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KRIMI: Vermeintlicher Held hat Leiche im Weinkeller

Erst feiern, dann ermitteln: Im achten Fall feiert Martin Walkers Kommissar Bruno beim Geburtstag eines Kriegsveteranen mit. Doch ein Gast stirbt. Ist es wirklich ein Unfall?
Erneut verbindet Martin Walker (68) Kriminelles mit Kulinarischem. (Bild: Klaus Einwanger, Diogenes)

Erneut verbindet Martin Walker (68) Kriminelles mit Kulinarischem. (Bild: Klaus Einwanger, Diogenes)

Frauke Kaberka, dpa

Mit dieser Einladung geht für Bruno ein Herzenswunsch in Erfüllung. Endlich lernt er den Helden seiner Jugend persönlich kennen: Marco Desaix, genannt der Patriarch, feiert seinen 90. Geburtstag. Und der Chef de Police aus dem Périgord-Städtchen Saint-Denis darf dabei sein. Doch seine gute Stimmung wird arg gedämpft, als noch in der Nacht einer der Gäste, ein enger Freund des Patriarchen, ums Leben kommt. Vermutlich ein tragischer Unglücksfall.

Einmal mehr folgt ein sehr spannender und ausserdem geschichtsträchtiger Fall. Durchbrach der Patriarch doch als erster französischer Pilot die Schallmauer und pflegte in seinem langen Leben legendäre Kontakte zur russischen Regierung und zu israelischen Politikern.

Heimliche Ermittlungen

Nun aber hat er eine Leiche im (Wein-)Keller, die für Brunos Geschmack allzu schnell eingeäschert wird. Noch bevor er mit seinen zunächst heimlichen Ermittlungen beginnt, hat er Gelegenheit, die Familie des betagten Patriarchen kennen zu lernen, vorneweg seine drei Kinder und Schwiegertochter Madeleine, die anscheinend jeden Mann um den Finger wickelt – Bruno inklusive.

Widerwillig muss er zur Kenntnis nehmen, dass hinter dem schönen Schein so manches dunkle Familiengeheimnis verborgen liegt. Ja, die umtriebige Sippe des ruhmreichen Kriegshelden hat es in sich – nicht zuletzt wegen ihres jahrhundertealten Stammbaums. Zur Familientradition gehört auch die Weinkellerei, an deren Erzeugnissen sich Bruno und halb Saint-Denis gütlich tun.

Wie immer gutes Essen

Bruno, der gern in die Geschichte abtaucht, sich aber nur ungern mit der Gegenwartspolitik beschäftigt, hat bei seinem achten Fall auch ein Umweltproblem zu lösen und Frieden unter aufgebrachten Einwohnern zu stiften. Er muss persönlichen Attacken entkommen, und natürlich den mysteriösen Tod des Freundes von Marco Desaix aufklären. Was ihn nicht davon abhält, sich die nötige Energie bei gutem Essen zu holen.

An dessen Zubereitung lässt Martin Walker auch den Leser teilhaben, dem bei Pâtes, Confits mit Trüffeln oder Médaillons de chevreuil das Wasser im Mund zusammenläuft. Walkers neues Buch macht also Appetit: Allerdings nicht nur auf die kulinarischen Kostbarkeiten des Périgord, sondern auch auf weitere Geschichten rund um Bruno und seine Freunde.

Der Mix aus Krimi, Historie, französischer Lebensart und provinzieller Eigenart hat einen besonderen Charme, den der Schotte, der eigentlich Franzose ehrenhalber werden müsste, wunderbar eingefangen und wiedergegeben hat. Denn seine Kenntnisse von Land und Leuten, ihren Eigen- und Gewohnheiten, ihrer Natur, Geschichte und Kultur sind ebenso fundiert wie seine Zuneigung zu ihnen tief ist.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Martin Walker: Eskapaden. Diogenes, 400 Seiten, Fr. 27.–.

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