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Künstlerischer Nachlass: Anlaufstelle hilft, schon zu Lebzeiten vorzusortieren

Was passiert mit den Werken, wenn Künstler sterben? Visarte Zentralschweiz bietet neu Beratungen für den Umgang mit dem Nachlass.
Pirmin Bossart
Künstler Otto Lehmann in seinem Atelier. (Bild: Philipp Schmidli, Emmenbrücke, 4. November 2019)

Künstler Otto Lehmann in seinem Atelier. (Bild: Philipp Schmidli, Emmenbrücke, 4. November 2019)

So unbeirrt wie Otto Lehmann in den letzten 40 Jahren gemalt und gezeichnet hat, so selbstverständlich hat er sich, zusammen mit seiner Frau Kristin, früh mit seinem potenziellen Nachlass auseinandergesetzt. Der in Adligenswil lebende Künstler ist ein kontinuierlicher Schaffer, der sich immer wieder auf neue Themen und Vorgehensweisen eingelassen hat. Er wurde vielfach ausgezeichnet und zu Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland eingeladen.

Sein Atelier in einem alten Industriegebäude in der Viscosistadt in Emmenbrücke wirkt extrem aufgeräumt. In den Gestellen lagern Gemälde und Zeichnungen. Jede Arbeit ist eingepackt in Papier, mit einer Nummer versehen und in einem Verzeichnis erfasst. Aber Otto Lehmann ist nicht zum Archivar seiner eigenen Werke geworden. Er ist weiterhin am Arbeiten, sucht neue Ausdrucksweisen, beschäftigt sich mit Medien und Materialien. Nur hat er schon immer darauf geachtet, einen Überblick zu behalten und seine Werke nicht einfach ins Uferlose wachsen zu lassen.

Schon viele Bilder entsorgt

«Beim Zügeln meines Ateliers vor fünf Jahren vom Boa-Gewerbegebäude nach Emmenbrücke habe ich realisiert, dass ich gar nicht für alles Platz habe», sagt Lehmann. «Damals habe ich alles gesichtet, viele Bilder entsorgt.» Gleichzeitig begann er, noch systematischer als zuvor, seine Werke zu erfassen. Inzwischen sind gut 95 Prozent der Bilder und Zeichnungen inventarisiert – auch jene, die bei Sammlern und in Museen sind. Seit 1978 hat er 12 Werkgruppen abgeschlossen. Die Angaben sind in Bundesordnern gesammelt. «Das Inventarisieren hilft, sich mit seinem Werk auseinanderzusetzen und zu entscheiden, was man behalten will.»

Vermutlich gehört er in dieser Beziehung eher zu den Ausnahmen unter den Kunstschaffenden. «Die meisten wollen einfach kreativ sein und sich nicht auch noch um das Inventarisieren kümmern», sagt die Kunsthistorikerin Bettina Staub von der Arbeitsgruppe Nachlässe von Visarte Zentralschweiz (siehe Box am Ende des Textes). Mit der Folge, dass sich dann die Nachkommen oder Freunde mit den Hinterlassenschaften beschäftigen dürfen. Wissen diese, was sie damit anfangen sollen? Können sie die Werke fachgerecht erhalten, ihren Wert einordnen, mögliche Interessenten ausfindig machen? Oder wird eines Tages einfach die Mulde bestellt und Tabula rasa gemacht?

Solche Fragestellungen haben den Berufsverband der visuell schaffenden Künstlerinnen und Künstler bewogen, das Thema Nachlass gezielter anzupacken. Eine spezielle Arbeitsgruppe bietet Beratung über die fachgerechte Aufbewahrung und Inventarisierung eines künstlerischen Werkes. Sie leistet auch Hilfestellungen, wenn es um Schenkungen aus einem Nachlass an Museen oder Archive geht, um die Planung von Ausstellungen und Publikationen zu einem künstlerischen Werk oder um rechtliche Fragen (Erbrecht, Steuerrecht, Urheberrecht).

Inventarisieren und Schenken

Das sukzessive Inventarisieren der Werke gibt einem Kunstschaffenden nicht nur einen Überblick über sein Wirken. «Es ist auch eine Voraussetzung für die Einordnung und Bewertung eines künstlerischen Nachlasses und ermöglicht, mit dem Werk weiter zu arbeiten», sagt Bettina Staub. Eine weitere sinnvolle Strategie, den Nachlass zu bewältigen, seien Schenkungen, indem Sammler oder Museen bei Ankäufen noch weitere Werke dazu erhielten. Das hat Otto Lehmann wiederholt praktiziert und gute Erfahrungen gemacht.

Nachlässe zu erhalten, ist nicht zuletzt eine Platzfrage. Eine riesige Lagerhalle zu haben, in der die Nachlässe verschiedener Kunstschaffenden gelagert und bewirtschaftet werden könnten, sei wohl «eine Utopie», sagt Bettina Staub. «Ein Traum», nickt Otto Lehmann. Er hat vorderhand sein Archiv in seinem Atelier. Sein Wunsch wäre, wenn dereinst mit seinem Nachlass aktiv gearbeitet würde. Zum Beispiel mit Ausstellungen zu aktuellen Fragestellungen, in die auch Bilder aus Nachlässen integriert werden könnten: Als Erweiterung zum Thema, als Kontrast zur Hauptposition oder schlicht als Kunstwerk, das etwas zu sagen hat.

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