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Kulturtouristen kommen fast nur wegen der Stiftsbibliothek in die Ostschweiz

Ist Kultur für den Ostschweizer Tourismus wichtig? Die St. Galler Kulturkonferenz ortet Nachholbedarf. Denn neben der Stiftsbibliothek gibt es in der Ostschweiz kaum touristisch ausgewertete Kulturangebote.
Hansruedi Kugler
Hotspot des Kulturtourismus in der Ostschweiz ist die Stiftsbibliothek St.Gallen (Bild: Michel Canonica)

Hotspot des Kulturtourismus in der Ostschweiz ist die Stiftsbibliothek St.Gallen (Bild: Michel Canonica)

Weit abgeschlagen auf Rang 22: Kultur. Was Schweiz-Besuchern zur Ostschweiz einfällt, fragt Schweiz Tourismus alle paar Jahre. Die Antwort: Berge, Natur, Entspannung zuvorderst – aber eben: Kultur landet weit abgeschlagen auf hinteren Rängen. Thomas Kirchhofer, seit zehn Monaten Direktor von St. Gallen Bodensee Tourismus, hatte die Zahlen des Tourismus Monitoring 2017 mitgebracht und in seinem Workshop an der Kulturkonferenz präsentiert. Man hätte mit hängendem Kopf gleich wieder nach Hause gehen wollen. Oder trotzig sagen können: Was brauchen wir überhaupt Touristen, wir sind nicht Venedig oder Bregenz und machen Kultur für uns in der Ostschweiz! Oder man erinnerte sich ans erste Referat von Christian Schützinger von Vorarlberg Tourismus – und schwankte zwischen Neid und Zuversicht. 2,5 Millionen Gäste, 9 Millionen Übernachtungen, 2 Milliarden Euro Umsatz, die Jahresbilanz für den Tourismus in Vorarlberg ist mehr als eindrücklich.

Schubkraft dank einer einzigen Organisation

Die rund hundert Konferenzteilnehmer aus Politik, Tourismus und Kultur des Kantons St. Gallen waren beeindruckt. Nicht nur wegen der Zahlen, ­sondern auch wegen der Gründlichkeit der Konzeptarbeit, der Vernetzung von Tourismus und Kulturanbietern sowie der langfristigen Ausrichtung der Tourismusstrategie in Vorarlberg. Konsequent wird dort das Konzept aus dem Jahr 2004 umgesetzt («Wir mussten dem Einbruch bei den deutschen Sommertouristen in den 1990er-Jahren entgegenwirken»). All das in einer in vielerlei Hinsicht vergleichbaren ­Region. Stadt-Land, See-Berge, Kultur-Natur: Vorarlberg und die Ostschweiz sind sich ähnlich. Grosser Unterschied: Vorarlberg schafft mit einer einzigen Tourismusorganisation Schubkraft, die Ostschweiz verzettelt sich: zwei Appenzeller Tourismusorganisationen, eine Thurgauer sowie die St. Galler, die sich fast für jede ­Region eine Tourismusförderung leisten. So kommt es denn, dass Thomas Kirchhofer sich sogar ­darum kümmern muss, endlich eine gemeinsame Veranstaltungsagenda zu bekommen.

«Kulturschaffende sind auch Touristiker»

Dringenden Nachholbedarf ortet auch Regierungsrat Martin Klöti: «In der Vergangenheit hat die Kultur im Tourismus der Ostschweiz eine untergeordnete Rolle gespielt.» Die Wahl des Tagungsortes, dem Forum Würth in Rorschach, sei ein Signal. Denn dieser Ort zeige, wie Wirtschaft, Öffentlichkeit und Kultur zusammenkommen, wie ein solcher Ort einen Aufschwung bringe, ohne zum billigen Event zu geraten.

Nicht jedes Festival ist touristisch wertvoll

Nichts gegen Festivals, meinte Klöti, schliesslich hat er in Rapperswil jahrelang das Blues ’n’ Jazz organisiert: «Festivals können einem Ort etwas Weltformat geben.» Die Skulpturenausstellung Bad Ragartz oder das Festival Naturstimmen im Toggenburg seien gute Beispiele, die auch touristischen Nutzen bringen. Aber die Freilicht-Musicals der Walenseebühne seien ein schlechtes Beispiel: «Da werden die Zuschauer mit Cars herangekarrt und im Restaurant des Hauptsponsors Migros verpflegt.» Das gäbe weder kulturell noch wirtschaftlich eine regionale Verankerung. Touristisch also wertlos. Ziel müsse es sein, dass die Besucher mindestens einen Tag und eine Nacht in der Region bleiben. Mit der kommenden Dauer-Präsentation des Klosterplans im St. Galler Stiftsbezirks mache man in der Stadt einen grossen Schritt. Vorausgesetzt, man könne die Besucher überzeugen, dass es in der Stadt oder der Region noch anderes zu sehen und zu erleben gäbe. Er hoffe nämlich, dass die Besucher dann nicht bloss mit Cars anreisen und in Lindau für zehn Euro essen.

«Quoten mögen wir nicht»

Sind Kulturschaffende auch Touristiker? Dieser Meinung ist jedenfalls Bruno Vattioni, Geschäftsführer der Säntis Schwebebahnen: «Sie füllen die Wochenenden und die Freizeit mit grossartigen Inhalten.» Klangwelt-Initiant Peter Roth stimmte dem zu. Als die Übernachtungszahlen im Toggenburg in den 1990er-Jahren einbrachen, begann er mit den ersten Klangkursen. Entspannt sahen das auch Barbara Karl vom Textilmuseum, Katharina Schertler Secli vom Kleintheater Fabriggli Buchs und Barbara Schlumpf von der Commedia Adebar Uznach. Bedrängt fühlen sie sich nicht vom Tourismus. Touristen seien willkommen, die Programmierung aber mache man davon nicht abhängig. «Wir wissen genau, wen wir einladen müssten, um immer ein volles Haus zu haben. Das ist aber nicht unser Ziel. Wir machen unser Programm, Quoten mögen wir deshalb nicht», sagte etwa Schertler Secli.

Dass sich einige städtische Kulturanbieter in der Vergangenheit von der Tourismusförderung vernachlässigt fühlten, habe er nun nicht zum ersten Mal gehört, sagte Thomas Kirchhofer. Den Auftrag zum strukturierten Dialog zwischen Tourismus und Kultur nahm er mit nach Hause.

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