komplex: Für die kleine Tochter des Mannes hegt sie Gefühle, gleichzeitig hat sie eine geheime Liebesbeziehung mit ihrem Verbindungsmann zum Widerstand. Und ein hoher Nazi-Offizier, der sich im Umfeld des Industriellen tummelt, beobachtet jede ihrer Aktionen mit akribischem Misstrauen. Gerner weiss: Ein falscher Schritt – und sie ist verloren.

Erzählerisch einfach perfekt

Diese beiden Handlungsebenen wechseln sich im Krimi des Norwegers Gard Sveen ab. Bald ahnt man, was es mit den drei Leichen auf sich haben könnte. Doch wie genau alles zusammenhängt, erfährt man erst im Laufe der beiden Storys, was extreme Spannung erzeugt. Parallel zu den Recherchen des Kommissars auf der «heutigen» Ebene (genauer eben im Jahr 2003, damit es noch genug überlebende Figuren aus dem Weltkrieg gibt) enthüllen die Erlebnisse von Agentin Gerner nach und nach das Gesamtbild.

Das ist erzählerisch schlicht perfekt gemacht. Und gegen Ende gibts einige überraschende Wendungen. Will man das Haar in der Suppe suchen, kann man monieren, dass die allerletzte Wendung vielleicht eine zu viel ist und die Konstruktion der Story etwas zu offensichtlich wird. Aber das tut dem überragenden Gesamteindruck keinen Abbruch.

Riskante Hauptfigur

Für sich spannend ist die heutige Ebene mit einem Fahnder, bei welchem der Autor durchaus ein gewisses Risiko eingeht. Denn Kommissar Tommy Bergmann wurde von seiner Frau verlassen, weil er sie regelmässig geschlagen hat. Diese dunkle Seite entzieht ihm die übliche Lesersympathie, auch als er sich sehr zögerlich auf eine neue Beziehung einlässt. Wie es damit und mit Bergmann generell weitergeht, wird man wohl in nächsten Krimis erfahren.

Das Highlight des Buches aber ist die Erzählebene des Zweiten Weltkriegs. Die gefährliche Arbeit von Agnes Gerner, verbunden mit ihrem emotionalen Dilemma, ist atemberaubend. Zudem wird eine spannende Geschichtslektion geboten über die Nazis als Besatzermacht und den norwegischen Widerstand.

Fazit: Auf Augenhöhe mit den Topkrimis eines Henning Mankell.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

Gard Sveen: Der letzte Pilger. List, 539 Seiten, Fr. 21.90.

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