Kolumne

«Künzlis Playlist»: Das sind die besten Songs gegen Rassismus

Unser Kulturredaktor schreibt in seiner aktuellen Kolumne über den Kampf gegen die Unterdrückung von schwarzen Künstlern in der Musikwelt.

Stefan Künzli
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Stefan Künzli

Die Geschichte der afroamerikanischen Musik spiegelt das Selbstverständnis und die Stellung der Schwarzen in der US-Gesellschaft. Im Blues wurde das Leid zwar beklagt, er klagte aber noch nicht an. Das änderte sich mit «Strange Fruit» von Billie Holiday (1939), der wohl erschütterndsten Anklage gegen die Lynchjustiz.

Protest blieb in der afroamerikanischen Musik aber vorerst die Ausnahme. Vor allem deshalb, weil die mächtige weisse Unterhaltungsindustrie die Musik «rein» halten wollte. Noch 1958, als Sonny Rollins seine «Freedom Suite» veröffentliche, wehrte sich die Jazzpresse so heftig gegen die Politisierung des Jazz, dass das Label Riverside das Album kurzerhand zurückzog und in «Shadow Waltz» umbenennen liess.

Eine ähnliche Erfahrung machte Charles Mingus mit «Fables Of Faubus» (1959). Das Stück stürtzte Gouverneur Faubus von Arkansas vom Sockel, der Rassenintegration in der Schule mit der Nationalgarde zu verhindern versuchte. Das Stück war mit einem Text versehen, den das Label Columbia nicht veröffentlichen wollte. Mingus wechselte deshalb das Label und nahm das Stück ein Jahr später nochmals auf, – diesmal mit der Protestnote.

In den 60er-Jahren, mit der stärker werdenden Bürgerrechtsbewegung, liess sich der musizierende Protest nicht mehr unterbinden. Das politische Konzeptalbum «We Insist! Freedom Now Suite» von Max Roach mit der Sängerin Abbey Lincoln ist auch heute noch eines der leidenschaftlichsten und eindrücklichsten Dokumente des Protests.

Mit dem Aufkommen des Soul («A Change Is Gonna Come») und dem wachsenden Selbstbewusstsein («Say It Loud! I’m Black And Proud!») erreichten Politik und Protest die Pop-Kultur. Vor allem das Label Motown sträubte sich lange dagegen, doch Marvin Gaye («What’s Goin On») setzte sich schliesslich durch.

Im Hip-Hop wurde der Protest noch einmal wütender und fordernder («Fuck Tha Police»). Und weisse Rock-Bands wie Rage Against The Machine schlossen sich dem Kampf gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit an. Rassismus geht uns alle an!

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