KULTUR: Luzerner Rap der Generation «041»

Die Rapper Marash & Dave veröffentlichen mit «Disneyland» ihr zweites Album. Stimmungsschwankungen gehören zu den zehn Songs genauso wie zum richtigen Leben der beiden Luzerner.

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«041» ist auch ihre Religion. Marash & Dave hoch über Luzern. (Bild: Tino Scherer/PD)

«041» ist auch ihre Religion. Marash & Dave hoch über Luzern. (Bild: Tino Scherer/PD)

Luzerner Fest, Samstag, 23 Uhr, Primetime. An der Bahnhofstrasse herrscht geladene Stimmung, ein Gewitter ist im Anzug. Tausende Leute in Feierlaune, dichtes Gedränge vor der Bühne. Von all den Konzerten, die Marash Pulaj und David Largier im Sommer 2014 spielten, ist ihnen jener Auftritt vom 28. Juni mit Hitparaden-Stürmer Mimiks mit am besten in Erinnerung geblieben. Marash Pulaj lächelt, dann sagt er: «Das war schon ziemlich geil.»

Rap als Ventil

Für Auftritte wie diesen leben Marash & Dave, wie sich das Rap-Gespann nennt. «Konzerte machen Spass», sagt Dave Largier (20). Aber es ist mehr als das. Rap ist für die beiden nicht nur ein unterhaltsamer Zeitvertreib. «Schach spielen, ins Fitness gehen – das sind Hobbys», sagt der 21-jährige Marash. Nicht so Rap. «Die Musik gehört zu unserem Leben.» Manchmal ist es die pure Leidenschaft, dann aber auch wieder Arbeit. So wie am vergangenen Wochenende, als die beiden samstags und sonntags um 6 Uhr aufstehen mussten, um einen Videoclip zu drehen. Rap ist vor allem aber auch ein Ventil. «Extreme Stimmungen liefern die beste Inspiration für neue Songs», erklärt Marash, während er in einem Luzerner Restaurant vor einer Tasse Kaffee sitzt.

Die beiden Luzerner, die zuerst Freunde waren und erst später begannen, gemeinsam Musik zu machen, reflektieren ständig, was um sie herum passiert. Und sie schauen ganz genau hin. «Viele Leute arbeiten von morgens bis abends und warten dabei nur auf den Freitag», sagt Dave. «Dann gehen sie in einen Club, bestellen sich mit Freunden eine Wodkaflasche für 500 Stutz und machen auf Highlife. Und dann ist der ganze Traum auch schon wieder vorbei.»

Wodka für 9.95 Franken

«Wenn ich so was sehe, könnte ich kotzen», sagt Dave. Auf der anderen Seite gibt er zu, dass auch er und seine Kollegen nicht gegen solche Versuchungen gefeit sind. Auch sie sind ständig unterwegs, mit ihren «Brudis», wie sich die Freunde untereinander bezeichnen. Und natürlich wird getrunken. Wodka Primakov. Im Coop gibts die 70-cl-Flasche für 9.95 Franken. 38 Volumenprozent. Primakov sei ein Sinnbild für eine ganze Generation, sagt Dave. Und am Sonntag folgt der grosse Kater – heftige Stimmungsschwankungen inklusive. «Der Ausgang ist verbunden mit so viel Frustration», sagt Dave. «Und trotzdem tun wirs immer wieder.» Warum genau, lässt er offen. Er sagt aber: «Ohne Ausgang wären wir wahrscheinlich glücklicher –, aber dann gäbe es auch das Album nicht.»

Vieles ist Maskerade

«Die Strosse send so suber, wie de Ondergrond dräckig esch.» – Diese Zeile auf dem Titelsong des Albums «Disneyland» bringe es auf den Punkt, erklärt Marash. «Die Touristen, die nach Luzern kommen, sollen eine glänzende und makellose Stadt vorfinden. Teure Geschäfte, saubere Strassen, das Disneyschloss Gütsch. Wer aber schon mal an einem Samstagmorgen um 5 Uhr über den Bahnhofplatz ging, weiss, dass die Realität anders aussieht; dass vieles nur Maskerade ist.» Darum geht es den jungen Musikern in ihrem Album. Sie wollen ihre Sicht der Dinge darlegen, die Gesellschaft demaskieren. Und die Leute vielleicht sogar zum Nachdenken anregen? «Das ist vielleicht ein etwas zu hoher Anspruch», lächelt Dave.

Generation «041»

Marash und Dave gehören zur «041»-Clique. Eine Gruppierung, die sich dank Mimiks mittlerweile im ganzen Land einen Namen gemacht hat. «‹041› sind keine Zahlen, ‹041› ist eine Religion», rappt Mimiks auf einem gemeinsamen Song mit Stress. Und auch Marash & Dave sagen: «Es geht nicht nur um die Musik oder um einen Ort. «‹041› steht für eine Generation, für ein Lebens­gefühl.» Deshalb würden auch Leute aus ganz verschiedenen Subkulturen diese Bewegung zelebrieren. «Und genau deshalb hat Luzerner Rap in den letzten Jahren so grosse Fortschritte gemacht. Wir laufen nicht mit Scheuklappen durch die Welt.» Im Zusammenhang mit ihrer Musik bedeutet das: ein poppiger Refrain? Na und! Ein Feature mit einem Elektro-DJ? Gerne! Erlaubt ist, was gefällt. «Wir machen die Musik, die wir auch selber hören würden», sagt Dave.

Das Album «Disneyland» ist ihr zweites gemeinsames Album. Und wie schon das Erstlingswerk «#wegeinischey» ist auch «Disneyland» kostenlos als Download erhältlich. «Dadurch erreichen wir viel mehr Leute», sagt Marash. Und darum geht es den beiden schliesslich: Viele Leute sollen die Musik von Marash & Dave hören und anschliessend an ihre Konzerte pilgern. Das nächste Album werde dann jedoch ein «richtiges», sagt Dave. Und dann wird in den Charts durchgestartet, so wie Kollege Mimiks, der mit seinem Album «Vodka Zombie Rambo Gang» vor einigen Monaten direkt auf Platz 1 landete. Obwohl ihnen diese Vorstellung gefallen dürfte, sagen Marash & Dave: «Darüber machen wir uns dann nächstes Jahr Gedanken.»Daniel Schriber

Hinweis

Das Album «Disneyland» von Marash & Dave kann ab sofort unter www.marashunddave.ch gratis heruntergeladen werden. Weitere Infos: www.facebook.com/marashunddave